Die Leidensgeschichte von Agnes U. war Thema im Parlament

© /Maria Gurmann

Petition
07/01/2016

Tiroler kämpft für Recht auf würdevolles Sterben

22.600 Unterstützer hat Wolfgang Obermüller für seine Online-Petition bereits gewonnen.

von Michaela Reibenwein

Das pralle Leben ist das Geschäft von Wolfgang Obermüller. Der Tiroler verkauft Käse und Speck. „Lebensfreude“, nennt er das. Doch es ist das Sterben, über das er gestern im Parlament sprach. Und das Recht, das in Würde tun zu können.

22.600 Unterstützer hat Obermüller für seine Online-Petition bereits gewonnen. „Es muss sich etwas in Österreich verändern“, sagt er. Denn Sterbehilfe ist hierzulande ebenso verboten wie assistierter Suizid – also etwa einem Todkranken ein Glas mit einem tödlichen Getränk zu reichen, das er dann selbst zu sich nimmt.

Grauzone

„Ich habe keine persönlichen Berührungspunkte“, erklärt Obermüller. „Aber falls ich in eine solche Situation komme, will ich nicht leiden müssen und nicht auf die Gnade eines Arztes in einer rechtlichen Grauzone angewiesen sein.“

Vor dem Petitionsausschuss des Parlaments trug er den KURIER-Bericht über Agnes U. vor. Die 72-Jährige starb im Mai an den Folgen einer unheilbaren degenerativen Erkrankung des Nervensystems. Zehn Monate nach der Diagnose saß sie unbeweglich im Rollstuhl. Erst lehnte sie Sterbehilfe ab. Später sagte sie: „Ich bin schlimmer dran als ein Hund. Der wird eingeschläfert, wenn er sterbenskrank ist.“

Nicht jeder könne sich in dieser verzweifelten Situation eine Reise in die Schweiz leisten, wo assistierter Suizid legal ist. „Dadurch treibe ich Menschen in eine fürchterliche Lage. Wenn jemand vor den Zug hüpft – überlegen Sie, was das für den Lokführer bedeutet. Oder wenn jemand sein Auto in den Gegenverkehr lenkt... Wenn es keine sanfte Lösung gibt, führt das dazu, dass Dritte zu Schaden kommen.“

Auch die Bioethik-Kommission habe sich dafür ausgesprochen, assistierten Suizid in bestimmten Ausnahmefällen zu entkriminalisieren.
Ergebnis der Ausschusssitzung: Justiz- und Gesundheitsministerium sollen sich mit dem Thema befassen und Stellungnahmen abgeben. „Ein Anfang“, sagt Obermüller. „Bisher ist das Thema noch nie aufrichtig behandelt worden.“