© Dominik Schreiber

Chronik Österreich
08/26/2019

Schwammerldiebe: Das große Plündern im Wald

Die Pilzsaison ist auf dem Höhepunkt. Wegen der geringen Strafen kommen die Profidiebe nach Österreich. Vor allem aus Italien.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Vor wenigen Tagen in einem Kärntner Wald: Der Boden färbt sich gelblich durch die Eierschwammerl, dazwischen wachsen Steinpilze, Bovisten, Goldröhrlinge oder sogar der violette Lacktrichterling. Der giftige Fliegenpilz zeigt sich in seinen schönsten Formen, auch ein ungenießbarer Risspilz wächst in Sichtweite.

Doch man kann auch sehen: Hunderte Pilze wurden schon gesammelt, oder gebrockt wie es im Jargon heißt. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die (vor allem italienischen) Pilzdiebe bereits zugeschlagen haben.

„Es ist perfekt“

„Für Schwammerl ist derzeit Superwetter, es ist perfekt“, sagt Gabrielle Pfurtscheller von der Tiroler Bergwacht. Vor allem die Steinpilzsaison steuert ihrem Höhepunkt entgegen. Das zieht auch jene an, die mehr als die eigentlich erlaubten zwei Kilogramm sammeln wollen.

Kein Wunder, denn für ein Kilo Schwammerl werden in Mittelitalien schon einmal bis zu 100 Euro gezahlt. Deshalb werden jedes Jahr Pilze im Tonnenbereich sichergestellt, noch mehr gehen wohl ungeahndet nach Süden durch.

In Italien ist das Schwammerlsuchen stark reglementiert, man benötigt schwer zu erlangende Erlaubnisscheine und es drohen horrende Strafen. In Österreich droht offiziell zwar eine Geldbuße von bis zu 30.000 Euro (oder eine Woche Gefängnis), im Normalfall werden aber meist lediglich 300 bis 700 Euro von den Bezirkshauptmannschaften verhängt, berichten Behördeninsider.

Bei den zu erwartenden Gewinnmargen ist das also vergleichsweise ein Klacks.

So manch eine italienische Familie finanziert sich den Urlaub mit Pilzen, weiß Pfurtscheller zu berichten: „Teilweise sind diese sehr organisiert, mit eigenen Vakuumiermaschienen.“ Auch Wohnwägen mit eigenen Trockengeräten wurden – vor allem in Kärnten – schon gefunden. Die Pilze werden bereits verkaufsfertig ausgeliefert.

Bis zu 360 Kilo wurden schon gefunden. Dafür strömen meist mehrere Personen aus und sammeln im Ameisensystem zwei Kilo. Teilweise verwenden die Sucher GPS-Geräte, wo die Funde des Vorjahres bereits markiert wurden. Heimtransportiert werden diese dann oft in den Nachtstunden.

In Tirol wurden in den vergangenen Tagen mehrere Italiener mit 42 beziehungsweise 60 Kilo Steinpilzen erwischt. Bei einem Fund im Schmirntal hatte ein anonymer Anzeiger den Hinweis gegeben. Die Pilze wurden anschließend konfisziert und Altersheimen zur Verfügung gestellt.

„Das sind allerdings nur die presserelevanten Großfunde“, erklärt Pfurtscheller. Tatsächlich gäbe es mehr Sicherstellungen, allerdings im kleineren Bereich.

SOKO Eierschwammerl

In Kärnten wurde sogar eine SOKO Eierschwammerl der Bergwacht eingerichtet, an mehreren neuralgischen Punkten werden Sonderkontrollen teilweise mit der Polizei durchgeführt. Im Vorjahr wurden so an die 400 Kilo Pilze im südlichsten Bundesland sichergestellt.

Landessache

Wer auf der sicheren Seiten sein will, der sollte die Landesgesetze lesen, denn die Suche ist in Österreich unterschiedlich geregelt. Zwei Kilo dürfen überall problemlos geerntet werden, alles darüber ist verboten. Auch organisierte Suchaktionen sind nicht legal. In den meisten Bundesländern darf zwischen sieben und 18 Uhr gesucht werden. Das hat Sicherheitsgründe, da vorher und nachher meist die Jäger unterwegs sind – und nicht auf die Schwammerlsucher treffen sollen.