© APA/AFP/THOMAS KIENZLE

Tirol
10/08/2020

Tiroler Covid-19-Anstieg hat sich im Abwasser abgezeichnet

Noch ist das geplante Corona-Monitoring im Aufbau. Die ersten Erfahrungen sind laut Krisenstab aber gut.

Die in Tirol sprunghaft angestiegenen Corona-Fallzahlen haben dem Bundesland zuletzt eine Reisewarnung von Deutschland eingebracht. Solche Entwicklungen zu erkennen, noch bevor sich Cluster überhaupt erst bilden können, wäre eigentlich die Funktion eines im August vorgestellten Frühwarnsystems.

Wie berichtet, will Tirol flächendeckend in den Kläranlagen des Landes nach ausgeschiedenem Viren-Material suchen lassen. Steigt das im Abwasser an, so die Grundidee, dann gibt es im Einzugsgebiet der Kläranlage auch eine Zunahme bei der Zahl der Covid-19-Infizierten. Und das lässt sich bereits messen, bevor die Betroffenen überhaupt Symptome entwickeln.

Doch um das Monitoringsystem ist es zuletzt ruhig geworden. „Grundsätzlich kriegen wir die Auswertungen“, sagt Elmar Rizzoli vom Corona-Einsatzstab des Landes. „Wir brauchen aber noch einen längeren Zeitraum, um das präventiv einsetzen zu können“, erklärt er.

Daten sammeln

Derzeit werde noch Datenmaterial gesammelt und verglichen: Was zeigt das Abwasser an und wie sind die tatsächlichen Fallzahlen? „Die ersten Erfahrungen sind gut. Das Geschehen spiegelt sich im Abwasser wieder. Und es passt in beide Richtungen.“

Sowohl die Zunahme, als auch die Abnahme von Fällen in detektierten Regionen seien abzulesen. Und auch der jüngste, für Tirols Tourismus so verhängnisvolle Anstieg habe sich bereits abgezeichnet. „Wir sind aber nicht so weit, dass wir die Fälle quantifizieren können“, schränkt Rizzoli ein.

Aus einem erhobenen Wert lässt sich also noch nicht ablesen, ob 30 oder 50 Infizierte in das Abwasser einer untersuchten Kläranlage ausscheiden. Damit ist man also auch noch weit davon entfernt, wie geplant, im Kanalnetz die Spuren bis zu etwaigen Clustern zurückzuverfolgen. Ein solcher hat sich diese Woche gerade wieder in Innsbruck aufgetan.

Cluster in Altersheim

Wie die Stadt am Mittwoch mitteilte, wurden im Altersheim Saggen seit Wochenbeginn 38 positive Coronafälle entdeckt. Betroffen sind nach derzeitigem Stand 20 Bewohner und 18 Mitarbeiter (Pflegefach- und Reinigungskräfte bzw. Küchenpersonal).

Beim Aufkommen der ersten Verdachtsmomente seien lückenlose Tests unter den Bewohnern und dem Pflegepersonal durchgeführt worden, hieß es. Auf einzelne Ergebnisse wird noch gewartet.

Genau solche Infektionsherde oder aber etwa ein Corona-Ausbruch in einer Tourismusgemeinde sollten mit dem Abwasser-Frühwarnsystem erkannt werden, bevor das Virus sich verbreitet.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass das hochgefahren wird“, sagt Herbert Oberacher vom Institut für Gerichtliche Medizin an der MedUni Innsbruck, der das Projekt leitet. „Aber ein wissenschaftliches Projekt in Regelbetrieb zu bringen, ist nicht so trivial“, erklärt er.

Es ist ähnlich wie bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff. Die Pandemie setzt Forscher unter Hochdruck, Ergebnisse zu liefern, die dann möglichst sofort in der Praxis zur Anwendung kommen sollen.

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