Die Klinik Innsbruck kann laut der ärztlichen Direktorin Alexandra Kofler nur das halbe OP-Programm fahren

© APA/EXPA/JOHANN GRODER

Chronik Österreich
12/18/2021

Tirol zwischen Skiunfällen und Omikron: "Ein bisschen Bauchweh haben wir"

Zum Start der Wintersaison und vor der nächsten Welle sind die Intensivstationen in Tirol weiter stark belegt.

von Christian Willim

Noch am Donnerstag lagen in Tirol 71 Covid-Patienten auf Intensivstationen – nur zehn weniger als beim bisherigen Höchststand in der Welle. Die meisten schweren Fälle (aktuell 38) werden an der Innsbrucker Klinik betreut. Im KURIER-Gespräch erklärt die ärztliche Direktorin, Alexandra Kofler, wie sehr ihr der Wintertourismus und die mögliche Omikron-Welle Sorgen bereiten.

KURIER: Wie geht es Ihnen angesichts der Lage auf den Intensivstationen damit, dass nun auch noch Skiurlauber ins Land kommen?

Alexandra Kofler: Der Tourismus wird uns einige Ski-Haxen bringen, aber das sind jetzt nicht alles Menschen, die schwerst verletzt sind. Wir rechnen schon, dass auch einige Intensivbetten belegt werden. Ich gehe aber nicht davon aus, dass die große Touristenlawine über uns hereinbricht. Ein bisschen Bauchweh haben wir aber.

Wie groß ist der Rückstau an Operationen, die Sie wegen des Covid-Intensivbelags verschieben mussten?

In Zahlen kann man das nicht benennen, weil wir jeden Tag versuchen, das Maximale rauszuholen. Aber man kann schon sagen, dass wir mittlerweile nur noch 50 Prozent unserer Operationen leisten können. Das ist schon beachtlich. Wir schauen, dass alles, was dringlich ist, gemacht wird. Das schaffen wir auch. Alles was halbdringlich ist, kann sein, dass man es kurzfristig verschieben muss.

Tirol hat trotz vergleichsweise schlechter Zahlen geöffnet. Haben Sie Sorge, dass sich das noch rächen könnte?

Ich glaube, dass jetzt generell eher die Frage ist, was mit dieser Omikron-Variante ist, die so wahnsinnig ansteckend ist. Wir wissen noch nicht, inwieweit sie krank machend ist. Noch besteht eine gewisse Hoffnung, dass sie nicht so sehr zu Schwersterkrankungen führt. Wenn dem nicht so ist, haben wir überall ein Riesenproblem.

In Vorarlberg hat Armin Fidler, Berater des Landes, vor einem "Tsunami an Infektionen" und dem möglichen Szenario "Kriegsmedizin" gewarnt. Wie sehen Sie das?

In England gibt es ja so einen Tsunami, aber eben noch nicht im Hinblick auf die Intensivkapazitäten. Wenn Sie aber schwere Verläufe haben, sodass die Menschen in hohem Ausmaß krankenhauspflichtig werden, dann geht das in Richtung Lazarett-Medizin. Das wäre furchtbar. Aber momentan schaut es nicht so aus.

Wäre es für Sie nicht beruhigender gewesen, vor Öffnungen die Zahl der Intensivpatienten weiter runter zu bringen, um Puffer zu haben?

Das ist schwierig. Es sind ja jetzt hauptsächlich jüngere Menschen, die auf der Intensiv liegen. Die liegen auch relativ lange. Ich glaube auch nicht, dass das die Bevölkerung noch einmal schaffen wird, dass sie sich über lange Zeit wegsperren lässt. Das hält keiner mehr aus.

Sie haben das Alter der Covid-Intensivpatienten angesprochen. Welche Betroffenen sehen Sie aktuell?

Das sind hauptsächlich ungeimpfte Menschen, zwischen 30 und 50 Jahre alt. Es gibt auch Geimpfte, aber das sind in der Regel Menschen, die eine schwere Grunderkrankung anderer Art haben. Die Ungeimpften machen mindestens 80 Prozent aus.

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