Chronik | Österreich
31.01.2018

Umstrittenes "Germanen"-Lied auch bei MKV

Die Holocaust-Zeile, die im Liederbuch der Germania zu lesen war, kommt im "Kommersbuch" der katholischen Couleurstudenten allerdings nicht vor. Dafür eine Fußnote mit dem Verweis, dass es sich dabei um einen "parodistischen Text" handle.

Teile des umstrittenen Liedertextes, der in einem Buch der Burschenschaft Germania zu finden war, sind offenbar weiter verbreitet als gedacht: Wie am Mittwoch bekannt wurde, war das Stück "Es lagen die alten Germanen" bis vor vier Jahren auch auf der Internetseite des ÖVP-nahen Mittelschüler-Kartell-Verbands (MKV) zu lesen. Dieses Lied stammt aus den 1930er-Jahren. In den einzelnen Verbindungen wurde es um verschiedene Strophen erweitert.

Die Strophe bei der es um die Ermordung der Juden geht, kommt in der MKV-Version nicht vor. Sehr wohl zu lesen war aber die zweite Strophe, in der es heißt: "Heil Hitler, ihr alten Germanen, ich bin der Tacitus."

Aktuell: Regierung will gegen Burschenschaft Germania vorgehen

Laut Kartellvorsitzendem Walter Gröblinger war das Stück ein Teil des Kommersliederbuchs, welches 1984 erschienen war. Die besonders umstrittene Zeile aus dem Germania-Buch "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million" kommt im ÖCV-Buch aber nicht vor. Der Cartellverband vermutet, dass sie von der Burschenschaft dazugedichtet wurde, wie ein Sprecher der APA sagte.

Dass das Lied nicht nur in der Germania in Wiener Neustadt kursierte, bestätigte der ehemalige freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer bereits vergangene Woche. Der Burschenschafter bekannte, dass ihm das umstrittene "Germanen"-Lied in seiner Zeit in der Pennälerverbindung Austria Knittelfeld untergekommen sei. Und zwar inklusive der umstrittenen Liedzeile wegen der jetzt Ermittlungen wegen des Verdachts der NS-Wiederbetätigung aufgenommen wurden. Gesungen habe er es allerding nicht. "Nur gehört", meinte Mölzer im Ö1-Morgenjournal (mehr dazu hier).

Mölzer betonte zugleich, das Lied - ohne die "groteske Strophe" - sei eigentlich "ein Spottlied auf die NS-Volksgemeinschaft, kein Loblied" gewesen. Ähnliches geht auch aus einer Fußnote hervor, die in der mittlerweile überarbeiteten Auflage des ÖCV-Kommersliederbuchs aus dem Jahr 1984 zu finden ist.

Laut dieser Anmerkung stammt das Lied aus dem Jugendliederbuch des Franziskanerordens („Der Bettelmusikant“) und ist ein „parodistischer Text“, der „übertriebene Deutschtümelei, insbesondere Nazismus und Rassenlehre bespöttelt“.

Der ÖCV betonte am Mittwoch, dass das Kommersbuch 2015 ohne das umstrittene Lied neu aufgelegt wurde und man deutsch-nationales Gedankengut ablehne.

Herausgegeben wurde das Kommersbuch vom Mittelschüler-Kartell-Verband der katholischen Studentenkorporationen im Namen des Cartellverbands und des Akademischen Bundes der katholischen Landsmannschaften.

Der MKV zählt viele namhafte Politiker zu seinen Mitgliedern. Erwin Pröll ist ebenso beim MKV wie Günther Platter oder Othmar Karas, Reinhold Mitterlehner und Christoph Leitl.