Tiroler Tourismus forciert Winterurlaub ohne Auto

Tiroler Tourismus forciert Winterurlaub ohne Auto
Über sechs Millionen Urlauber kommen im Winter wie im Sommer nach Tirol. 80 Prozent von ihnen reisen mit dem Auto an. Der Tourismusbranche dämmert, dass es so nicht weitergehen kann.

Der Bus zieht problemlos über die Brenner-Straße bergwärts. Als Hintergrundgeräusch wird ein – mal lauteres, mal leiseres – Summen geliefert, das jenem einer U-Bahn in Fahrt gleicht. Kein Wunder. Beide fahren mit Strom.

Ab Jänner werden in einem Seitental des Zillertals vier E-Busse, die ersten auf Tirols Straßen überhaupt, in der Region Tux-Finkenberg Fahrt aufnehmen. Damit wird dort der Skibusverkehr auf emissionsfrei umgestellt.

Ein Zukunftsthema

Einen „Meilenstein“ nannte das Markus Tipotsch vom Tourismusverband, für den die batteriebetriebenen Fahrzeuge im Winter unterwegs sind, vor Kurzem bei einer Testfahrt mit Journalisten.

Tiroler Tourismus forciert Winterurlaub ohne Auto

Ab Jänner 2023 werden am Fuße des Hintertuxer Gletschers in der Region Tux-Finkenberg vier emissionsfreie MAN E-Busse zum Einsatz kommen

Auf Nachfrage machte er auch kein Hehl daraus, dass die Nachhaltigkeit von Tourismusdestinationen inzwischen auch ein Kriterium im Werben um Urlauber ist. „Das ist ein großes Zukunftsthema. Es ist ein Umdenken in der Branche da“, versichert Tipotsch.

Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren die Bemühungen in Tirol verstärkt, Gäste umweltbewusst in und durch die Tourismusregionen zu bringen. Auch mit Blick auf die einheimische Bevölkerung, die nicht nur Nutznießer, sondern auch Leidtragender dieses Wirtschaftszweigs ist.

Über sechs Millionen Gäste pro Saison

Im Sommer wie im Winter kommen rund sechs Millionen Gäste nach Tirol, 80 Prozent davon mit dem Auto. Entsprechende Fahrzeugkolonnen sind in den Tälern ihrer Wahl die Folge.

„Eine der offensichtlichsten negativen Auswirkungen des Tourismus ist der Verkehr“, sagt Lukas Krösslhuber, Geschäftsführer des Tourismusverbands Wilder Kaiser, der bereits vor einigen Jahren einen Dialog mit der Bevölkerung gestartet hat, der sich um die Frage dreht: Wie muss sich Tourismus entwickeln, um die Lebensqualität zu erhöhen?

Die „letzte Meile“

Eines der Projekte, das daraus entstanden ist: Die grüne Anreise. Urlaubern soll dabei die Anfahrt mit der Bahn schmackhaft gemacht werden. So wird etwa ein Gratis-Shuttle vom Bahnhof zum Hotel angeboten. Damit wird die sogenannte „letzte Meile“ überbrückt, die als größtes Hemmnis dafür gilt, auf das Auto zu verzichten.

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Denn wer will sich schon mit Gepäck und Sportausrüstung herumschlagen, die sonst einfach in den Kofferraum des eigenen Pkw geschmissen werden.

„Wir haben einen sehr hohen Anteil deutscher Urlauber, die sehr autoverliebt sind“, beschreibt Krösslhuber die Ausgangslage. Um den Verkehr in der Region zu reduzieren, will man künftig deshalb „Gäste ansprechen, die affin zur Bahnanreise sind“.

Kombi-Pakete für Zugfahrer

Für dieses Klientel haben Tiroler Tourismus und ÖBB vor einigen Jahren das Angebot „Im Nightjet in den Schnee“ geschaffen, das heuer ausgeweitet wurde. Anreise, Hoteltransfer und Skipass können dabei für mehrere Regionen im Paket gebucht werden.

Die Drehscheiben für den Weitertransfer von der Schiene in den Urlaubsort liegen in der bestens für den Bahnverkehr erschlossenen Inntalfurche. Das gilt auch für Jenbach, das Tor zum Zillertal. Von hier gibt es sogar eine Lokalbahn, die bis nach Mayrhofen fährt.

Die Zillertalbahn ist auch ein Beispiel dafür, dass die Umstellung auf klimafreundliche Mobilität nicht immer fritkionsfrei über die Bühne geht. Noch wird der Zug mit Diesel betrieben. Mit Franz Hörl, Seilbahn-Lobbyist und VP-Nationalrat aus dem Zillertal, als Lokomotive ist seit Jahren die Umstellung auf Wasserstoffantrieb geplant.

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So soll die Zillertalbahn nach Umstellung auf Wasserstoff aussehen

Hörl sah immer wieder die grüne Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe als Bremserin. Doch es waren nicht zuletzt ihre Experten, die Vorbehalte gegenüber dem Vorhaben hatten. Die stellten etwa die Effizienz im Vergleich zu einem normalen Strom-Oberleitungsbetrieb infrage. Zudem wurden ausufernde Kosten für das Land befürchtet.

„Der Wasserstoffzug ist Teil des Regierungsprogramms“, sagt der neue SPÖ-Verkehrslandesrat René Zumtobel dazu, stellt zum Projekt aber auch klar: „Es muss finanzierbar und verlässlich sein.“ Dafür müsse immerhin er die Verantwortung übernehmen, hält er fest.

Zumtobel will sich nun zunächst ein Bild machen. Ins Thema wird er sich nicht lange einarbeiten müssen. Bis zu seinem Quereinstieg in die Landespolitik in der neuen schwarz-roten Landesregierung war Zumtobel ÖBB-Regionalmanager für den Nah- und Regionalverkehr auf der Tiroler Schiene.

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