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Chronik Österreich
02/10/2021

Totalsperre der A10: Krisenstab gibt grünes Licht nach Mure

Ab 16.30 Uhr ist die Tauernautobahn wieder befahrbar. Wie Murenabgänge die Landesgeologen fordern.

von Anja Kröll

Als Jochen Schlamberger, Chef der vier Landesgeologen in Kärnten, Mittwochfrüh das Telefon abhebt, ist einer seiner Kollegen bereits unterwegs. „Die Situation vor Ort anschauen und beurteilen“, sagt Schlamberger.

Zu beurteilen haben die Geologen in Kärnten im Moment genug. Am Dienstag sorgten gleich zwei Elementarereignisse für Schlagzeilen. Ein Hangrutsch hatte zunächst einen Brückenpfeiler der Tauernautobahn bei Kremsbrücke in Kärnten so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass die A10 in beide Fahrtrichtungen ab St. Michael im Lungau komplett gesperrt werden musste. – Eine Maßnahme, die in Kärnten seit Jahren nicht mehr ergriffen worden war. 
Lkw mussten großräumig über die Steiermark und Oberösterreich ausweichen. Hielten sich aber oftmals nicht an die Vorgaben. Pkw kamen auf der A10 in Richtung Norden bis Gmünd, in Richtung Süden bis Rennweg und wurden dazwischen umgeleitet.

Krisenstab tagte


Am Mittwoch liefen die Beratungen über eine Freigabe der Autobahn bis in den Nachmittag auf Hochtouren. Um 16 Uhr stand dann fest, die Tauernautobahn wird nach gut 30-stündiger Sperre um 16.30 Uhr freigegeben wird.

Zuvor waren Hangsicherungsarbeiten  und Analysen durch ein Tiefbauunternehmen durchgeführt worden.  „Wir hatten einen Spezialbagger, der in dem sehr steilen Gelände arbeiten kann, im Einsatz“, erklärt Asfinag-Sprecher Walter Mocnik. Das Hauptproblem: Aus dem Hang war jede Menge Wasser geströmt. Die Befürchtung lag nahe, dass dieses den Brückenpfeiler unterspülen und instabil machen könnte. Ein Einsturz der Brücke sei laut Mocnik aber nie im Raum gestanden. Für die Zukunft sei angedacht, dass der Problemhang mit weiteren Drainagen und durch die Einspritzungen von Beton zusätzlich abgesichert wird. Der gesamte Bereich wird zudem einem permanenten Monitoring unterzogen, um jede weitere Bewegung sofort registrieren zu können.

Zweiter Murenabgang, zweite Sperre


Für längere Verkehrsbehinderungen dürfte auch ein weiterer Murenabgang oberhalb der Katschbergstraeß B99, im Gemeindegebiet von Seeboden (Bezirk Spital/Drau) sorgen. Dort hatten Erdmassen ebenfalls am Dienstag die B99 zur Gänze verlegt. Ein gerade vorbeifahrendes Auto wurde von der Mure getroffen und schwer beschädigt. Verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand. Die Straße bleibt zwischen Trebesnig und der Altersbergbrücke aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres gesperrt. 

Nehmen Elementarereignisse zu?


Zwei riesige Murenabgänge innerhalb weniger Stunden im Kärntner Bezirk Spittal an der Drau – nehmen Elementarereignisse zu? Landesgeologe Schlamberger ist kein Freund von Pauschalierungen. Nach einer langen Pause sagt er: „Der Eindruck entsteht im Moment natürlich. In den vergangenen zwei Jahren gab es viele Ereignisse. Aber man kann all dies wirklich seriös nur auf eine längere Sicht beurteilen.“
Laut dem Experten würden vor allem „ungünstige Wetterverhältnisse“, wie etwa die ergiebigen Schneefälle im November 2019 in Kärnten, oder der Regen, der aktuell in die Schneedecke fällt, Muren und Hangrutschungen begünstigen. 


Die Aufgabe der Landesgeologen bestünde darin „Sofortmaßnahmen zu treffen, um Schlimmeres zu verhindern, wie eben die Straßensperre bei der B99“, erklärt Schlamberger. All dies sei aber kein Kärntner Phänomen, sondern ein österreichweites. „Für Kärnten kann man sagen, dass die Herbstfronten zugenommen haben. Diese bringen gerade im Süden meist mehr Niederschlag.“ Nachsatz: „Die Geologie ändert sich nicht, aber sie reagiert auf das Wetter“, erklärt der Landesgeologe.

Flächenwidmung mit Vorsicht


Und die Landesgeologen reagieren ihrerseits mit erhöhter Vorsicht bei der Flächenwidmung. „Wir achten bei der Flächenwidmung von Bauland sehr genau darauf, dass Raum erst gar nicht besiedelt wird, der im Einflussbereich von Rutschungen und Steinschlag liegt.“ Wo bereits eine Widmung vorliege, müsste mit technischen Sicherungsmaßnahmen nachgebessert werden.


Und dann lässt sich Schlamberger doch noch zu einer Einschätzung, über die Zunahme von Elementarereignissen, hinreißen: „Eines stimmt sicher, unsere Arbeit wird nicht weniger.“

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