Chronik | Österreich
25.01.2018

Sabotage: Schulbus verlor Rad

400 Personen hatten Glück: Reifen löste sich bei Leerfahrt. Die Lenkerin berichtet.

"Ich hab’ meinen Bus vom Mölltaler Gletscher auf der B105 bergab in Richtung Obervellach gelenkt. Plötzlich war da ein Rumpeln, als würde ich mit Schneeketten fahren. Im linken Rückspiegel konnte ich sehen, dass hinten ein Zwillingsrad eiert. Ich hab’ gebremst und plötzlich hat mich dieses Rad überholt, es ist 200 Meter weit mit hoher Geschwindigkeit eine Wiese hinuntergedonnert. Das zweite Rad ist seitlich umgekippt. Es gelang mir, problemlos anzuhalten. Zum Glück war der Bus zufällig leer, denn bis zum Unglück um 11 Uhr habe ich bereits 400 Schüler und Skifahrer transportiert. Und dann stellt sich heraus: Sabotage. Alle zehn Radmuttern an diesem Reifen waren gelockert."

Busfahrerin Isolde Peitler (Bild) musste sich am Donnerstag einen freien Tag nehmen, denn der Vorfall vom Mittwoch steckte der 45-Jährigen, die mit ihrem Mann Herbert im Mölltal ein Busunternehmen betreut, noch in den Gliedern.

Wie üblich hatte sie in der Früh die täglichen Schülertransporte in Obervellach (Bezirk Spittal an der Drau) übernommen, dann mit ihrem rund 100 Passagiere fassenden Verkehrsmittel Skitouristen auf den Gletscher chauffiert. "Die Täter müssen in der Nacht zuvor am Busparkplatz unseres Unternehmens die Schrauben gelockert haben, denn nur zu diesem Zeitpunkt waren unsere acht Busse zuletzt unbeobachtet. Und ich bin dann offenbar mit dem losen Rad einen halben Tag lang mit 150 Schülern und 250 Touristen durch die Gegend gefahren. Nicht auszudenken, was da alles passieren kann", schildert Frau Peitler.

Alle Muttern gelockert

Die Tat angezeigt hat ihr Mann. "Sofort wurde die Werkstätte angerufen, das Rad provisorisch montiert und der Bus in die Werkstatt gebracht. Dort erkannte man, dass alle Muttern mutwillig gelockert wurden. Es hätte Verletzte geben können. Alleine das rollende Rad: Wenn das in eine Personengruppe gerast wäre", gibt Herbert Peitler zu bedenken.

Vorfall bei Lkw

Auch die Polizei kam zum Schluss, dass sämtliche Muttern von Unbekannten gelöst worden sein müssen. Es ist – wie erst jetzt auf Nachfrage bekannt wird – nicht der erste Fall in diesem Jahr und in dieser Region: Zwischen 5. und 7. Jänner gab es laut Polizeisprecher Michael Masaniger bereits ein ähnliches Ereignis, damals wurden bei einem Lkw in Lurnfeld (rund 20 Kilometer von Obervellach entfernt) ebenfalls mehrere Radmuttern eines Reifens gelockert. Dieser Sabotageakt endete am 7. Jänner genauso glimpflich, der Lenker bemerkte den Defekt während der Fahrt auf der B100 bei Sachsenburg.

100 Fälle aktenkundig

Bereits seit mehr als zwei Jahren halten Täter, die in Kärnten flächendeckend Radmuttern lockern, die Exekutive auf Trab. Bisher waren sie ausschließlich auf Pkw "spezialisiert". Im Jahr 2016 wurden 70 Fälle angezeigt, die die Polizei unter dem Delikt "Gefährdung der körperlichen Sicherheit" archiviert, 26 waren es im Vorjahr. Und 2018 die eben erwähnten.

"Jetzt erreichen die Taten natürlich eine andere Dimension. Das Gefahrenpotenzial bei einem Bus ist durch die hohe Anzahl der Passagiere viel größer", sagt Masaniger. Spuren zu den Saboteuren gebe es aber weder in den zurückliegenden Fällen, die über ganz Kärnten verstreut angezeigt worden seien, noch in den beiden aktuellen.