Die Haltung soll die Grundbedürfnisse der Tiere befriedigen.

© Countrypixel - stock.adobe.com/countrypixel/stock.adobe.com

Chronik Österreich
02/26/2019

Tierschutzvolksbegehren fordert Ende der Qualzucht

Weitere Punkte sind: weniger Tiertransporte, ökologisch nachhaltige Fütterung sowie ein Verbot der Tötung männlicher Küken.

Für sein Tierschutzvolksbegehren hat Sebastian Bohrn Mena nun einen umfassenden Forderungskatalogs vorgelegt. Der Fokus liegt auf einer tiergerechten und zukunftsfähigen Landwirtschaft, einer Umschichtung der Förderungsmittel der öffentlichen Hand und einer erhöhten Transparenz für Konsumenten.

„Das Ziel ist, Tierleid zu beenden und Alternativen zu fördern“, erklärt Nicolas Entrup, Koordinator des Forderungskatalogs. Um das zu erreichen, würden die Forderungen den aktuellen Stand der Wissenschaft reflektieren. Einige der Forderungen müssten als Gesamtpaket betrachtet werden. So sei eine Umstellung auf eine tiergerechte und zukunftsfähige Landwirtschaft etwa nur dann möglich, wenn Unterstützung vonseiten der öffentlichen Hand und der Konsumenten gegeben sei.

Die Landwirtschaft betreffenden Forderungen sehen vor, dass Haltungsformen die Grundbedürfnisse der Tiere befriedigen. „Dabei geht es vor allem um Bewegung und Beschäftigung“, präzisiert Entrup. Zudem wird ein Ende von Qualzucht und eine Reduktion der Tiertransporte sowie des Stressempfindens von Tieren vor Schlachtungen auf ein Mindestmaß gefordert. Die Fütterung der Tiere soll ökologisch nachhaltig erfolgen und das Töten von männlichen Küken verboten werden.

Umschichtung von Fördermitteln

Um den Produzenten die Umsetzung dieser Forderungen zu ermöglichen, sollen öffentliche Mittel laut Entrup als „ökonomischer Hebel“ eingesetzt werden. Dafür braucht es eine Umschichtung der Fördermittel. Diese sollen fortan Verbesserungen des Tierwohls unterstützen. Außerdem soll die Lebensmittelbeschaffung durch die öffentliche Hand an das Tierwohl geknüpft werden.

Für Konsumenten sehen die Forderungen mehr Transparenz vor, indem eine verpflichtende „Tierwohl-Kennzeichnung“ von Lebensmitteln eingeführt wird, wie sie bereits bei Schaleneiern vorhanden ist. Tierqualprodukte wie Enten- und Gänsestopfleber sollen nicht länger importiert werden dürfen. Schließlich wird gefordert, dass anerkannte Tierschutzorganisationen Mitwirkungsrechte und Parteistellung für gerichtliche und behördliche Verfahren erhalten und die Ressourcen von öffentlichen Tierschutzeinrichtungen erhöht werden.

Der Wiener Tierschutzverein (WTV) und Greenpeace begrüßen die Forderungen. „Es ist jetzt höchste Zeit für eine Trendwende in der Tierhaltung. Das Tierschutzvolksbegehren leistet hier einen wichtigen Beitrag“, meint Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich. Der WTV rief die Bevölkerung in einer Aussendung dazu auf, das Tierschutzvolksbegehren zu unterstützen. „Die BürgerInnen können nun beweisen, dass ihnen das Wohl anderer Lebewesen am Herzen liegt und die Politik zum Handeln bewegen“, sagt Madeleine Petrovic, Präsidentin des WTV.

Startschuss am 7. Mai

„Einige Punkte sind nicht neu“, räumt Entrup ein - weswegen es das Tierschutzvolksbegehren umso mehr brauche, da sich trotz vorhandenen Bewusstseins nichts an den Problemen geändert habe. Bohrn Mena stellt klar, dass ihm bewusst sei, dass die Forderungen manchen nicht weit genug und anderen zu weit gehen würden. Ziel sei es gewesen, 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung einen Katalog zu unterbreiten, den sie auch unterschreiben würden. „Wir wollen dorthin, wo die Einstellung der Bevölkerung schon ist“, erklärt Bohrn Mena.

Der Startschuss für das Sammeln von Unterstützungserklärungen erfolgt am 7. Mai. Dafür nehme man sich laut Bohrn Mena eineinhalb Jahre Zeit, um „möglichst viele Menschen mit dem Ansatz in Berührung zu bringen“. Um in dieser Zeit finanziell über die Runden zu kommen, sei man auf ein Patenschaftsprogramm angewiesen, da „kein Cent von Parteien“ angenommen werde, sagt der einstige Tierschutzsprecher der einstigen „Liste Pilz“.

Info: www.tierschutzvolksbegehren.at