Erkurt, Duzdar und Baran (v. li.) vom Shishaverband sehen einer ungewissen Zukunft entgegen.

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Chronik Österreich
06/19/2019

Rauchverbot: Den Shisha-Bars geht die Luft aus

Werden Wasserpfeifen nicht vom Tabakgesetz ausgenommen, kämpfen 500 Lokalbetreiber um ihre Existenz.

von Bernhard Ichner

Kommt das generelle Rauchverbot in der Gastronomie, auf das sich SPÖ, Neos und Liste Jetzt im Nationalrat mit der ÖVP geeinigt haben, dann könnte das das Ende einer gesamten Branche bedeuten. Und zwar der Shisha-Bars – in denen tendenziell jüngeres und zu einem großen Teil migrantisches Publikum Getränke konsumiert und Wasserpfeife raucht.

Findet sich für diese Art von Lokalen nicht wie im Rest der EU eine Ausnahmeregelung, „stehen 500 Unternehmer vor dem Ruin und rund 10.000 Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit“, klagt Jakob Baran, Betreiber der „Titan“-Shisha-Bar im Wiener Donauzentrum und Obmann des Shishaverbandes. Das bestätigt auch Mario Pulker, Bundesobmann der Gastronomen in der Wirtschaftskammer (WK).

Das Problem der Shisha-Bar-Betreiber ist nämlich, dass das Rauchverbot nicht nur Tabak, sondern auch E-Zigaretten und eben Wasserpfeifen umfasst.

Triste Stimmung

Auf „normale“ Gastronomie umsatteln könne man aber nicht so einfach, erklärt Eray Erkurt, dem die „Selcuklu“-Shisha-Bar in Rudolfsheim-Fünfhaus gehört. Zwar würden die Gäste auch Getränke, Cocktails und Snacks konsumieren. „Das Hauptmotiv, warum sie kommen, ist aber die Wasserpfeife.“ Wechsle man nun das Konzept, spreche man auch eine andere Zielgruppe an.

Entsprechend trist sei zurzeit die Stimmung, sagt Baran. Unter den Unternehmern, die viel in ihre Betriebe investiert hätten; beim Personal, das vor einer ungewissen beruflichen Zukunft stehe und auch unter den Stammkunden.

„Man fühlt sich ohnmächtig“, bestätigt Mohammed Duzdar, Chef der „Duzi’s“-Shisha-Bar in der Leopoldstadt. „Da macht man alles richtig, baut einen funktionierenden Betrieb auf, schafft Jobs. Und so wird’s einem gedankt.“

Einzigartig in der EU

Damit die bundesweit 500 Shisha-Bars, deren Gäste mindestens 18 Jahre alt sein müssen, weiter bestehen können, müsste ihnen der Gesetzgeber nun einen Sonderstatus einräumen. Tut er das nicht, wäre Österreich das einzige EU-Land, in dem Shisha-Bars verboten sind.

Darum appelliere man an alle Parteien, Wasserpfeifen vom Tabakgesetz auszunehmen, sagt Baran. „Plan A wäre, dass in unseren Lokalen überall gedampft, aber nirgends Zigaretten geraucht werden dürfen.“ Darauf drängt auch die Wirtschaftskammer – insbesondere in Wien.

„Die Parteien wollen das Raucher-Thema aus dem Wahlkampf draußen haben und streben jetzt eine schnelle Lösung an“, meint der Wiener Gastro-Obmann in der WK, Peter Dobcak. „Ein derartiger Kollateralschaden rentiert sich aber nicht. Ich appelliere hier an die Vernunft.“

Zumal Shisha-Rauchen ein „importiertes Kulturgut“ sei. „Die Politik liegt falsch, wenn sie glaubt, dass ein einziger weniger Shisha raucht, nur weil sie das Rauchen in der Gastronomie verbietet“, so Dobcak. „Damit werden die Konsumenten bloß in die Hinterzimmer verdrängt.“ Die WK suche daher das Gespräch mit allen Parlamentsklubs.

Zudem stellt Baran die Reaktivierung einer Verfassungsklage in Aussicht. Diese wurde bereits eingebracht nachdem sich SPÖ und ÖVP erstmals auf ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie geeinigt hatten. Als ÖVP und FPÖ das Gesetz wieder zurücknahmen, wurde sie aber stillgelegt.

„Nicht harmlos“

Bleibt die Frage, ob Passivrauchen in Shisha-Bars ebenso schädlich ist wie in herkömmlichen Raucherlokalen.

„Zumindest gibt es ein gewisses Gesundheitsrisiko“, sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien. Die Luft sei "ähnlich verunreinigt" wie in Räumen, in denen Zigaretten geraucht werden. „Lungengängiger Feinstaub PM2,5 ist in Shisha-Bars in einem ähnlichen Verhältnis vorhanden wie in Raucherlokalen.“ Zudem finde man eine hohe Kohlenmonoxid-Konzentration vor.

Aber auch das aktive Wasserpfeifenrauchen sei „nicht harmlos“, betont Hutter. In Abhängigkeit vom Konsum sei das Einatmen des aromatisierten Rauchkonvoluts „definitiv gesundheitsschädlich“.

Enthalte es mit Nikotin und Krebserregern wie „polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, tabakspezifischen Nitrosaminen und Benzol“ sowie Kohlenmonoxid doch ähnliche Substanzen wie Zigaretten - wenn auch in anderer Zusammensetzung.