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Chronik Österreich
02/20/2020

Das Leiden österreichischer Kälber auf dem Weg in den Libanon

Dem Verein gegen Tierfabriken ist es gelungen, Kälber von der Geburt bis zur Schlachtung im Libanon zu verfolgen. Minister Anschober bittet zu Gipfeltreffen gegen Tierleid.

von Petra Stacher

Eindrückliches Videomaterial zeigt die Schlachtung von Rindern in einem Schlachtbetrieb an der Grenze zu Syrien, und zwar im Norden des Libanons - unter ihnen drei Kälber aus Österreich. Die Daten ihrer Ohrmarken - die auf Fotos nach ihrer Schlachtung blutverschmiert zu sehen sind - beweisen, dass sie von Milchwirtschaftsbetrieben aus Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg stammen.

Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) konnte ihren Weg von Österreich bis hin zur Schlachtung im Libanon erstmals verfolgen und zeigte dramatische Bilder, die nun auch Politiker und zahlreiche Organisationen auf den Plan rufen.

Bei Bewusstsein geschlachtet

Gerade einmal zwischen zwei und vier Wochen alt waren die Kälber, als sie im Dezember 2018 über eine Kälbersammelstelle in Bergheim bei Salzburg nach Spanien transportiert wurden. Über 21 Stunden ist der Transport lang. Weil es keine geeigneten Tränksysteme auf den Transportern gibt, sind Kälber zudem unversorgt.

Endstation ist für viele der Tiere laut VGT Spanien aber nicht. Eine Vielzahl der exportierten Tiere werden weiter verschifft, so wie jene drei Kälber, die nach einem zweiwöchigen Transport per Schiff schließlich im Libanon auftauchen. Bei vollem Bewusstsein werden diese kurz darauf dort geschlachtet.

"Wir dokumentieren seit vielen Jahren die Transporte von Milchkälbern aus Österreich ins Ausland und haben die Politik immer wieder darauf hingewiesen, dass diese Tiere schlussendlich auf grausame Art und Weise in Ländern außerhalb der EU geschlachtet werden", sagt Tobias Giesinger, der die Kampagne von VGT leitete. So werden den Tieren etwa die Beinsehnen durchtrennt, damit sie nicht davonlaufen können.

Strengere EU-Regeln gefordert

Laut VGT beweisen offizielle Daten, dass im Jahr 2018 über 160.000 Rinder zum Zweck der Schlachtung in Drittstaaten weiter exportiert wurden. 35.000 zur Weitermast. Die Schuld gibt der VGT vor allem der Intensivierung der Milchwirtschaft. Während die heimische Landwirtschaft immer mehr Milch für den Exportmarkt produziere, würden die ungewollten Milchkälber - also männliche Kälber - "vorbei an den Augen der Öffentlichkeit ins Ausland transportiert".

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger bezeichnete es in einem ORF-Interview als verwerflich, die Milchproduktion dafür verantwortlich zu machen. Vielmehr seien der Handel und die Konsumenten Schuld.

Nun meldete sich Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) zu Wort: "Unsere Bauern haben nichts falsch gemacht", vielmehr hätten sie sich an die österreichischen strengen Vorschriften gehalten. Sie sieht das Problem darin, dass nicht alle EU-Staaten diese Standards haben. "Wir brauchen diese strengen Regeln für alle EU-Staaten, angelehnt an den strengen Bestimmungen, die es in Österreich gibt. Eine Vereinheitlichung ist notwendig", forderte Köstinger. Ein EU-weites Exportverbot in Drittstaaten wäre ihres Erachtens nach die Lösung.

Tiertansporte reduzieren

Laut derzeitiger EU-Verordnung dürfen Rinder insgesamt 29 Stunden transportiert werden, wobei eine Stunde Pause eingehalten werden muss. Auch nicht-entwöhnte, also noch säugende Jungtiere dürfen transportiert werden. Für Eva Rosenberg, Direktorin der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" untragbare Zustände.

In den Jahren 2008 bis 2018 seien insgesamt 199.891 Kälber aus Österreich exportiert worden, 1.202 davon in Drittstaaten. "Wir verlangen, dass die EU endlich ihrem Tierschutzauftrag nachkommt und angemessen reagiert", sagt Rosenberg. "Rinder gehören auf die Weide, nicht auf die Autobahn", sagt Clemens Stammler, Nationalratsabgeordneter und Sprecher für Regionalpolitik.

Was nun konkret passiert, liegt vor allem in der Verantwortung von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), denn der Vollzug der Tiertransportverordnung liegt im Ressort des Gesundheitsministeriums. Anschober hat nun zu einem Gipfeltreffen am 17. März aufgerufen.

Behördenvertreter aus Sozial- und Landwirtschaftsministerium sowie Tierschützer werden dabei sowohl Fakten, als auch Handlungsweisen prüfen. "Tierschutz darf nicht an Österreichs Außengrenzen enden. Daher muss auch das EU-Recht dringend überprüft und reformiert werden", betont Anschober.

Giesinger der VGT teilt Anschobers Meinung: "Es darf nicht sein, dass wir die Verantwortung für unsere Tiere an der Grenze abgeben und uns danach nicht mehr darum scheren."

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