© APA/ROLAND SCHLAGER

Chronik Österreich
11/26/2020

Anschlag in Wien: Streit hinter den Kulissen stoppt Transparenz

Konflikte: Justiz- und Innenministerium im Clinch – die Bevölkerung erfährt deshalb vorerst nichts.

von Michaela Reibenwein, Dominik Schreiber

Vier schwer bewaffnete Cobra-Beamte als Kulisse, ein nachgespielter Einsatz mit Blaulicht und gepanzerten Wagen am Wiener Minoritenplatz – dazu die mahnenden Worte von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP): „Wie unsere Ermittlungen ergeben haben, hatte der Attentäter von Wien auch Kirchen im Visier. Deshalb werden diese jetzt speziell geschützt.“

Allein, die Erkenntnis ist nicht neu. Sie war den Ermittlern schon kurz nach dem Attentat vom 2. November, bei dem vier Menschen starben, bekannt – und liegt auch der Staatsanwaltschaft Wien vor. Auch wenn Sprecherin Nina Bussek gegenüber der APA davon sprach, dass kein entsprechender Bericht vorliege.

Zeitschaltuhr

Konkret wollte Kujtim F. in die Ruprechtskirche – sie liegt mitten im Ausgehviertel. Doch er kam nicht hinein. Dort ist nämlich eine Zeitschaltuhr installiert, die um 20 Uhr die Tür automatisch verriegelt. Wochenlang war das keine außerordentliche Erwähnung wert, nun machten manche Medien daraus einen Knalleffekt.

Doch die Feiertage stehen vor der Tür – das Thema ist also aktuell und trifft den Nerv der Bevölkerung. Und die bisherigen Ermittlungsergebnisse, die der Öffentlichkeit präsentiert wurden, sind ansonsten spärlich gesät. Obwohl sowohl Innenminister Nehammer als auch Justizministerin Alma Zadic (Grüne) bei der Aufklärung rund um den Terroranschlag „volle Transparenz“ versprochen hatten.

Dass zwischen Justiz- und Innenministerium nicht das beste Einvernehmen besteht, erleichtert die Sache nicht. Sogar von Verfahrens-Androhungen hinter den Kulissen gegen Ermittler berichten Insider. Deshalb erfährt die Bevölkerung vorerst nichts.

Die Polizei wird nun in nächster Zeit öffentliche Plätze und Kirchen verstärkt überwachen, sowohl verdeckt als auch sichtbar in Uniform. Die Cobra soll speziell an Feiertagen und kritischen Jahrestagen, wie etwa am 11. September (Anschlag World Trade Center), bundesweit auftreten.

Ein Zwischenbericht der Untersuchungskommission nach dem Terroranschlag (über mögliche Ermittlungspannen im Vorfeld) soll nach vier Wochen vorliegen, der Endbericht in ambitionierten acht Wochen.

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