APARSC11 - 23032005 - WIEN - OESTERREICH: ZU APA TEXT CI - Am kommenden Ostersonntag, 27. Maerz 2005, werden die Uhren aufgrund der Sommerzeit von 2 Uhr auf 3 Uhr morgens vorgestellt. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER

© APA/Herbert Pfarrhofer

Historische Chance
03/22/2013

Kampf gegen die Zeitumstellung

Die Vereinbarung über die Sommerzeit läuft 2015 aus. Der Widerstand wächst.

von Dominik Schreiber

In neun Tagen ist es wieder so weit. Am 31. März werden alle Bewohner der Europäischen Union ihre Uhren eine Stunde vor stellen. Menschen und Tiere werden unter einem Mini-Jet-Lag leiden, und die Diskussion über den Sinn der Zeitumstellung wird wieder beginnen – das ist so sicher wie das Vordrehen der Uhrzeiger.

Der Widerstand wächst allerdings von Jahr zu Jahr, denn die Gegner der Sommerzeit sind im Aufwind. Vorerst hat sich die EU nur bis zum Jahr 2015 auf eine Zeitumstellung geeinigt, in den nächsten Monaten wird über Sein oder Nichtsein diskutiert. In Österreich wurde am Donnerstag im Parlament eine entsprechende Petition der Bürgerinitiative „Schluss mit der Zeitumstellung“ behandelt.

Demonstration

„Weltweit wird in den meisten Ländern nicht umgestellt“, sagt Martin Gstöttner, Grüner Aktivist und Initiator der Petition. „Kinder und ältere Menschen trifft das am meisten. Es ist ein Wahnsinn, wie das ignoriert wird.“ Dabei seien die Folgen „sogar im Blut nachweisbar“, behauptet Gstöttner. Im deutschen Duisburg ist kommender Woche erstmals eine größere Demo gegen das Vorstellen der Uhren geplant.

Ob es tatsächlich gesundheitliche Auswirkungen gibt, kann das Gesundheitsministerium nicht beantworten: „Es finden sich sowohl Studien, die negative Auswirkungen zeigen als auch solche, die positive oder neutrale zeigen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. „Es besteht jedoch noch ein großer Forschungsbedarf zu dem Thema.“

Befürworter freuen sich vor allem darüber, dass es am Abend eine Stunde länger hell ist, wenn die meisten Menschen in der Freizeit sind. Ob sich dadurch Energie einsparen lässt, ist umstritten. Eine US-Studie ergab sogar, dass der Stromverbrauch nach dem Verstellen der Uhren um ein Prozent ansteigt. Die deutsche Bundesregierung antwortete auf eine parlamentarische Anfrage der FDP, dass es gar keine Auswirkungen gebe. Manche Länder versuchten auch, nur die Anfangszeiten für Betriebe oder Schulen zu verändern – in der DDR etwa wurde das nach einer Woche aufgegeben, weil die morgendliche Strom-Einsparung am Nachmittag schon wieder „weggefressen“ wurde.

Gstöttner hofft jedenfalls darauf, dass die EU einlenkt und der Zeitumstellung den Todesstoß verpasst. „Wir werden das auch im EU-Parlament forcieren.“

Neue Zeit bringt die innere Uhr durcheinander

Genauso wie die Menschen haben auch Tiere ihre innere Uhr, nach der sie sich orientieren. Bei bei den Milchkühen hat die Zeitumstellung große Auswirkungen, weil die Rinder bei den Melkzeiten einen 12-Stunden-Rhythmus haben. Die Probleme seien aber überschaubar, schildert Landwirt Robert Gruber aus Rohrenreith bei Zwettl, NÖ. Er hat gelernt, seine Tiere schrittweise an die neue Zeit zu gewöhnen.

„Wenn ich eine Stunde früher in den Stall gehen würde, würden mich alle meine Kühe verdattert ansehen. So nach dem Motto, was will denn der schon da?“ Eine Stunde später sei genauso schlecht: „Dann geben die Tiere unüberhörbare Laute von sich“, sagt Gruber. Das sei ein Zeichen dafür, dass sie prall gefüllte Euter hätten.

Daher beginnt die Umgewöhnungsphase auf seinem Hof ein paar Tage vor der offiziellen Zeitumstellung. „Vor der Sommerzeit gehen wir drei Tag lang jeweils 20 Minuten später in den Stall. So gewöhnen sich die Rinder rasch an die neue Zeit“, erklärt Gruber, der persönlich nichts gegen die Umstellung hat. „Ich mag die Sommerzeit, weil ich dann mehr Tageslicht zur Verfügung habe, um meine Feldarbeiten erledigen zu können“, betont Gruber.

Haustiere

„Am Anfang sind auch Haustiere wie Hunde oder Katzen lästiger, weil sie früher munter werden als ihre Besitzer“, sagt Tierarzt Martin Gasperl. „Das dauert allerdings ein paar Tage, bis sich das umstellt, aber die Nutztiere betrifft die Umstellung mehr als die Haustiere.“

Auch in der Schule ist die Zeitumstellung ein Thema: „Im Moment ist für die Schüler die angenehmste Phase, weil es beim Aufstehen schon hell ist. Dadurch werden sie leichter munter und sind beim Frühstück schon besser gelaunt“, berichtet Wolfgang Leirer, Internats-Lehrer an der Fachschule Ottenschlag (NÖ). „Danach brauchen die Jugendlichen meistens ein paar Tage, bis sie sich an die Umstellung gewöhnt haben, ähnlich einem leichten Jetlag. Sie sind vor allem in den ersten Tagen danach länger aktiv, da tun sie sich mit der Nachtruhe nicht so leicht.“

Bereits drei Mal eingeführt

1784 US-Staatsmann Benjamin Franklin schreibt einen humorigen Brief an eine Pariser Zeitung, in dem er meint, dass mit einer Zeitumstellung der Verbrauch von Kerzen gesenkt werden kann.

1916 In Irland, Deutschland und Österreich-Ungarn wird erstmals eine Sommerzeit eingeführt, nach wenigen Jahren aber wieder abgeschafft.

1940 Die Nazis führen in Österreich die Sommerzeit ein, die Alliierten schaffen sie 1948 ab.

1980 Der dritte Anlauf in Österreich – wegen der Ölkrise. Gilt bis heute.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.