Chronik | Österreich
20.08.2018

Quidditch: Auf den Spuren von Harry Potter

Die Trendsportart aus der Buch- und Filmreihe erobert auch Österreich mit großen Schritten.

Auf der Jesuitenwiese im zweiten Wiener Gemeindebezirk laufen Männer und Frauen verschiedenen Alters herum und versuchen einen Ball durch einen von drei Ringen zu werfen. Zwei andere jagen einem Spieler nach, der einen gelben gefüllten Socken an der Hose hängen hat und versuchen diesen zu ergattern. Was nach einer etwas merkwürdigen Beschäftigung klingt, ist in Wahrheit ein offenes Training der Vienna Vanguards – das erste österreichische Quidditch-Team.

Quidditch ist wohl die bekannteste Sportart aus der Welt des Zauberschülers Harry Potter. Die Mischung aus Rugby und Handball hat in den letzten Jahren den Weg aus den Büchern und Filmen auf den Rasen der „Muggelwelt“ gefunden. Natürlich wird das Spiel ohne fliegende Besen gespielt, ansonsten ist der Sport aber schon sehr nahe an der Buchvorlage. Zwischen den Beinen haben die Spieler eine Plastikstange und sie müssen diese während des gesamten Spiels auch dort behalten. Das macht das Laufen um einiges schwieriger.

Das Spielprinzip ist einfach. Die sogenannten Jäger werfen sich einen Volleyball zu und versuchen das Spielgerät durch einen von drei Ringen zu werfen. Für diese Treffer gibt es jeweils zehn Punkte. Die Treiber versuchen ihrerseits die Angreifer vom Punkten abzuhalten. Ihr Werkzeug sind ebenfalls Bälle, mit denen die Jäger abgeschossen werden. Der getroffene Spieler muss zurück zu seinen Ringen laufen, einen davon berühren und kommt so zurück ins Spiel.

Mit Fortdauer der Partie kommt der sogenannte Schnatz ins Spiel. Eine neutrale Person bekommt einen gelben gefüllten Socken an die Hose gehängt. Je ein Spieler pro Team versucht diesen Socken zu stehlen. Sobald das passiert ist, ist das Spiel beendet und das Team mit den meisten Punkten gewinnt.

Durch das hohe Spieltempo ist der Sport sehr anstrengend. Positiv ist, dass das Spiel durch die einfachen Regeln schnell erlernt und gespielt werden kann.

Unter dem Radar

In Österreich wird Quidditch langsam populärer, wenngleich der Sport für die meisten Menschen immer noch unter dem Radar stattfindet. Die Vienna Vanguards sind das erste österreichische Team und gründeten sich 2014.

Der Großteil der Spieler waren damals Studenten der Universität Wien, wie Team-Managerin Andrea Wöger erzählt: „Der Teamgründer Chris Gassner war auf Auslandssemester in Australien und hat den Sport dort kennen gelernt. Als er zurück in Österreich war, wollte er auch hier ein Team gründen und hat über Facebook nach Interessierten gesucht.“ Aktuell haben die Vanguards 35 aktive Mitglieder. Dennoch hat das Team immer wieder mit spöttischen Kommentaren zu kämpfen. „Wir sind keine Verrückten, die sich verkleiden und ein Spiel nachspielen. Sobald die Skeptiker das erste Mal sehen, wie anstrengend das Spiel ist, akzeptieren sie es auch als Sport“, erzählt die Team-Managerin.

Dass der Sport über die Harry-Potter-Welt hinaus geht, sieht man an einigen Spielern, wie Wöger erzählt: „Manche unserer Spieler haben Harry Potter weder gesehen noch gelesen. Aber sie mögen den taktischen Aspekt von Quidditch und üben deswegen den Sport gerne aus.“

So suchen die Wiener auch immer wieder den sportlichen Wettbewerb. Erst am vergangenen Wochenende waren die Vanguards bei einem Turnier in Bratislava mit Teams aus der Slowakei, Slowenien, Tschechien und den Niederlanden, um dort den nächsten Pokal zu erobern.