© Walter Schweinöster

Chronik Österreich
07/29/2021

Salzburger sagt seit 50 Jahren Wetter mit Hilfe der Natur voraus

Seit einem halben Jahrhundert beobachtet Horst Nöbl die Natur und prognostiziert das Wetter. Für den Sommer lag er richtig.

von Anja Kröll

4,2 Liter Niederschlag pro Quadratmeter hat es in der Nacht in Saalfelden am Steinernen Meer in Salzburg gegeben. „Vergangene Woche waren es noch 70 Liter pro Quadratmeter“, klärt Horst Nöbl auf, als er von seiner Morgenrunde bei der eigenen Messstation im Garten zurückkehrt. Nöbl beobachtet seit 50 Jahren das Wetter, zeichnet alles auf und sorgt mit seinen Prognosen „Wie der Sommer bzw. der Winter wird“ jährlich für Begeisterung bzw. Unmut. Die einen sehen ihnen als Mann, der mit der Natur lebt, die anderen als Scharlatan.

Natur beobachten

Für den heurigen Sommer lag der 79-Jährige jedenfalls nicht ganz unrichtig. Im April weissagte er in den Salzburger Nachrichten: „Viel Schlechtwetter mit einer großen Menge an Niederschlägen und am Höhepunkt des Schlechtwetters Hochwasser. Der Sommer verlaufe sehr wechselhaft.“ Zwar waren die Hochwasser für Juni angesagt, aber das sei „Schwankungsbreite“, erklärt Nöbl.

Woher der Salzburger bereits im April das Wissen über das Wetter nehme, erklärt er so: „In Spätjahren ist die Unwettergefahr generell größer. Also in solchen Jahren, in denen das Frühjahr später beginnt. Wir hatten heuer Verzögerungen von gut drei Wochen und das wirkt sich auf den Niederschlag im Sommer aus“, erzählt Nöbl.

Die Fichte als Wettermesser

Und dann ist da noch die Fichte. Jener Baum, über den Nöbl minutenlang ohne Verschnaufpause sprechen kann. Seine Prognosen entstehen auf Basis der Daten auf gut 800 Metern Seehöhe in den Nordalpen. „Die Fichte ist ja der Hauptbaum im Gebirge. Heuer ist kein Blühjahr. Der Baum hat einen Volltrieb und verdunstete sehr viel Feuchtigkeit, bis zu 200 Liter am Tag. Wenn dann Wärme da ist, ändert sich auch was beim Luftdruck und das hat Auswirkungen auf die Gewitter.“

Die Blühzeiten und der Klimawandel

Und der Klimawandel? Den beobachte Nöbl zwar nicht in den Temperaturveränderungen („Temperaturmessen ist sehr schwierig, das mache ich nur bedingt“), dafür aber anhand der Vegetationsentwicklung, der sogenannten Phänologie. Auf der Homepage der Stadtgemeinde sind die Aufzeichnungen sogar bis ins Detail nachzulesen. Für Hasel-, Vogelkirsche-, Löwenzahn-, Apfel- und Hollerblüte. „Ich bin Imker und habe wegen meinen Bienen schon immer die Blühzeiten genau festgehalten“, erklärt Nöbl. So sei bei der Apfelblüte etwa zu beobachten, dass im 30-jährigen Schnitt die Blühzeit mittlerweile zwölf Tage früher beginne. „Wir haben auf 800 Metern Seehöhe nun Verhältnisse, wie auf 400 Metern Seehöhe. Das ist eine ordentliche Verschiebung.“ Und bedeutet für Nöbls geliebte Fichten nichts Gutes. „Weil unter 400 Metern Seehöhe findet man normalerweise keine natürlichen Fichten. Der Baum ist also extrem gefährdet.“

Festgehalten werden Nöbls Beobachtungen übrigens fein säuberlich in Kalendern. „50 habe ich, die brauchen auch nicht so viel Platz“, erzählt der 79-Jährige.

Schöner Spätsommer

Und eine Frage darf zum Schluss natürlich nicht fehlen: Wie geht es mit dem Sommer weiter? „Bis Mitte August halten die Unwetter noch an, dann können wir uns Ende August auf einen schönen Spätsommer einstellen. Und auch der September wird herbstlich schön.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.