Die Wintersaison am Ötscher ist weiterhin nicht gesichert

© Martin Fülöp

Interview
11/27/2020

Skischul-Besitzer: "Heuer gibt es Partyverbot für Skilehrer"

Ulf Seidl betreibt ein Skischule in Flachau. Im Interview erzählt er über die Herausforderungen - aber auch Vorzüge - des heurigen Winters.

von Richard Grasl

KURIER: Herr Seidl, Sie haben sich auch an uns gewandt anlässlich des Ski-Krieges, wie es wir genannt haben, im KURIER. Was ist Ihre Meinung dazu? Soll das Skifahrern wieder erlaubt werden?  

Ulf Seidl: Ja, unbedingt. Erstens ist Skifahren eine sehr gesunde Sportart und zum Beispiel ist das Après Ski, bei dem die meisten Ansteckungen passiert sind, nicht erlaubt. Und die meisten Après Ski Lokale im Flachau haben umgerüstet auf einen normalen Restaurant-Betrieb. Die Lift-Gesellschaft hat ein tolles Sicherheitskonzept, sowie die Hoteliers und wir Ski-Schulen natürlich auch.  

Was ist denn in Ihrer Skischule ganz genau das Konzept.? Wenn jetzt zum Beispiel eine Großmutter ihr Enkelkind in die Skischule bringt, dann besteht ja da die Gefahr, dass sich vielleicht ältere Menschen, die gefährdeter sind, auch infizieren könnten.  

Es ist so: Beim Betreten unseres Skischul-Büros muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Es wird aus das Skischulbüro jeden Abend desinfiziert.  Wir drängen natürlich auf Abstand und die Skilehrer selbst werden vor Dienstantritt auf Covid-19 getestet.

Jeden Tag?

Nein, nicht jeden Tag, vor Dienstantritt, bevor sie die Skilehrer-Quartiere und die Skischul-Büros betreten dürfen. Und dann habe ich die Skilehrer angemeldet beim Bundesministerium für Forstwirtschaft und Tourismus. Die haben ja ein kostenloses Testprogramm für uns und da können die Skilehrer dann auch jede Woche getestet werden.  

Verlangen Sie das von Ihren Skilehrern aus Sicherheitsgründen dann auch?

Das verlange ich und ich lasse mich selbst auch testen.
Jetzt sagen viele, die das kritisch sehen mit den Skigebieten, vielleicht auch zurecht, das mit dem Abstandhalten funktioniert nicht. Beim Anstellen, beim Lift, bei der Gondel, vielleicht auch nicht in der Skischule. Kann man hier Konzepte machen, damit nicht gedrängelt wird?

Na ja, das kann man schon. Man müsste zum Beispiel dort, wo die Gäste sich beim Lift anstehen, auch einen Ordner aufstellen will. Ich glaube nicht, dass die Gäste selbst so eigenverantwortlich handeln. Das haben wir auch schon im Herbst gesehen. Wenn zum Beispiel Kunden in den Kaufhäusern sich gedrängt haben. In der Skischule zum Beispiel haben wir die Kurszeiten so gestaffelt, dass die Anfänger später beginnen als die Fortgeschrittenen, sodass nicht zu viele Gäste gleichzeitig am Sammelplatz sind. Außerdem erwarten wir heuer sowieso wesentlich weniger Gäste. Wir haben auch abgestimmt mit anderen Skischulen, dass die Unterrichtszeiten o gestaffelt sind, dass nicht alle Gäste gleichzeitig zu den Skiliften gehen. Das gilt den Skiliften Mund-Nasenschutz-Pflicht.

Auch bei den Sesselliften?

Auch bei den Sesselliften. Das müssen die Leute natürlich selbst einhalten, das ist klar. Es gibt im Flachau eine einzige Gondelbahn. Die wird bei jedem Umlauf desinfiziert. Und da könnten wir auch andenken, dass z.B. die Gondel nicht voll besetzt sind, statt acht nur mit vier Personen. Das ist bis jetzt noch nicht angedacht, weil man sagt, das dauert nicht länger als 10 Minuten. 

Das ist weniger als 15 Minuten, was normalerweise als die gefährliche Zeit angegeben wird. Aber wenn man im Skikurs ist, geht man auch oft gemeinsam Mittagessen. Die Schulen sind derzeit zugesperrt, weil man festgestellt hat, auch Kinder sind infektiös und tragen das Virus dann meistens unwissentlich, weil keine Symptome ausbrechen und könnten dann eben andere Menschen infizieren. Jetzt sind die Kinder beim Mittagessen auf ganz engem Raum zusammen. Wie kann man das organisieren?

