Ob Freibäder - und wenn ja wie und unter welchen Bedinungen - heuer aufsperren dürfen, ist noch völlig unklar

© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Österreich
04/26/2020

Sommer während Corona: Kein Köpfler ins Freibad

Ob die Freibäder heuer öffnen, ist ungewiss. Wer schwimmen will, muss an den See - oder zum Strandbad Klagenfurt.

von Elisabeth Holzer

Dürfen sie das, die Kärntner? Während ganz Österreich auf den Start seiner Freibäder warten muss, geht in Klagenfurt der Betrieb schon am 1. Mai los: Dann dürfen Besucher im Lorettobad ins Wasser hüpfen, aber sich (noch) nicht in die Wiese legen.

Kärnten geht somit eigene Wege.

Und ja, man dürfe das, versichert Erwin Smole, Vorstandsdirektor der Stadtwerke. „Unser Konzept ist an das Gesundheitsministerium gegangen.“ Die Stadtwerke betreiben die drei Klagenfurter Wörtherseebäder; am 18. Mai öffnet das größte der drei – das Strandbad – ab da ist auch Hinlegen erlaubt.

Wegen der Pandemie-Maßnahmen dürfen höchstens 4.000 Gäste mit zuvor bestellten Tageskarten ins Bad.

In Eingangsbereich gilt Masken-, auf den Liegeflächen Abstandspflicht. Zehn Quadratmeter darf jeder Gast haben. Auf den Liegestiegen wurden Punkte aufgebracht, um die Plätze zu markieren. Auf der Wiese dagegen gilt Augenmaß anhand penibel aufgereihter Badehüttchen.

Überall geschlossen

Wer also in nächster Zeit ins Freibad will, muss nach Kärnten fahren.

Beobachter des Gesundheitsministeriums beäugen den  Sonderweg skeptisch. Die Frage, ob er rechtens sei, kann man im Gesundheitsministerium weder mit Ja noch mit Nein beantworten. Das werde „stark davon abhängen, was gerade erarbeitet wird“, sagt eine Sprecherin.

Noch gibt es von der Bundesregierung keine Verordnung, wie die Öffnung der Schwimmbäder vonstattengehen könnte. „Die Regelung ist in Ausarbeitung“, heißt es.

Also bleiben vom Ländle bis ins Marchfeld  alle Schwimmbecken trocken. Ebenso geschlossen sind die 17 Wiener städtischen Freibäder, auch wenn Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ankündigte, das Liegen auf den Wiesen zu erlauben, so es die Bundesregelung zuließe.

Kein Alleingang in Wien

Doch wie könnte das in der Praxis aussehen? Martin Kotinsky, Sprecher der Wiener Bäder, ist etwas ratlos. „Wir warten  auf die Vorgaben des Bundes. Alleingang wird es keinen geben.“

Die Klagenfurter Version käme schon einmal nicht in Frage. „Allein im Gänsehäufel haben wir 300.000 Quadratmeter Freifläche“, rechnet Kotinsky vor. „Wenn ich da Felder ausmessen muss, bin ich im September noch nicht fertig damit.“  

Umweltmediziner Hans- Peter Hutter arbeitet aktuell an einem Leitfaden für die Öffnung der Wiener Bäder.

Unkomplizierter ist es da schon an frei zugänglichen Badeseen und -teichen. Außer im Burgenland gibt es keine Beschränkung und auch die Verordnung für den Neusiedler See gilt nur noch bis Donnerstag.

Solange die Abstandsregeln ein Meter an Land, zwei Meter beim Sport eingehalten würden, spreche nichts gegen einen Badetag am See, versichert man im Sportministerium.

Die Landesregierungen sehen auch keinen Grund, Zugänge allzu sehr zu erschweren, auch wegen des Tourismus: Österreicher, die nicht wie gewohnt ans Meer fahren können, dürften sich um einen Platz an einem heimischen See umschauen.

Letztlich liegt dort aber auch viel in der Hand der Bürgermeister: Sie könnten die Anzahl der Badegäste über die Parkplätze regulieren. Angedacht ist das vorerst nicht. „Wir sind gespannt, wie das im Sommer wird“, sagt Franz Steinegger, ÖVP-Bürgermeister von Grundlsee. „Die Situation ist heuer wohl anders.“

Ein Meter geht immer

Sperren für Auswärtige sind kein Thema.  „Wenn alles im Rahmen bleibt und mit den Vorgaben der Bundesregierung übereinstimmt, haben wir kein Problem, wenn Gäste kommen“, sagt Steinegger. „Ein Meter Abstand auf der Liegewiese halten geht bei uns eigentlich  immer.“

Abstand  
Die allgemeingültigen Regeln zur Eindämmung des Coronavirus gelten auch an Seen beziehungsweise in Freibädern nach deren Eröffnung: Mindestens einen Meter Abstand zu Menschen, mit denen man nicht in einem Haushalt wohnt

Kontrolle
Diese Vorschriften gelten vor den Kassen ebenso wie auf den Liegeflächen. Kontrolliert wird die Einhaltung auf öffentlichen Flächen (Badeseen) wie im übrigen öffentlichen Raum von der Polizei. Die Strafen bei möglichen Verstößen sind die gleichen

Anfahrt
Die neuesten Änderungen erlauben auch Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Freizeitzwecken. Somit darf man mit dem Bus oder Zug zu einem Badeteich fahren

Auch in der Kärntner Gemeinde  Weißensee sieht Bürgermeister Gerhard Koch (FPÖ) die Lage am Strand  entspannt. „Wir haben hier genügend Platz, drei Viertel des Ufers sind grüne Fläche. Das geht schon.“ 

Koch, im Hauptberuf Hotelier, sorgt sich allerdings mehr um die Wirtschaft als um ein paar zugreiste Badegäste. „Wir sind eine reine Tourismusgemeinde“, sagt er.  „Wenn die  Hotellerie nicht schnell wieder hochfährt, dann ist es unser kleinstes Problem, ob jemand im See schwimmt oder nicht.“

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