Mohamed Mahmoud (alias Abu Usama al-Gharib). Drohvideo des Salafisten und Islamisten gegen Österreich....

© Schreiber Dominik

Mohamed M.
03/22/2013

Auch Deutschland will den "Austro-Terroristen"

Nicht nur Österreich will jetzt den Auslieferungsantrag an die Türkei stellen. Mahmouds Komplize, der Rapper Deso Dogg ist angeblich tot.

von Dominik Schreiber, Wilhelm Theuretsbacher

Die Türken werden das am Ende entscheiden", sagt Nina Bussek von der Wiener Staatsanwaltschaft. Denn sowohl Österreich als auch Deutschland wollen für den am Dienstag in der Südtürkei verhafteten Islamisten Mohamed Mahmoud, 28, einen Auslieferungsantrag stellen. Beide Staaten werfen ihm die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Wie der KURIER vergangene Woche aufdeckte, hatte Mahmoud ein Drohvideo gegen beide Länder online gestellt.

Der radikale Salafisten-Prediger hatte offenbar in Libyen Anschluss an terroristische Kreise gefunden, die in Syrien für einen "Gottesstaat" kämpfen. Der Wiener mit ägyptischen Wurzeln, der wegen terroristischer Umtriebe eine vierjährige Freiheitsstrafe in Österreich verbüßt hat, setzte sich nach der Entlassung zunächst nach Deutschland ab. In Hessen gründete er gemeinsam mit dem als Gangsta-Rapper Deso Dogg einschlägig bekannten Denis Mamadou Cuspert eine Extremistengruppe, die allerdings von den Behörden verboten wurde. Nachdem die Behörden auch mit Hausdurchsuchungen Druck machten, setzte sich Mohamed Mahmoud mit einem knappen Dutzend Gesinnungsgenossen im vergangenen April nach Ägypten ab. Sein Kompagnon Cuspert folgte auf verschlungenen Wegen nach. Er entzog sich dadurch der Verhaftung in Deutschland. Er taucht auch in dem zuletzt veröffentlichten Drohvideo auf. Er trägt dabei eine Tasche, die ein Adidas-Emblem hat in das ein Flugzeug rast. Statt dem Firmennamen steht "Al Quaida".

"Schreihals" als Syrien-Kämpfer

Vermutlich in Libyen verbrannte Mahmoud zuletzt vor laufender Kamera seinen österreichischen Reisepass und erklärte Europa den Terrorkrieg und drohte mit einem Feuersturm. Bisher hatte er in der Szene aber nur als Großmaul und „Internet-Schreihals“ gegolten. Dieses Image wollte er offenbar nach seinem Vorbild Osama Bin Laden durch einen unmittelbaren Kampfeinsatz korrigieren. Jedenfalls gelang es vor Kurzem dem deutschen Verfassungsschutz, den Gangsta-Rapper in der libyschen Küstenstadt Derna ausfindig zu machen. Diese 70.000 Einwohner zählende Stadt Derna ist eine Dschihadisten-Hochburg. Extremisten aus Derna kämpften in Afghanistan, später auch im Irak. Jetzt tauchen sie vermehrt in Syrien auf.

Hier trennten sich vermutlich die Wege der beiden Extremisten. Mahmoud wurde – gemeinsam mit deutschen Islamisten – vergangenen Dienstag schließlich in der türkischen Provinz Hatay nahe der syrischen Grenze verhaftet. In dieser Provinz befinden sich Stützpunkte sowohl der Assad-treuen Alawiten als auch der syrischen Opposition. In Syrien sind derzeit etwa 80 terroristisch organisierte Gruppen aktiv. Viele Kämpfer kommen aus Libyen. Auch Mohamed Mahmoud hatte bei der Verhaftung einen gefälschten libyschen Pass bei sich. Da rächte sich die Verbrennung des österreichischen Reisepasses. Mit dem wäre er vielleicht durchgekommen, an diesen Grenzen gibt es wenig technisches Equipment, um Haftbefehle abzufragen.

Die Spur des Komplizen Cuspert alias Deso Dogg verliert sich in Afrika. Gerüchteweise soll er im Sudan ums Leben gekommen sein. Bestätigung dafür gibt es aber noch keine.