Chronik | Österreich
27.10.2017

Riesiger Felssturz beim Wiesbachhorn im Pinzgau

Klimawandel. Die "Spielwiese Hochgebirge" wird laut Salzburgs Landesgeologen immer kleiner.

Eigentlich hätte man von der Großglockner Hochalpenstraße einen wunderbaren Blick auf dieses Naturschauspiel gehabt. Doch der massive Felssturz am Kleinen Wiesbachhorn (3283 Meter) bei Fusch im Pinzgau spielte sich mitten in der Nacht ab. Wie erst am Freitag bekannt wurde, brachen am 20. Oktober laut ORF Salzburg 150.000 Tonnen Gestein aus einer Bergflanke.

Für Salzburgs Landesgeologen Gerald Valentin ist es höchst bedauerlich, dass es von dem Spektakel keine Videobilder gibt, wie er im KURIER-Gespräch sagt: "Da hätten wir viele Erkenntnisse gewinnen können." Aber auch so werde die wissenschaftliche Untersuchung Aufschlüsse über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Hochgebirge geben.

Für Valentin steht fest, dass das Auftauen des Permafrosts ursächlich für das Ereignis war. So konnte Wasser in zuvor vereiste Felsklüfte dringen, das letztlich den Druck im Gestein so groß werden ließ, dass es abbrach.

Der Felssturz erinnert, wenn auch in wesentlich kleinerer Dimension, an das Unglück vor zwei Monaten in Graubünden. Damals starben acht Menschen. Auch in Tirol wurden heuer bereits zwei Wanderer bei einem Felssturz erschlagen. Der Klimawandel lässt die Gefahren auf Bergtouren steigen. "Die Spielwiese Hochgebirge wird durch das Auftauen des Permafrosts stark eingeschränkt", sagt Valentin. Wobei das ein Luxusproblem sei, da sich die Massen der Bergsportler in tieferen Lagen bewegen.

Steinlawinengefahr

Gleichzeitig zeige sich, dass seit zehn bis zwanzig Jahren gewisse Touren nicht mehr machbar seien. Auf anderen würden stark exponierte Stellen zunehmend zur Gefahr. "Das muss man bedenken, wenn man etwa lange einer Felswand entlang geht. Das ist ähnlich wie die Lawinengefahr", warnt der Geologe. Am hochfrequentierten Stüdelgrat am Großglockner sei es heuer etwa zu einem Unfall gekommen, weil ein zwei Kubikmeter großer Felsblock ausbrach.

Auch Ereignisse wie jenes beim Wiesbachhorn dürften häufiger werden. Und bei einer bestimmten Dimension könnten sie auch für Siedlungsgebiete bedrohlich werden. Wenn etwa die herabdonnernden Felsmassen so groß sind, dass sie beim Auftreffen auf einen Gletscher dessen Eis zum Schmelzen bringen. Die Folge wäre eine Mure, die sich – wie auch in der Schweiz geschehen – ins Tal ergießen kann.