Terroralarm wegen angedrohter Amokfahrt in Christkindlmarkt

Advent, Graz, Hauptplatz, Weihnachten, Christbaum…
Foto: /Stadt Graz/Foto Fischer Einen der Grazer Weihnachtsmärkte soll ein Islamist im Visier gehabt haben

Kurz vor dem Jahrestag des Berliner Anschlags wurde IS-Sympathisant in Graz verhaftet.

"Ich mache es wie in Berlin." Es war nicht nur dieser eine Satz, der einen Mitbewohner stutzig machte. Ihm kam auch seltsam vor, wonach der junge Mann dauernd im Internet suchte: Terroranschläge des IS in Europa, speziell Amokfahrten mit Lkw oder Autos.

Videos davon soll der 25-Jährige dutzendfach angeschaut haben darunter auch solche, die den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin vor einem Jahr zeigten. Am 19. Dezember 2016 war ein Attentäter mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt bei der Gedächtniskirche gerast, elf Menschen wurden getötet.

Möglich, dass Graz gerade einem ähnlichen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt entgangen ist: Der 25-Jährige wurde wegen des Verdachts einer terroristischen Straftat vor einer Woche festgenommen. Graz, ausgerechnet: Die Amokfahrt eines damals 26-Jährigen im Juni 2015 mitten durch die Fußgängerzone mit drei Toten und hundert Verletzen ist nicht vergessen.

Radikaler Islamist

Während diese Amokfahrt keinen nachweislichen terroristischen Hintergrund hatte, dürfte der jetzt verhaftete 25-Jährige aber der islamistischen Szene zuzurechnen sein oder zumindest mit ihr sympathisieren. Das belegen Besuche in jenen Grazer Moscheevereinen, in denen immer wieder radikale islamistische Prediger auftraten. Der Verdächtige soll außerdem zu den Anhängern jener Salafistenprediger gehören, die im Jänner bei einer Razzia in Graz verhaftet wurden. Auch die berüchtigte Taqwa-Moschee, angesiedelt in einem Grazer Hinterhof, soll er besucht haben; ebenso eine weitere, die den Muslimbrüdern zugeordnet wird. Beide Vereine sind mittlerweile geschlossen, zumindest an diesen Standorten.

Über den Bosnier ist darüber hinaus wenig bekannt. Er war obdachlos, zumindest seit Juli 2016 in Graz, und er fand Unterschlupf in einer Notschlafstelle. In deren Gemeinschaftsraum soll er die Videos auf einem für alle Bewohner zugänglichen Computer betrachtet haben. Mehrmals soll der Mann auch nachgefragt haben, wo man denn in Graz Autos mieten könne. Außerdem soll er Zeitungsberichte aufbewahrt haben – sie handelten von der Terrorfahrt in Nizza.

Ein Mitbewohner des 25-Jährigen alarmierte die Polizei; das Landesamt für Verfassungsschutz nahm den Bosnier fest. Mittlerweile sitzt er in Untersuchungshaft. Seine Äußerungen seien "radikal und gewaltverherrlichend", heiß es am Donnerstag seitens der Ermittler.

Kein Führerschein

Doch sie ließen noch viele Fragen offen: Hatte der 25-Jährige tatsächlich einen bestimmten Markt im Visier, oder redete er bloß vor sich hin? Die Polizei bestätigte nämlich am Donnerstag noch nicht, dass der Verdächtige einen fertig vorbereiteten Anschlagsplan gehabt hätte oder einen Komplizen. Führerschein besitzt er jedenfalls keinen, das würde das Mieten eines Fahrzeugs für ihn allein aber schwierig machen. Seine Aussagen jedoch und die Nähe zur Salafistenszene reichten für eine Verhaftung. Er selbst bestreitet jedenfalls laut Polizei in den Einvernahmen, einen Terrorakt geplant zu haben.

Die Grazer Christkindlmärkte bleiben trotz des brisanten Vorfalls geöffnet. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen seien auch nicht vorgesehen, hieß es von der Landespolizeidirektion: Es gebe ein bereits ein Sicherheitskonzept, das etwa Blockaden der Zufahrten vorsehe. Das meint Betonpflöcke, wie man sie als Trennelemente auf Straßen kennt oder quergestellte Streifenwagen an neuralgischen Punkten.

(kurier) Erstellt am
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