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SOS-Kinderdorf will Empfehlungen der Reformkommission umsetzen

Die Geschäftsführerin spricht von einem „Arbeitsauftrag“.
PK "ABSCHLUSSBERICHT DER VON SOS KINDERDORF EINGESETZTEN REFORMKOMMISSION": SANTNER/PORCHAM/GRISS

SOS-Kinderdorf beginnt mit der Umsetzung der Empfehlungen, die eine nach publik gewordenen Missständen an mehreren Standorten eingesetzte Reformkommission erarbeitet hat. Es handle sich um einen „ersten Schritt“, hieß es am Mittwochmittag gegenüber der APA. Der Bericht sei „ein Arbeitsauftrag“, stellte Carolin Porcham, Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf, in einer Aussendung fest: „Die Empfehlungen der Reformkommission sind für uns keine Liste einzelner Maßnahmen.“

Man wolle die Organisation dauerhaft weiterentwickeln: „Wir bauen auf Bewährtem auf, verändern konsequent dort, wo es notwendig ist, und schaffen verbindliche Strukturen für die Zukunft. Daran werden wir uns messen lassen.“

Risikoanalysen Ende 2026 abgeschlossen

Der Bericht der Reformkommission unter der Leitung der ehemaligen Präsidentin des Obersten Gerichtshofs (OGH), Irmgard Griss, wurde von einer internen Arbeitsgruppe mit 27 Expertinnen und Experten analysiert. Deren Empfehlungen wurden in einen verbindlichen Umsetzungsplan gegossen. In puncto Kinderschutz will SOS-Kinderdorf ein österreichweites Rahmenschutzkonzept mit Beschwerde- und Interventionswegen implementieren. An nahezu allen Standorten sollen Ende 2026 Risikoanalysen abgeschlossen werden. Das Rahmenschutzkonzept soll im Frühjahr 2027 vorliegen, anschließend folgen Schulungen, Umsetzung und Monitoring.

Auch das freiwillige Entschädigungsverfahren für Betroffene von Gewalt wird mit einem erweiterten Entschädigungsrahmen, der Neuausschreibung von Ombudsstellen sowie verbesserten Informationen und einem systematischen Monitoring weiterentwickelt. Menschen mit laufenden Anträgen werden kurzfristig Therapiestunden ermöglicht.

Die Begleitung junger Menschen nach dem Auszug aus der Betreuung soll gestärkt werden. Bewährte Care-Leaver-Angebote will man organisationsweit verankern. Eine österreichweit einheitliche Nachbetreuung bis zum 24. Lebensjahr ist geplant.

Organisationsstrukturen sollen gestärkt werden

Parallel kündigte SOS-Kinderdorf eine Stärkung seiner Organisationsstrukturen an. Eine interne Revision wurde eingerichtet und weisungsfrei aufgestellt, das Qualitätsmanagement organisatorisch gestärkt und von der operativen Programmarbeit getrennt. Führungsstrukturen, Kontrollmechanismen und Beschwerdekanäle werden weiterentwickelt.

In der Aussendung wurde weiters betont, dass man seit mehreren Monaten in intensivem Kontakt mit Schwestervereinen und der internationalen Föderation zur Aufarbeitung der Geschichte der Organisation steht. Das sei „ein bewusster Bruch mit einer idealisierten Geschichte“. Die Person Hermann Gmeiner, sein Handeln und die ihn tragenden Strukturen würden „historisch untersucht und öffentlich kontextualisiert“.

Die Kinder- und Jugendsprecherin der Grünen, Barbara Neßler, begrüßte, dass SOS-Kinderdorf die Empfehlungen der Reformkommission konsequent umsetzen will. Der Fall habe gezeigt, wie groß die Lücken im österreichischen Kinderschutzsystem seien, meinte Neßler in einer Aussendung. Die Kinder- und Jugendhilfe sei vielerorts unterfinanziert, während die Aufgaben immer mehr werden und die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen fehlen. Neßler appellierte an die Bundesregierung, den Kinderschutz endlich zur Priorität zu machen und gemeinsam mit den Ländern verbindliche Standards und eine verlässliche Finanzierung auf den Weg zu bringen: „Denn Kinderschutz darf niemals davon abhängen, in welchem Bundesland ein Kind aufwächst.“

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