Wir bieten heuer keine Mittagsbetreuung an. Auch zum Eigenschutz nicht. Wenn zum Beispiel ein Kind positiv getestet werden würde und ein Skilehrer würde mit dem Kind länger als 15 Minuten in einem geschlossenen Raum sein, so müsste der Skilehrer anschließend in Quarantäne gehen. Das kann sich natürlich eine Skischule nicht leisten. Auch wenn der Skilehrer negativ ist. Darum bitten wir keine Mittagsbetreuung an und bitten die Eltern, dass sie die Kinder selbst betreuen. Und die können dann in den Restaurants Plätze reservieren oder in der Mittagspause Skifahren gehen oder im Freien eine Jause essen. Und für meine Skilehrer reserviere ich einen Tisch da sitzen dann nur meine Skilehrer. Wir versuchen dann praktisch in einer Blase zu leben und uns nicht anzustecken, sodass wir das auch nicht weitergeben können. Ich glaube, dass eine Ansteckung im Freien sehr sehr unwahrscheinlich ist.

Das sagen auch viele Experten. Wie schaut es mit den Skihütten aus? Sie haben sicher auch Kontakte zu vielen Hüttenwirt. Rechnen Sie damit, dass sie aufsperren können und haben auch sie Konzepte?

Ja, die gehen auch davon aus, dass weniger Leute kommen und es darf auf jedem Platz nur eine bestimmte Anzahl Leute oder eine Familie sein. Und sie halten sich dran. Du musst praktisch die Mittagspause nicht von 12 bis 13 Uhr machen, sondern von 11 bis 14 Uhr oder noch länger. 

Dass man also so ähnlich staffelt, wie es ja in Restaurants auch der Fall ist in der Stadt. Dass man eben nur zu zu viert oder zu sechst um einen Tisch sitzen kann?

Das wird so stattfinden.

Skilehrer geben ganz gerne untertags Unterricht und am Abend feiern sie. Jetzt haben sie selbst gesagt, das Après Ski wird nicht stattfinden. Aber kann man verhindern, dass in Privaträumen Partys gefeiert werden? Nicht nur bei Skilehrern, auch bei Gästen?

Was die Gäste machen, liegt in ihrer Eigenverantwortung. Das können wir natürlich nicht kontrollieren. aber meine Skilehrer haben absolutes Parteienverbot. In die Quartiere dürfen keine anderen Personen rein. Wenn ein Skilehrer dagegen verstößt, muss er innerhalb von 12 Stunden die Skischule verlassen. Das wird ihnen eingetrichtert und ich habe auch gesagt, die Skilehrer, die aufs Partymachen nicht verzichten können, die sollen diesen Winter nicht kommen.

Man rechnet ja auch aufgrund der strengen Regeln, die die Deutschen jetzt erlassen, damit, dass heuer viel, viel weniger Gäste kommen. Rechnet es sich überhaupt noch für eine Skischule aufzusparen?  Oder wäer es nicht besser zuzulassen und zu sagen, ich nehme den Umsatzersatz.

Es rechnet sich mit Sicherheit nicht. Das muss ich definitiv sagen. Den Break-Even-Point werde ich diesen Winter mit Sicherheit nicht erreichen. Aber ich gehe davon aus, dass ich den Fixkostenzuschuss bekomme und dann geht sich das irgendwie aus. Aber das Personal habe ich natürlich sehr stark reduziert.

Wann glauben Sie, dass Sie aufsperren können?  

Keine Ahnung, das weiß ich nicht. Es kann sein, dass der Lockdown noch verlängert wird.  Aber ich gehe schon stark davon aus, dass man noch vor Weihnachten starten können, dass wir am 20. Dezember die erste große Kurseinteilung machen können. Mit sehr, sehr wenigen Gästen. Ich habe letzte Saison in den Weihnachtsferien siebenundvierzig Schüler gehabt und heuer sind wir 13.

Wäre das Weihnachtsgeschäft aus Ihrer Sicht entscheidend oder kann man, so wie Merkel das jetzt gesagt hat, eigentlich am 10. Jänner auch beginnen?

Das Weihnachtsgeschäft macht schon einen großen Teil des Umsatzes aus. Das sind zwei bis drei sehr gute Wochen. Das kann man nicht mehr aufholen.  

Gibt es auch positive Dinge in diesem Winter?

Für mich gibt es zwei sehr positive Dinge für diesen kommenden Winter. Erstens müssen wir nicht die widerwärtigen Ballermann-Sauf-Touristen ertragen, die überall hin kotzen und brunzen. Entschuldigen Sie diese derbe Sprache, aber ein Teil unserer Gäste war so. Und zweitens wird es ein traumhaftes Skivergnügen für uns selber auf ziemlich leeren Pisten werden.

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