Qaeser A. ist geständig, beteuert aber, nicht aus radikalislamischen Motiven gehandelt zu haben.

© Privat

Chronik Österreich
03/29/2019

Einzeltäter-These für vier geplante Bahnanschläge bröckelt

In Prag festgenommene Iraker lebten in Wien im Umfeld des geständigen Attentäters.

von Patrick Wammerl

Bisher ist Qaeser A. wenig glaubwürdig, in den Verhören soll er negativ durch sein arrogantes Auftreten auffallen. Wenn sich Untersuchungsrichter oder Ermittler in ihrer Fragestellung wiederholen, quittiere der 42-jährige Iraker das mit rechthaberischen Antworten. Dass der Terrorverdächtige die Anschläge auf die ICE-Züge in Deutschland im Alleingang geplant und durchgeführt haben soll, wird als reine Schutzbehauptung gewertet. Auch dass es keinen radikalislamischen Hintergrund für die gescheiterten Attentate gibt, kauft dem Iraker angesichts der Beweislage weder der Verfassungsschutz noch der Staatsanwalt ab. Nicht nur seine Facebook-Profile lassen den Schluss zu, dass der Verdächtige mit dem IS sympathisiert. Auch die Drohschreiben und Fundstücke an den Tatorten in Deutschland sind mit IS-Botschaften gespickt.

Mittlerweile gehen die Ermittler von mindestens vier Anschlägen aus. Nachdem in Bayern und in Berlin jeweils ein Mal ein Stahlseile über die Bahnstrecke gespannt war, gab es in Bayern zwei weitere Versuche, Züge mit selbst konstruierten Holz- und Eisenkeilen entgleisen zu lassen. Letztlich sei es aber an Konstruktionsfehlern gelegen, dass der Zug nicht entgleist sei, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes. Den deutschen Ermittlern zufolge wurden nicht nur DNA-Spuren von Qaeser A., sondern auch jene seiner Frau auf Beweismitteln an den Tatorten beziehungsweise auf einem Bekennerschreiben in Wien gefunden. „Das hat nicht viel Aussagekraft. Es kann auch daher rühren, dass die Dinge zuvor in der gemeinsamen Wohnung gelegen sind“, sagt Anwalt Wolfgang Blaschitz.

6000 Euro für den Terror?

Bei den beiden mutmaßlichen Komplizen des Attentäters, die am Mittwoch nach ihrer Landung am Flughafen Prag festgenommen wurden, handelt es sich um zwei in Wien lebende Iraker aus dem Dunstkreis von Qaeser A., bestätigt Thomas Vecsey von der Staatsanwaltschaft Wien.

Auf die Spur des 30-jährigen Amar M. und der 27-jährigen Riyama B. sind die Verfassungsschützer nach der Hausdurchsuchung in Qaeser A.s Wohnung in Wien-Simmering gekommen. Hinweise auf das Paar fanden sich demnach in den sichergestellten Mobiltelefonen sowie auf Datenträgern. Der 42-jährige Iraker soll zuletzt engen Kontakt mit den beiden verdächtigen Landsleuten gehalten haben.

Laut seinem Mandanten soll es sich bei den beiden lediglich um Facebookfreunde handeln, sagt Blaschitz. Nach Informationen des Rechtsanwaltes sollen von den mutmaßlichen Komplizen 6000 Euro an eine Adresse in Syrien gegangen sein. Es besteht der Verdacht der Terrorfinanzierung. Das Duo soll in den kommenden Tagen nach Österreich ausgeliefert werden.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.