Sterbender Schwan? Weit gefehlt. Die Maturanten beim Bewegungstraining im Schulhof des BG Zehnergasse

© Wammerl Patrick

Chronik Österreich
05/14/2020

Sport-Revolution in Coronazeiten

Unbeugsames Gymnasium in Wiener Neustadt bricht eine Lanze für vernachlässigten Turnunterricht in Pandemiezeiten.

von Patrick Wammerl

Direktor Werner Schwarz und seine Maturanten mimen im Schulhof nicht den sterbenden Schwan. Der ehemalige Cheftrainer des Skilanglauf- und Mountainbike-Nationalteams und jetzige Leiter des Bundesgymnasiums Zehnergasse in Wiener Neustadt (NÖ) probt mit seinen Schülern für einen Turnunterricht in Zeiten der Corona-Pandemie. Weil das Bildungsministerium mit dem Schulstart kommende Woche Sport aus „epidemiologischen Gründen“ bis auf weiteres gestrichen hat, begehrt das Gymnasium auf.

Mit täglichen Bewegungseinheiten im Zuge der Maturavorbereitung zeigt die Bildungseinrichtung, dass auch in Krisenzeiten nicht auf Sportunterricht verzichtetet werden muss. „Ganz im Gegenteil. Sport stärkt das Immunsystem, Sport stärkt die Psyche. Das brauchen unsere Schüler in Zeiten von Corona mehr denn je, und es lässt sich auch ganz leicht durchführen“, ist Sportwissenschafter Schwarz mit dem Ministerium nicht auf einer Linie. Eine Umfrage unter Schülern des BG Zehnergasse in Zeiten des Home-Schooling hat ergeben, dass den meisten Bewegung und der Schulsport fehlt.

Nur Sportklassen haben Turnunterricht

Bestätigt fühlt er sich durch ein Schreiben des Bildungsministeriums, dass am Dienstag überraschend alle Bildungsdirektionen in den Bundesländern bekommen haben. Darin erlaubt das Ministerium plötzlich allen Schulen mit Sport- und Skischwerpunkt sowie den Bundessportakademien ab 18. Mai den Sportunterricht – unter besonderen Voraussetzungen. Vorgeschrieben sind nur entsprechende Hygienemaßnahmen wie Händewaschen vor und nach dem Sport, eine tägliche Reinigung der Garderoben sowie eine zwei Meter Abstandsregel bei Teamsportarten. Bei der Nutzung von Sportgeräten durch mehrere Schüler ist vor und nach dem Unterricht ebenfalls Händewaschen oder Desinfektion Pflicht.

Für die Zehnergasse bedeutet dies, dass die Schüler des Sportrealgymnasiums wieder ihren Bewegungsdrang ausleben können, mehrere Hundert Teenager des Sprachen-, Wirtschafts- und Kunstzweigs allerdings zum Stillsitzen verdonnert sind. „Das ist schwer nachzuvollziehen. Was für Sportschulen möglich ist, lässt sich auch leicht für alle anderen Schüler umsetzen“, so Schwarz.

Zusammen mit seinem Team hat er in den vergangenen Tagen Ideen und Konzepte erarbeitet, wie Bewegungseinheiten kombiniert mit autogenem- und Mentaltraining in Coronazeiten ohne Ansteckungsgefahr vonstatten gehen können. „Durch die Steuerung von Intensitäten kann man Sportunterricht sogar schweißfrei gestalten. Es braucht nicht immer Bälle, Schläger oder Geräte“, sagt der Direktor.

Während Radfahren, Mountainbiken, Tennis und auch bald Fußball in der Freizeit wieder erlaubt ist, hat man im Gymnasium kein Verständnis dafür, wieso dies nicht für den Unterricht gilt. „Auch wenn ich ein Kämpfer für den Sport bin, ist jetzt nicht die Zeit, gegeneinander zu kämpfen. Es wäre schön, wenn es hier einen breiten Konsens gibt“, so Schwarz. Am kommenden Montag wird er dazu auch mit Vertretern des Ministeriums an einer ORF-Diskussionsrunde teilnehmen.

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