Stilles Gedenken an Corona-Tote in Österreich

© Kurier / Franz Gruber

Analyse
04/22/2021

Über 10.000 Todesfälle: Wäre Schweden doch ein Vorbild gewesen?

406 Tage nach dem ersten Covid-Toten hat Österreich die 10.000er-Marke überschritten. Wäre das zu verhindern gewesen?

von Kevin Kada

10.026 Todesfälle – mit Donnerstag überschritt Österreich nach 406 Tagen seit dem ersten Todesfall die traurige 10.000er-Marke bei den Corona-Todesfällen. Besonders besorgniserregend ist, dass von den 10.000 Todesfällen, alleine 9.000 Todesfälle auf den Zeitraum von Oktober bis jetzt fallen.

Es zeigt sich klar, dass die zweite und dritte Infektionswelle auch die Corona-Sterblichkeit in Österreich stark beeinflusste. Einer der Gründe dafür ist die starke Infektionswelle im Herbst. Der stärkste Tag war dabei der 3 Dezember. Hier starben innerhalb von 24 Stunden 122 Menschen in Österreich.

Aber auch seit Jahresbeginn ist die Zahl der Toten um fast 4.000 angestiegen. Insgesamt sind seit dem ersten Todesfall am 12. März im Schnitt 24 Menschen pro Tag gestorben.

Zu Beginn der Pandemie wurde der „schwedische Weg“, also die Herdenimmunität zu erreichen, oftmals belächelt. Innerhalb von einem halben Jahr hatte Schweden nicht nur eine Explosion der Infektionszahlen, sondern auch die Todesfälle stiegen zu Beginn massiv an.

Anders als in Österreich oder auch im europäischen Durchschnitt. Während Schweden danach den kurzzeitigen Höhepunkt erreichte und sich seitlich bewegte, steigt die Sterblichkeit in Österreich de facto seit Oktober 2020 stetig an. Ähnlich wie auch im Rest von Europa. Hat Schweden also den besseren Weg gewählt und wäre, im Nachhinein betrachtet, ein Vorbild gewesen?

Nein. Denn am Ende zeigt sich, dass die Todesfälle in Schweden, im Vergleich der Todesfälle pro einer Million Einwohner, weiterhin vor Österreich liegen. Und auch über dem europäischen Durchschnitt. Während Schweden pro einer Million Einwohner mittlerweile 1.373 Todesfälle zu beklagen hat, sind es in Österreich 1.110. Im Durchschnitt aller Länder in Europa sind es 1.320 Todesfälle pro einer Million Einwohner seit Beginn der Pandemie.

Bei der derzeitigen Entwicklung der Infektionen sowie der fortlaufenden Durchimpfung der Bevölkerung ist also nicht davon auszugehen, dass Österreich die Schweden noch überholen wird.

Nachbar Deutschland steht übrigens noch besser als Österreich da. Hier sind es 966,03 Todesfälle pro einer Million. 

Europäische Länder an der traurigen Spitze

Weltweit sind bisher 3,06 Millionen Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Im internationalen Vergleich nach absoluten Zahlen sind die Vereinigten Staaten von Amerika mit knapp über 569.000 Todesfällen an der Spitze. Gefolgt von Brasilien (381.474), Mexiko (213.596), Indien (184.656) und Großbritannien (127.576). 

Relativ zur Bevölkerungsgröße zeigt sich pro einer Million Einwohner ein anderes Ranking. Hier ist Tschechien mit 2.681,02 Todesfällen pro Million auf dem ersten Rang. Gefolgt von Ungarn (2.669, 36), San Marino (2.592,96), Bosnien und Herzegowina (2.463,41) und Montenegro (2.299,14). Österreich hat pro Million Einwohner 1.109,99 Todesfälle.

Klare Übersterblichkeit

In Österreich ist mittlerweile klar, dass das Virus im Vorjahr eine deutliche Übersterblichkeit zur Folge hatte. Und auch 2021 setzt sich dieser Trend fort, wenngleich der Unterschied in den ersten Monaten geringer ist.

"In der Woche nach Ostern starben in Österreich 1.663 Menschen und damit um zwei Prozent mehr als im Durchschnitt der 14. Kalenderwoche der Jahre 2016 bis 2020. Nach einer deutlich höheren Sterblichkeit in der Woche zuvor liegt die Zahl der Sterbefälle damit nur noch geringfügig über dem Fünfjahresdurchschnitt", sagt Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria.

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