Runder Tisch zu Ärztewartezeiten: "Studie wäre ein Erfolg"

Patientenanwalt Gerald Bachinger pocht auf drei Lösungsansätze © Bild: KURIER/Jürgen Zahrl

Am Donnerstag tagen die Experten. Patientenanwalt Gerald Bachinger im KURIER-Talk über mögliche Lösungen.

Nach dem KURIER-Bericht über lange Wartezeiten in Praxen von Allgemeinmedizinern in den Semesterferien hatte Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) einen runden Tisch angekündigt. Heute, Donnerstag, treffen sich die Vertreter von Ärztekammer, dem Hauptverband sowie Apothekerkammer, um über mögliche Lösungen zu diskutieren. Der niederösterreichische Patientenanwalt Gerald Bachinger wird ebenso an den Gesprächen teilnehmen. Im Vorfeld erzählt Bachinger im KURIER-Talk, was er sich von den Gesprächen erwartet.

"Ärzte haben wie Krankenhäuser einen Versorgungsauftrag", betont Bachinger. Die Kassen hätten dafür zu sorgen, dass bei den Ärzten der Betrieb auch in den Ferien gewährleistet ist. Dennoch gebe es für das vorhersehbare und jahrelang diskutierte Problem keine Lösungen. Bachinger wartet hier mit mehreren Vorschlägen auf: Langfristig erwartet sich der Jurist eine Veränderung innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre. "Da wird es hoffentlich dann diese Einrichtungen geben, die wir in der Bundespolitik beschlossen haben: die Primärversorgungseinrichtungen." Diese müssen ganzjährig offen halten.

Für eine mittelfristige Lösung setzt Bachinger auf das digitale Zeitalter. "Warum soll es nicht möglich sein, dass ich mir als berufstätiger Mensch über das Internet im Terminkalender des Arztes meinen Termin buche", meint der Jurist. "Eine zweite mittelfristige Lösung ist etwa, was in anderen Ländern schon sehr intensiv und praktisch genutzt wird. Das nennt man virtuelle Ordinationen." Mittels Videokonferenz könnten etwa Krankenstandsmeldungen erledigt werden, ohne dass der Patient die Ordination aufsuchen muss. Solche Projekte gebe es in der Schweiz. Natürlich eignet sich das Konzept nicht für alle Patienten. "Wenn ich aber 60 bis 70 Prozent der Fälle so abwickle, ist schon ein Problem der Wartezeiten gelöst."

Eine Erweiterung der Mindestordinationszeiten wäre laut Bachinger eine Lösung, die innerhalb weniger Wochen umzusetzen wäre.

Studie als Lösung?

Die Ministerin hatte im Februar angekündigt, anhand von Daten und Fakten den Status quo beleuchten zu wollen. "Doch von denen gibt es zu wenige", sagt Bachinger. Ein Erfolg wäre es für ihn, wenn am Donnerstag "weitere Arbeitsschritte" in die Wege geleitet würden. Konkret wünscht sich Bachinger eine Studie. Denn eine wissenschaftliche Untersuchung zu den wahren Wartezeiten in Arztpraxen gibt es keine.

( kurier.at ) Erstellt am 07.03.2018