Qaeser A. ist geständig, beteuert aber, nicht aus radikalislamischen Motiven gehandelt zu haben.

© Privat

Chronik Österreich
04/01/2019

Terrorverdächtiger: Anwalt schmeißt die Verteidigung hin

Wolfgang Blaschitz verteidigte Dutzende IS-Terrorverdächtige. Der mutmaßliche Verantwortliche für die Zug-Attentate dürfte ein spezieller Fall sein.

von Patrick Wammerl

Überraschende Wende im Fall des Terrorverdächtigen Irakers aus Wien-Simmering. Nach einer Unterredung in der Justizanstalt Josefstadt am Montag hat sein bisheriger Anwalt, Wolfgang Blaschitz, das Mandat für die Verteidigung von Qaeser A. zurückgelegt. Es soll unüberbrückbare persönliche Differenzen gegeben haben. Blaschitz selbst hält sich in der Sache bedeckt. Auch der Pflichtverteidiger von der ebenfalls beschuldigten Ehefrau des Irakers soll am Montag sein Mandat niedergelegt haben. Ein neuer Anwalt muss nun bestellt werden.

Der 42-jährige Iraker hat zugegeben, für mindestens vier versuchte Anschläge auf ICE-Züge in Deutschland verantwortlich zu sein.

Er soll im Oktober und Dezember des vergangenen Jahres mit quer über die Bahntrasse gespannten Stahlseilen und Eisenkeilen auf den Schienen versucht haben, die Züge entgleisen zu lassen. Ein in einem Copyshop am Wiener Westbahnhof vergessenes Bekennerschreiben brachte die Ermittler auf die Spur des Irakers.

Bereits vergangene Woche war durchgesickert, dass der 42-Jährige in den Verhören und vor dem Untersuchungsrichter durch sein überhebliches und unbelehrbares Benehmen unangenehm aufgefallen war. Wenn Staatsanwalt oder Richter sich in ihrer Fragestellung wiederholten, soll Qaeser A. das mit rechthaberischen Antworten oder Stillschweigen quittiert haben.

Bei den beiden mutmaßlichen Komplizen des Attentäters, die am Mittwoch nach ihrer Landung am Flughafen Prag festgenommen wurden, handelt es sich um zwei in Wien lebende Iraker aus dem Dunstkreis von Qaeser A.. Auf die Spur des 30-jährigen Amar M. und der 27-jährigen Riyama B. sind die Verfassungsschützer nach der Hausdurchsuchung in Qaeser A.s Wohnung in Wien-Simmering gekommen. Das Paar soll in den kommenden Tagen nach Österreich ausgeliefert werden.

Qaeser A. ist offenbar der erste IS-Terrorverdächtige, mit dem Blaschitz keine Gesprächsbasis findet. Der Strafverteidiger hatte zuvor einen Großteil derartiger Klienten in ganz Österreich vertreten. Darunter war unter anderem auch der 19-jährige Wiener Terrorverdächtige Lorenz K., der 2018 zu neun Jahren Haft verurteilt wurde.

Der junge Wiener war von einem Schwurgericht wegen Beteiligung an versuchtem Mord in zwei Fällen, jeweils in Form einer terroristischen Straftat schuldig erkannt worden. Er hatte einen damals zwölfjährigen deutschen Buben darin bestärkt, Ende November 2016 mit einem selbst gebauten Sprengsatz im Namen des IS einen Selbstmordanschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) zu verüben.

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