Chronik | Österreich
15.08.2018

Super-Turbokuh setzt Almen unter Druck

Zucht und Kraftfutter lassen die Tiere für die Weiden zu schwer werden. Schäden sind die Folge

Mächtige Tiere sind die Kühe, die regelmäßig bei Zuchtschauen prämiert werden. Die riesigen Euter erleichtern ihnen nicht gerade das Gehen. Die schweren Kühe tun sich auch im steilen Gelände der Almen schwer. Ihre Hufe schlagen Schneisen in den empfindlichen Bewuchs. In der Schweiz hat man die Fehlentwicklung erkannt und bemüht sich, gegenzusteuern.

In Österreich ist die Lage ähnlich, doch nur einzelne Experten setzen sich – ohne großen Erfolg – für Mäßigung bei der Zucht ein. Auch hierzulande züchtet man immer größere Tiere, um neben viel Milch auch mehr Fleisch zu bekommen (2017 wurden in Österreich 622.000 Rinder und 56.300 Kälber geschlachtet). Offizielle Daten über ihr Gewicht fehlen aber.

„Die Schweizer Kühe werden für die zarten Alpenwiesen und herkömmliche Ställe zu schwer und zu groß. Manche bringen bei mehr als 1,60 Meter Größe schon über 800 Kilogramm auf die Waage“, sagt Tierzuchtlehrer Michael Schwarzenberger. Er ist Mitbegründer der „Interessengemeinschaft Neue Schweizer Kuh“, die sich jetzt für zartere Rindviecher einsetzt: 1,40 bis 1,45 Meter groß und 500 bis 600 Kilogramm schwer.

Rieseneuter

Die Kühe werden jedes Jahr größer, weil Züchter Stiere zur Besamung aussuchen, die entsprechende Erbanlagen haben.

„Die Kühe werden jährlich 0,3 Zentimeter größer. Dieser Trend muss gestoppt werden“, sagt der Präsident des Züchterverbandes Swissherdbook, Markus Gerber. Die „IG Neue Schweizer Kuh“ empfiehlt deshalb nun Stiere zur Besamung, die kleinere und gesündere Kühe als Nachwuchs versprechen.

Bei der „Rinderzucht Austria“ sieht man die Situation gelassen: „Grundsätzlich ist es bei uns so, dass bei der Zucht sogenannte Fitness-Gesundheitsmerkmale einen hohen Stellenwert haben.“ Dass man das Wohlbefinden der Tiere wichtig nimmt, zeige ihre ständig steigende Nutzungsdauer. „Natürlich ist der Trend zu erkennen, dass die Tiere größer geworden sind. Aber ihr Gewicht bleibt schon längere Zeit gleich“, betont Stegfellner.

„800 Kilo ist schon viel“, meint auch Christian Moser von der Zuchtorganisation für Grauvieh, das im Vergleich zur vorherrschenden Rasse, dem Fleckvieh, viel kleiner ist. Auch er erkennt Probleme auf den Almen. „Wobei es bei Trockenheit keine Probleme gibt. Der Boden wird bei nassem Wetter stärker geschädigt.“

Forderung

Seit Jahren fordert Andreas Steinwidder, Leiter des Instituts für biologische Landwirtschaft und Biodiversität der Nutztiere an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein in der Steiermark, dass das Gewicht von Kühen erfasst wird, um Veränderungen besser dokumentieren zu können. Bisher hat er sich allerdings mit seinem Anliegen nicht durchsetzen können.

„Die Berücksichtigung des Lebendgewichts in der Zucht ist auch bei uns erforderlich, um nicht in eine falsche Richtung zu gehen“, erklärt er. Auch der Institutsleiter verweist darauf, dass sich große und schwere Kühe auf der Weide und Alm schwerer tun. „ Sie brauchen größere Stallungen, haben einen höheren Futter-Erhaltungsbedarf und müssen, um gleich effizient wie leichtere Kühe zu sein, mehr Milch geben.“

Mehr Milchleistung

Das sei jedoch nicht das einzige Problem, erklärt Steinwidder. Denn die höhere Milchleistungen benötigt auch mehr Kraftfutter. „Unsere Rinder sollen jedoch vorwiegend Grünlandfutter in Milch umwandeln und nicht Ackerkulturen – denn das ist eigentlich der große Evolutionsvorteil des Rindes,“