Chronik | Österreich
18.10.2017

Teures Olympia-Strohfeuer

Das misslungene Bewerbungsabenteuer von Innsbruck-Tirol hat rund eine Million Euro gekostet.

Die Tiroler haben die Idee von Winterspielen vergangenen Sonntag bei einer Volksbefragung wohl für immer zu Grabe getragen. Die Wahlbeteiligung war mit fast 64 Prozent mehr als beachtlich, die Ablehnung einer Kandidatur mit über 53 Prozent eindeutig. Dass ÖOC-Präsident Karl Stoss die Wähler kritisierte, weil sie sich zu wenig informiert hätten, sorgt in Tirol für Kopfschütteln.

Letztlich ist es trotz massiven finanziellen Aufwands nicht gelungen, die Bevölkerung für Olympische Spiele im Jahr 2026 zu begeistern. Gegen das Projekt mobilisierten gerade einmal die Kleinpartei Liste Fritz und ein Teil der Kulturszene. Angesichts der Gelder, die das Pro-Lager in die Schlacht warf, war das ein Kampf mit ungleichen Mitteln. Von Unterstützerseite floss zudem mehr Geld als offiziell kommuniziert.

ÖOC, Land und Stadt Innsbruck gaben zunächst, wie berichtet, eine Machbarkeitsstudie um 300.000 Euro in Auftrag, die zu dem Schluss kam, dass Winterspiele ohne Steuermittel durchführbar wären. Über die innsbruck-tirol sports Gmbh (ITS) sollten laut Anfragebeantwortung von Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) 400.000 Euro an zwei PR-Agenturen fließen, die damit u.a. eine Info-Tour organisierten und etliche Inserate schalteten.

Wie ITS-Chef Georg Spazier nun bestätigt, gab der Aufsichtsrat des Unternehmens, dass zu 90 Prozent Stadt und Land und zu zehn Prozent dem ÖOC gehört, letztlich aber 450.000 Euro frei. Die ITS wurde ursprünglich mit einem Überschuss der Olympischen Jugendspiele in Innsbruck im Jahr 2012 von 3,3 Millionen Euro befüllt, aber auch danach mit Förderungen der öffentlichen Hand bedacht.

Die öffentliche Hand befüllt auch den Großteil des Budgettopfs der Tirol Werbung. Und auch sie musste ihr Scherflein für die Kampagne beitragen – genauer gesagt 200.000 Euro, wie es auf KURIER-Anfrage heißt. So wurde etwa ein Olympia-Kinospot fabriziert. Innsbruck Tourismus schoss 10.000 Euro für den Film zu.

Auch andere Tourismusverbände engagierten sich – genauso wie die Wirtschaftskammer Tirol. Die gibt an, die Ausgaben nicht näher beziffern zu können, weil ein Teil von ganzjährig gebuchten Inseraten für Olympia-Werbung genutzt wurde. Doch alleine die hier ausgeführten Summen knacken mit 960.000 Euro fast die Millionen-Grenze.

Beschwerde bei VfGH

Dass nur das Pro-Lager mit öffentlichen Mitteln unterstützt wurde, ist für Erwin Leitner von der Initiative "Mehr Demokratie" einer von mehreren Gründen, warum er die Volksbefragung als "unfair" bezeichnet. Die seiner Ansicht nach "manipulative" Fragestellung hat nun – trotz des Neins der Tiroler – eine Beschwerde der Initiative beim Verfassungsgerichtshof zur Folge. "Wir wollen zeigen, dass die Landesregierung einen Verfassungsbruch begangen hat", sagt Leitner. Eine Wiederholung der Volksbefragung wird aber nicht beantragt.