Chronik | Österreich
02.09.2018

Überladenes Heeresboot? Suche nach „Fakten“

Über die Interventionen eines Heeressprechers und einen versuchten Maulkorb für die Rettungskräfte.

Am Samstag um 18.41 Uhr ruft ein sichtlich erregter Bundesheersprecher in der Redaktion an, um für die Änderung eines Online-Titels zu intervenieren. Michael Bauer wirft dem KURIER übelste Spekulationen vor. Er selbst habe doch alle „Fakten“ zu dem Unfall in Hainburg geliefert, dem Roten Kreuz und anderen Rettungsorganisationen dürfe man kein Gehör schenken, nur er könne über Unfälle des Bundesheeres die Wahrheit berichten. Mit dieser Intervention will Bauer erreichen, dass der Titel in seinem Sinne geändert wird. Als dies nicht passiert, twittert Bauer, der KURIER verbreite Gerüchte.

Was war passiert? Der KURIER hatte online den Titel „ Heeresboot gekentert: Waren zu viele Menschen an Bord?“ verwendet. Denn es gibt unterschiedliche Berichte, wie viele Personen tatsächlich auf dem Arbeitsboot waren. Um 12.35 Uhr hatte auch die Austria Presse Agentur berichtet, „das verunglückte Boot war laut Rotem Kreuz mit insgesamt 24 Personen besetzt“. Auch andere Helfer bestätigten das dem KURIER hinter vorgehaltener Hand.

Intern kam es jedenfalls zu heftigen Debatten zwischen den Einsatzorganisationen. Nachdem sich die Meldungen weiter verbreitet hatten, wonach auch mehr Menschen als zugelassen im Unglücksboot gewesen sein könnten, wollte das Heer, dass keine Informationen mehr von den anderen Einsatzorganisationen an die Öffentlichkeit dringen. Feuerwehr, Rotes Kreuz und auch die Polizei ließen sich die Öffentlichkeitsarbeit aber nicht untersagen. Auch der KURIER stellte die Frage, ob nicht vielleicht doch zu viele Menschen an Bord waren. Natürlich wurde der Stellungnahme des Bundesheersprechers im Bericht entsprechend Raum gegeben.

Bauer forderte via Twitter vom KURIER eine „ausgewogene und objektive Berichterstattung“ ein. Dass dafür auch andere zu Wort kommen müssen, scheint ihn aber zu verärgern.