Junge Bäume stehen am Sonntag (15.05.2011) in einer Baumschule in Rellingen bei Hamburg. Das regenarme Wetter der vergangenen Wochen macht den Baumschulen in Norddeutschland schwer zu schaffen. Foto: Christian Charisius dpa/lno (zu lno 0080 vom 15.05.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++

© dpa/Christian Charisius

Trockenheit
08/01/2013

Auch der Wald ist im Hitzestress

Bäume auf Südlagen könnten teils bald aussehen "wie Christbäume zu Mariä Lichtmess". Waldbrände halten sich noch in Grenzen.

Nicht nur Ackerpflanzen, Obst, Pilze, Menschen und Tiere leiden unter der derzeitigen Hitze und Dürre. "Trockenheit verursacht auch Bäumen Stress", sagte die Sprecherin der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), Pia Buchner. In Trockenjahren gibt es um bis zu 20 Prozent weniger Zuwachs. Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, sagte zur APA, dass bei gleichbleibendem Wetter manche Bäume auf Südlagen bald aussehen könnten "wie Christbäume zu Mariä Lichtmess (2. Februar, Anm.)".

Hingegen ist es in puncto Waldbränden trotz der Tropenhitze (noch) realtiv ruhig(siehe unten). Von Mitte März bis Ende April gab es nur sieben Feuer, berichtete die Universität für Bodenkultur am Donnerstag. Normalerweise ist dieser Zeitraum jener mit der höchsten Brandaktivität. Eine so geringe Zahl an Feuern gab es das letzte Mal im Jahr 1999. Seit Donnerstagnachmittag wütet in St. Egyden am Steinfeld (Bezirk Neunkirchen, NÖ) allerdings ein Waldbrand größeren Ausmaßes. Ein Feld und ein angrenzender Wald stehen in Vollbrand. 150 Feuerwehrleute kämpfen gegen das Feuer. Auch im obersteirischen Bezirk Murtal ist am Donnerstag aus unbekannter Ursache ein Bodenfeuer ausgebrochen. Am Nachmittag waren rund 100 Feuerwehrleute mit dem Kampf gegen die Flammen und Glutnester beschäftigt. Die Arbeit gestaltete sich jedoch schwierig, da die Helfer per Handarbeit mit Krampen und Schaufel den Boden aufgraben und glimmende Wurzeln fluten müssen.

Wenn das Wasser auf ein Minimum reduziert ist, reagieren die Bäume mit verringertem Wachstum. Das kann in Trockenjahren um bis zu ein Fünftel weniger Zuwachs geben. "Im Extremfall können Bäume auch absterben", so Buchner. Es hänge von jeweiligen Standorten und Grundwasserversorgung ab, wie gut Bäume Trockenheit vertragen. "Am empfindlichsten sind frisch gesetzte Bäume, sie brauchen Feuchtigkeit zum Anwachsen", so die ÖBf-Sprecherin. Das bestätigte auch Montecuccoli, der erklärte, dass vor allem für Forstkulturen mit Jungbäumen ein Trockenjahr nicht aufholbar sei. Laut Montecuccoli führt die Trockenheit heuer zu besonderen Problemen in den heimischen Wäldern. Die Bäume haben nämlich im für sie idealen kühlen und feuchten Frühjahr besonders große Triebe ausgebildet - die nun durch die Hitze und Trockenheit "vor allem auf Südlagen stark unter Wassermangel leiden - der plötzliche Wechsel ist für den Wald extremer Stress". Unter Trockenheit leidende Fichten und Tannen erkenne man daran, dass sie ihren Glanz verlieren und fahl werden.

Waldbrandgefahr

Montecuccoli erinnerte an die herrschende große Waldbrandgefahr, vor allem auch die Abgase von Autos, abgestellt in einer Wiese, könnten zu Bränden führen - aber der heiße Auspuff alleine könne auch schon reichen. Er appellierte an Waldbesucher, auch zu bedenken, dass Glas und Dosen durch die Lichtfokussierung zu Bränden führen können - nicht nur Zigarettenstummel, die im Wald ohnehin nichts verloren haben.

In Sachen Schwammerln in heimischen Wäldern hieß es zuletzt von der mykologischen Gesellschaft, durch den Klimawandel zeichnet eine Frühjahrssaison und eine Herbstsaison ab.

Das Wetter in Ihrer Region

Trotz Hitze und Trockenheit: So wenig Waldbrände wie zuletzt 1999

Man möchte es kaum glauben, aber 2013 ist ein äußerst unauffälliges Waldbrandjahr. Aufgrund der ergiebigen Niederschläge im Winter und dem markant feuchten Frühjahr ist es in diesem Jahr erst zu außergewöhnlich wenigen Waldbränden gekommen. Von Mitte März bis Ende April gab es nur sieben Feuer, berichtete die Universität für Bodenkultur am Donnerstag. Normalerweise ist dieser Zeitraum jener mit der höchsten Brandaktivität. Eine so geringe Zahl an Feuern gab es das letzte Mal im Jahr 1999. Erst seit Anfang Juli nahm die Waldbrandaktivität deutlich zu.

Bisher sind im Juli österreichweit 55 Waldbrände bekannt geworden. Das ist einerseits fast dreimal so viel, wie von Jänner bis Juni zusammengenommen, andererseits die zweithöchste in einem Juli jemals registrierte Anzahl an Waldbränden. Allein in den vergangenen Tagen gab es österreichweit 25 Brände in Waldgebieten. Das größte Feuer tobte nahe Weng im Gesäuse und beschädigte rund zwei Hektar Flur- und Waldfläche. Besonders Unterkärnten, das obere Inntal, die Steiermark, das Burgenland, Wien sowie weite Teile Niederösterreichs waren von der außergewöhnlich hohen Gefährdung betroffen. Am kommenden Wochenende steigt die Brandgefahr generell wieder an.

In den vergangenen Jahren war vor allem auf der Südseite der Alpen eine Zunahme von Brandereignissen zu beobachten. Dass die österreichischen Waldbrände selten mehr als einen Hektar Fläche betreffen, liegt laut Boku unter anderem an der guten Infrastruktur und dem dichten Netz an Freiwilligen Feuerwehren.
Am Institut für Waldbau an der Boku werden seit 2008 das Auftreten, die Verteilung, Ursachen und Charakteristika von Waldbränden in Österreich im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte analysiert. Die Datenreihe erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte und umfasst rund 4.000 Feuer, wovon mehr als 3.000 auf Waldbrände entfallen. Die meisten Waldbrände werden im Frühjahr und Sommer registriert. Teile von Kärnten, Tirol sowie die südlichen Regionen von Niederösterreich sind vergleichsweise häufig von Waldbränden betroffen.
Meist liegt die Brandursache im menschlichen Verhalten, etwa durch eine achtlos weggeworfene Zigarette. In den Sommermonaten spielen auch Blitzschlagbrände eine Rolle, wobei der Anteil von Juni bis August 40 Prozent betragen kann. Entgegen weitverbreiteter und immer wieder kolportierter Meinung, können Flaschen oder Glasscherben in Mitteleuropa keine Brände auslösen, so die Boku.

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