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Chronik Österreich
06/02/2021

Rückstau am Balkan lässt Zahl der Asylanträge weiter steigen

Die kommenden Monate könnten die Situation laut Experten sogar noch verschärfen.

von Anja Kröll

Außergewöhnlich. Sprechen Experten über die Analyse der Asylantragszahlen für das heurige Jahr, fällt dieses Wort immer wieder. Monatlich veröffentlicht das Innenministerium auf seiner Homepage die nüchternen Zahlen rund um das Thema Asyl. Was mit außergewöhnlich gemeint ist, wird bei einem Blick auf die April-Statistik ersichtlich.

Stellten im April 2020 insgesamt 359 Menschen einen Antrag auf Asyl in Österreich, waren es heuer 1.494. Eine Steigerung von 316,16 Prozent. Ein Vergleich, der auf den ersten Blick zum Aufschrei verleitet, beim zweiten aber nicht zulässig ist.

Denn 2020, das Pandemie-Jahr, ließ die Asylantragszahlen in Österreich rund um den ersten Lockdown massiv einbrechen. Der Vollständigkeit halber: Im Laufe des gesamten Jahres 2020 änderte sich dieser Trend. Sanken die Zahlen im gesamten Jahr 2020 in Europa – um fast 33 Prozent, stiegen sie über das gesamte Jahr betrachtet in Österreich um mehr als zehn Prozent.

Anstieg auch gegenüber 2018 und 2019

Was die aktuellen April-Asylantragszahlen allerdings sehr wohl belegen, ist, dass die Not von Menschen ihr Heimatland zu verlassen, ungebrochen ist. Vergleicht man den April 2021 mit den Vor-Corona-Aprilzahlen aus 2018 und 2019, so zeigt sich: 1.060 Asylanträge wurden vor drei Jahren gestellt, 2019 waren es 987 und im April 2021 genannte 1.494.

Gründe für diese Entwicklung gibt es laut Innenministerium viele. Einen formuliert Gerald Tatzgern, Leiter der Schleppereibekämpfung im Bundeskriminalamt (BK), wie folgt: „Gerade am Balkan hat sich ein regelrechter Stau an Flüchtlingen durch die Corona-Lage gebildet. Diese Menschen machen sich nun verstärkt auf den Weg.“ Laut Schätzungen sind es 100.000. Österreich sei dabei für viele nicht Ziel-1-Land, wie es im Fachjargon heißt. Der Großteil will nach Deutschland oder Schweden. Werden sie in Österreich bei Kontrollen aufgegriffen, stellen sie einen Asylantrag. Früher sei dies laut Tatzgern die Ausnahme gewesen. 2021 sei es vielmehr die Regel.

Syrer führen Statistik an

So kamen die meisten Anträge auf Asyl heuer (bis Ende April) von Menschen aus Syrien (2.952), gefolgt von Afghanistan (1.140) und Marokko (390). Im Steigen begriffen sind aber nicht nur die Asylantragszahlen, sondern auch die Zahlen der negativen Asylentscheidungen. Das ist ein Resultat der durchgeführten Schnellverfahren bei Antragsstellern ohne Bleibewahrscheinlichkeit. Von 16.691 Entscheidungen waren heuer bisher nur 5.263 rechtskräftig positiv – das ist knapp jede dritte.

Legt man diese Zahlen auf die Top-Nation bei den Antragsstellern um, erhielten heuer mehr als 90 Prozent der Syrer einen positiven Bescheid. Bei Menschen aus Afghanistan waren es 37 Prozent. Bei Antragsstellern aus Marokko lag die Positiv-Quote hingegen gerade einmal bei 0,29 Prozent.

Schlepper kassieren ab

Wie Experten die Entwicklung für die kommenden Monate einschätzen? Brennpunkt war und ist weiterhin der Westbalkan. „Der Balkan wird sich weiter entleeren, das geht aber nur mit Schleppern. Hier sehen wir, dass diese mittlerweile oft aus der eigenen Community kommen. Und besseres Wetter bedeutet mehr Migranten“, sagt der BK-Experte. Die kommenden Monate dürften also hinsichtlich der Asylantragszahlen eines bleiben: Außergewöhnlich.

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