© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Österreich
04/17/2020

Trockenheit: Situation auf den Feldern wird täglich kritischer

Seit Wochen fehlt es an Niederschlag, die Böden trocknen aus. Österreichs Landwirte rechnen schon mit Ertragseinbußen.

von Teresa Sturm, Roland Pittner

Pflanzen sind verdorrt, andere gar nicht erst aufgegangen. Die Trockenheit setzt den Landwirten im ganzen Land zu. Beregnungsanlagen laufen auf Hochbetrieb, und die Grundwasserspiegel sinken. Lorenz Mayr kämpft auf seinen Feldern in Großmugl, Bezirk Korneuburg, mit der Trockenheit. Die Erde rieselt wie Staub durch seine Finger.

Seit Ende Februar, Anfang März herrscht in fast allen Landesteilen ein massives Niederschlagsdefizit. „Wir stehen da schon am Anfang einer sehr kritischen Phase“, sagt Manfred Weinhappel, Leiter des Referats Pflanzenproduktion der nö. Landwirtschaftskammer.

Getreide betroffen

Im Moment sei vor allem die Getreidearten betroffen, die würden jetzt schon viel Wasser brauchen. Wie lange es jeder Landwirt über diese Trockenphase schafft, komme auf die Wasserspeicherfähigkeit der Böden an, erklärt Weinhappel.

Auf Mayrs Feldern ist es zu trocken.

Auf Mayrs Feldern ist es zu trocken.

Auf Mayrs Feldern ist es zu trocken.

Auf Mayrs Feldern ist es zu trocken.

Auf Mayrs Feldern ist es zu trocken.

Auf Mayrs Feldern ist es zu trocken.

Auf Mayrs Feldern ist es zu trocken.

Auf Mayrs Feldern ist es zu trocken.

Um den entstandenen Schaden beziffern zu können, sei es noch zu früh. „Aber mit jedem Tag, an dem es nicht regnet, wird die Situation prekärer“, sagt Weinhappel. Die Gefahr von Ertragseinbußen steigt, flächendeckender Regen sei allerdings auch in der kommenden Wochen keiner in Sicht.

„Wenn bald Regen kommen würde, gäbe es eine Regenerationsfähigkeit“, sagt Mayr. Dafür müsse es aber zumindest 50 bis 70 Millimeter Regen geben, am besten aufgeteilt auf drei Tage, sagt der Landwirt. Denn die Gefahr von Gewittern, die noch mehr Schaden anrichten sei hoch, „nach so einer langen Trockenphase“, weiß Mayr. Das habe dann Erosionen zur Folge, „dann schwimmt mir die Erde davon“, sagt Mayr.

Auch im Nordburgenland wartet Bio-Landwirt Philipp Michlits sehnsüchtig auf Regen. Er kann zumindest einen Großteil seiner Felder rund um Wallern, Bezirk Neusiedl am See, bewässern. „Wir mussten heuer schon einmal bewässern, damit die Pflanzen überhaupt keimen“, sagt Michlits, der vor allem die Zuckerrüben, Zuchinis, Pfefferoni und Zuckermais mit zusätzlichem Wasser versorgt. Ob er alle Kulturen bis zur Ernte bewässern kann, werde sich zeigen. Viele Landwirte bewässern nicht nur Sonderkulturen und Gemüse, sondern auch Getreide, was den Wasserstand noch weiter sinken lasse. „Wir hatten zuletzt 2014 einen normalen Grundwasserstand, heuer werden wir einen Negativ-Rekord haben“, meint der Biobauer.

Sein Kollege Mario Fleischhacker aus Illmitz im Bezirk Neusiedl weiß nicht, ob er seine Rinderherde auf die Weide bringen kann. „Normal treiben wir die Rinder am 1. Mai auf die Weiden, aber heuer müssen wir dazu füttern, damit sie genug bekommen“, meint Fleischhacker. Bewässerung ist auf seinen Flächen im Nationalpark nicht erlaubt. Auch seine Kleefelder bringen immer weniger Ertrag. „Im Vorjahr konnten wir nur zwei Mal mähen, normal mähen wir drei bis vier Mal“, sagt der Biolandwirt.

Schaden durch Insekten

Ein großes Problem sieht Michlits auch in Schädlingen, die sich bei der Trockenheit besonders schnell ausbreiten. Egal ob Insekten oder Mäuse, sie können große Schäden bei den Feldfrüchten anrichten.

Es gibt Möglichkeiten, wie man den Konsequenzen der Trockenheit vorbeugen kann. Mayr etwa setzt auf intensive Begrünung gleich nach der Getreideernte. So trockne der Boden nicht so schnell aus. „Dadurch entsteht eine Art Sonnenschirm über dem Feld“, erklärt der Landwirt. „Das ist ein zusätzlicher Verdunstungsschutz, da kann man Wasser sparen. Aber natürlich ist hier die Wirkung irgendwann begrenzt.“ Auch die Saatgutfirmen arbeiten an Pflanzenzüchtungen, die mit wenig Wasser auskommen und trotzdem gute Erträge bringen.

Vollkommen pessimistisch ist Mayr aber nicht: „Ich sehe jetzt noch nicht die große Gefahr, dass die Ernte verloren ist. Geht es aber noch wochenlang so weiter, könnte es so kommen.“ Auch im Nordburgenland hoffen die beiden Landwirte auf eine Entspannung der Situation und den dringend nötigen Regen. „Zur Zeit fehlen uns 100 bis 150 Millimeter Wasser“, sagt Fleischhacker.

Die Landwirte hoffen auf ähnliche Verhältnisse wie im Mai 2019, wo es überdurchschnittlich viel Regen gab und die Dürre gelindert wurde.

  • 56 Prozent weniger Niederschlag gab es im Jänner 2020 in Österreich im Vergleich zum  Vorjahr
  • 6.610 Betriebe können laut der Agrarstrukturerhebung 2016 Flächen im Ausmaß von 99.757Hektar bewässern.
  • Die meisten Anlagen gibt es in Niederösterreich auf 23.466 Hektar und dem Nordburgenland auf 10.119 Hektar.
  • 3Euro kostet die Beregnung pro Millimeter  Wasser am Hektar im Durchschnitt
  • 50 bis 70 Millimeter Niederschlag verteilt auf etwa drei Tage brauche es, sagt Landwirt Lorenz Mayr, damit die Landwirtschaft sich regeneriert.
  • 2019 zeigte sich der Mai besonders feucht. Er beendete die Dürre vielerorts. In Wien fielen damals  200 Prozent des üblichen Niederschlags im Mai.