Chronik | Österreich
03.12.2018

Tierwohl bremst Schutzhunde aus

Aktuelle Rechtslage behindert Herdenbewachung mit Hunden / Frust über Hetze gegen Wölfe

Während Weidehalter nach der Ankunft von Wölfen in Österreich weiter – außer in Salzburg – auf Unterstützung beim Herdenschutz warten, trifft sie eine Hiobsbotschaft: Vorschläge für eine allfällige Novelle des Tierschutzgesetzes, die Rechtssicherheit für den Einsatz von Herdenschutzhunden bringen sollte, sind gescheitert. In der zuständigen Arbeitsgruppe des Tierschutzrates konnte man sich nicht auf einen brauchbaren Vorschlag einigen.

Darüber ist nicht nur die Leiterin der Arbeitsgruppe, die steirische Tierschutzombudsfrau Barbara Fiala-Köck, enttäuscht, sondern auch Georg Höllbacher. Der Salzburger Schafzüchter ist einer der Vorreiter in Sachen Herdenschutzhunde. Nun ärgert er sich, dass die Wiener Tierschutzombudsfrau und die Organisation Vier Pfoten als Mitglieder der Beratungsrunde aus seiner Sicht eine Einigung unmöglich gemacht haben.

Inhaltlich spießt es etwa daran, dass das Gesetz eine isolierte Hundehütte verlangt, wenn Hunde im Freien gehalten werden. Wie das auf Almen und bei Weidewechsel gehen sein soll, ist unklar. Weiters wird überlegt, ob man Herdenschutzhunde mit Schafen alleine lassen kann oder ob immer ein Hirte anwesend sein muss. Das schlägt sich aber in den Kosten nieder.

„Uns ist die Anwesenheit eines Hirten grundsätzlich wichtig, damit die Aufsicht das Leid von Tieren durch Krankheit verringert wird“, betont die Wiener Tierschutzombudsfrau Eva Persy. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten steht dem Einsatz von Schutzhunden skeptisch gegenüber, nicht nur, weil Hunde bei der Abwehr von Wölfen verletzt werden können. "Ohne ständige Anwesenheit von Hirten können wir dem Einsatz von Schutzhunden nicht zustimmen. Denn die Obsorge für Herdentiere muss verbessert werden. Zu schützen sind, Schafe, Hunde und Wölfe", sagt Vier Pfoten-Kampagnenleiterin Martina Pluda.

Unterdessen kritisieren WWF und Naturschutzbund, dass Länder sich nicht an den Managementplan halten, den sie schon 2012 unterschrieben haben. Etwa bei der Vergrämung von Wölfen, die in Niederösterreich und Oberösterreich (hier durch Einspruch vom Landesverwaltungsgericht gestoppt) bereits verordnet wurde. So etwas sieht der Managementplan laut Christian Pichler vom WWF erst dann vor, wenn gelindere Maßnahmen nicht greifen. Pichler beklagt, dass einige Organisationen Stimmung gegen den Wolf machen anstatt ihrer Pflicht nachzukommen und die Bevölkerung sachlich zu informieren. Als Beispiel nennt er Broschüren des Schafzuchtverbandes mit dem Titel „Kommt der Wolf . . .Geht der Bauer . . . stirbt die Region!“ die vielfach verbreitet wurde. „In vielen Ländern gibt es durchgehend Wölfe und immer noch Bauern“, kommentiert Pichler.

Anfrage

Die Neos haben wegen einer solchen Kampagne eine parlamentarische Anfrage eingebracht, weil ein Logo auf dem Folder eine Förderung vermuten ließ. Die Antwort der zuständigen Ministerin Elisabeth Köstinger, die sich von Hetze distanziert: Die Organisation, die diese Plakate produzieren ließ, hatte offenbar beabsichtigt, die Kosten für die Plakate in einer Förderschiene einzureichen, weshalb dort das Logo angebracht war. Nach Rücksprache mit der Organisation werden die Kosten nicht zur Förderung eingereicht und die Plakate eingezogen. Dazu Neos-Tierschutzsprecher Gerald Loacker: „Die Rückkehr des Wolfes erfordert ein geplantes, einheitliches und nüchternes Vorgehen. Es gib nicht einmal eine einheitliche Datenlage, was Entschädigungen für Bauern in den verschiedenen Bundesländern angeht. Derzeit hängt es von der Postleitzahl ab, wie viel und wie schnell ein Betroffener eine Entschädigung bekommt.“