Chronik | Österreich
01.09.2018

Treffunpkt Wien: Zufall, Ziegenkäse und Zusammenhalt

Im Café Eskeles sprach Danielle Spera über Wiens vegetarische Küche und Detektivarbeit beim Kuratieren.

Es sind die Zufälle, die Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, so faszinieren. Unlängst, zum Beispiel, lernte sie in New York einen Mann kennen. Ganz beiläufig erzählte er, dass seine Eltern, die beide aus Wien stammten und in Amerika ein Schneidergeschäft besaßen, auch für Leonard Bernstein gearbeitet hatten. Jener große Musiker, der Ende August 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Der Zufall hätte den Mann zu keinem besseren Zeitpunkt zu Danielle Spera bringen können. Denn das Jüdische Museum wird Leonard Bernstein im Herbst eine Ausstellung widmen. Und dabei werden die Besucher nun auch über die Schneider-Familie Perl erfahren. Die während Leonhard Bernsteins Generalproben oft in der ersten Reihe saß, damit Herr Perl überprüfen konnte, ob der neue Frack auch passte.

Zufälle wie diese würden gar nicht so selten vorkommen, meint Spera. „Ausstellungen zu konzipieren ist eigentlich Detektivarbeit“, sagt die Museumsdirektorin und nimmt einen Schluck Kaffee. Der KURIER hat die Direktorin im Café Eskeles getroffen, das sich im Erdgeschoß des Museums in der Dorotheergasse 11 (1. Bezirk) befindet. Ein Lokal, das sie sogar an arbeitsfreien Tagen gerne besucht. Auch wenn sie hier nur selten Privatperson sein kann.

Das Café ist vor sieben Jahren im Zuge der Modernisierung des Museums entstanden. Dass es heute so gut besucht ist, dass Gäste ohne Reservierung manchmal weggeschickt werden müssen, hat sich Lokalchef Vojtech Goldstein bei der Eröffnung nicht gedacht. „Ich hab’ geglaubt, es wird so ein kleines Museumscafé“, sagt er, zuckt mit den Schultern. Natürlich freut es ihn sehr, dass es anders gekommen ist.

Die Speisen sind vegetarisch, Kosher-Style. Mit 7,50 € ist der Preis für das Mittagsmenü inklusive Suppe angesichts der Innenstadtlage sehr gemäßigt. Der Falafelteller kommt auf 7,60 €, der Burger mit Rote-Rüben-Laibchen und Ziegenkäse auf 8,90€.

Vegetarische Burger

Der Burger hat es Danielle Spera angetan. „Als Vegetarierin finde ich das Angebot genial“, sagt sie. „In Wien gibt es ja leider zu wenig Auswahl an vegetarischen Speisen. Nicht so wie in Israel oder den USA. Da gibt es diese unglaublich kreative Küche, Salate in allen Varianten, das würde ich mir für Wien wünschen.“

Das ist das einzige, das sie an Wien ändern würde. „Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, warum die Wiener so große Jammerer sind. Die Stadt ist so bunt, so toll verwaltet, die Öffis, die Müllabfuhr. Wir können das Wasser aus der Leitung trinken. Und gerade in einer Zeit, in der so viele Menschen reisen, sollte uns bewusst sein, in welch glücklicher Lage wir sind, dass wir in Frieden leben dürfen.“

Apropos Frieden. Seit 2016 bietet das Museum spezielle Programme für geflüchtete Personen. „Viele kommen leider mit antisemitischen Vorurteilen. Wir wollen ihnen näher bringen, was es bedeutet hat, in Wien Jude zu sein, dass es auch ein schweres Schicksal war, mit Vertreibung zu tun hatte, mit Ermordung von Familienmitgliedern, dem Verlust von allem, was einem lieb war.“

Natürlich sei in Zeiten, in denen Fremdenhass und Ausgrenzung zunehmen, die Existenz des Jüdischen Museums bedeutsamer denn je. „Die Leistungen der Wiener Jüdinnen und Juden ist vielen zu wenig im Bewusstsein. Deshalb war mir die Ringstraßen-Ausstellung 2015 so wichtig. Diese Straße gäbe es ohne jüdische Beteiligung nicht.“

Auch privat ist Danielle Spera die jüdische Tradition wichtig. Das jüdische Neujahrsfest, das von 9. bis 11. September stattfindet, wird sie im Kreis der Familie feiern. Ihre Kinder, die in Amerika leben, sind dafür extra nach Wien geflogen.