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Chronik Österreich
07/16/2021

Steigt die Gewaltbereitschaft gegenüber der Polizei?

In der Kärntner Bezirkshauptstadt St. Veit kam es gleich mehrmals zu Attacken von Jugendlichen auf Beamte.

von Anja Kröll

St. Veit an der Glan kennt man eigentlich für seinen Wiesenmarkt. Ein Volksfest, dessen 659. Auflage heuer coronabedingt abgesagt werden musste. Aktuell sorgt die Kärntner Bezirkshauptstadt aber mit anderen Ereignissen für Schlagzeilen.

Vor zwei Wochen kam es in den frühen Morgenstunden des Samstags und des Sonntags zu massiven Ausschreitungen und Attacken gegen Polizisten am Hauptplatz. Die Uniformierten, deren Einsatzgrund eigentlich Lärmerregung gelautet hatte, standen plötzlich einer Menschenmenge von bis zu 80 Personen – meist jungen, alkoholisierten Männern – gegenüber. Darunter auch einige gewaltbereite Jugendliche, die auf die Uniformierten zum Teil mit Karate-Tritten losgingen. Auch Heil-Hitler-Rufe sollen zu hören gewesen sein, wie die Kleine Zeitung berichtete. Ein Beamter wurde verletzt, zwei Jugendliche vorübergehend festgenommen.

Am Dienstagabend dieser Woche dann der nächste Zwischenfall: Die Polizei St. Veit wurde zu einem öffentlichen Platz gerufen, weil dort angebliche eine reglose Person auf dem Boden entdeckt worden war. Doch bei dem Einsatz stürzte sich ein 19-Jähriger auf das Polizeiauto und attackierte die Beamten. Eine Polizistin wurde verletzt, der Mann festgenommen.

Gewaltbereite Gruppe

Dass der Vorfall von Dienstag nicht mit den Einsätzen vom Wochenende vergleichbar sei, darüber herrscht auf KURIER-Nachfrage bei Bezirkshauptmannschaft, Stadt und Polizei Einigkeit. Auseinander gehen die Meinungen bei der Fragestellung, ob St. Veit ein Problem mit gewaltbereiten Jugendlichen hat. „Bis auf den Angriff auf den Kollegen vor zwei Wochen hatten wir bisher nie Probleme. Extreme Jugendgewalt gibt es bei uns nicht. Es ist nicht so dramatisch wie dargestellt, diese Thematik kennt jede größere Stadt“, erklärt der Referent für Einsatz und Verkehr vom Bezirkspolizeikommando St. Veit an der Glan, Viktor Schlintl.

Aus dem Büro von Bürgermeister Martin Kulmer (SPÖ) heißt es, „dass Jugendliche erneut Polizisten attackieren, ist schockierend. Es muss herausgefunden werden, was der Grund für die Krawalle ist.“ Im Raum steht auch ein mögliches Alkohol-Verbot an öffentlichen Plätzen, wie eben dem Hauptplatz. Eine Entscheidung diesbezüglich sei aber noch nicht gefallen. Bereits seit Juni beschäftige man zwei Security-Mitarbeiter, die an den Wochenenden in der Stadt unterwegs sind.

Ein Blick in die Statistik des Innenministeriums zeigt, dass in Österreich in den vergangenen zehn Jahren (2010 bis 2020) insgesamt 10.825 Polizisten durch fremde Gewalt im Dienst leicht bzw schwer verletzt worden sind. Sieben starben.

Verletzte Beamte

In Kärnten gab es im Jahr 2020 insgesamt 37 verletzte Beamte durch fremde Gewalt (Leicht- und schwer verletzte). Der niedrigste Wert seit dem Jahr 2016, in dem 47 Beamte verletzt wurden. (2017: 58; 2018: 51; 2019: 40).

Maßnahmen nach den Ausschreitungen und Attacken in Kärnten wurden jedenfalls bereits gesetzt. „Wir haben die Kontrollen in der Innenstadt massiv verschärft und die Anzahl der Polizisten in St. Veit am Wochenende verdreifacht“, erklärt Schlintl. Zusätzlich wurden die Einsatzeinheit und Diensthunde hinzugezogen, jeden Mittwoch gibt es eine Lagebesprechung zwischen Stadt, Bezirkshauptmannschaft und Polizei. „Wir versuchen dabei herauszufinden, wie man den Entwicklungen entgegenwirken kann“, heißt es vonseiten der Stadtgemeinde.

Die verschärften Maßnahmen sollen an den kommenden Wochenenden aufrecht bleiben.

Warum die Jugendlichen, die Beamten attackiert haben, darüber kann nur spekuliert werden. „Ich bin keine Hellseherin, aber die Leute haben nach der langen Zeit der Einschränkungen, das Bedürfnis zu feiern. Viele trinken dabei zu viel Alkohol und legen ein inakzeptables Verhalten an den Tag“, sagt Bezirkshauptfrau Claudia Egger-Grillitsch.

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