40 der missbrauchten Buben sollen jünger als 14 Jahre gewesen sein.

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Chronik Österreich
05/25/2020

Prozessbeginn: Arzt soll 109 Buben missbraucht haben

Einem Urologen aus dem Salzkammergut wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Ab Dienstag muss er sich vor Gericht verantworten.

von Petra Stacher

Ein Besuch bei einem Urologen im Salzkammergut soll für 109 Buben im sexuellen Missbrauch geendet haben. Nun muss sich der angeklagte Arzt am Dienstag erstmals vor einem Schöffensenat im Landesgericht Wels rechtfertigen. Dem Mann drohen bis zu 15 Jahre Haft und die Einweisung in eine Anstalt.

Bereits im Jahr 2000 soll die Missbrauchsserie begonnen haben: Der 57-jährige Urologe eröffnete damals seine Ordination im Salzkammergut. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wels soll er über knapp 20 Jahre bis zu seiner Festnahme im Jänner 2019 „teils schwere sexuelle Missbrauchshandlungen“ an Buben vorgenommen haben.

Die Opfer waren als Patienten des Arztes intim untersucht worden. Dabei dürfte er ihnen weisgemacht haben, dass die sexuellen Handlungen zur regulären Behandlung dazugehören, so solle er ihnen etwa gezeigt haben wie das Onanieren „funktioniert“. Zudem wird dem Arzt vorgeworfen, Personen angestiftet zu haben, Porno-Videos von Minderjährigen zu drehen. Obendrein soll er Kinder mit Cannabis versorgt haben.

Unter 14 Jahre

Betroffen waren großteils jugendliche Patienten. 40 der Buben waren laut Anklageschrift unter 14 Jahre alt, also Kinder. Drei davon leiden demnach noch heute an schweren gesundheitlichen Folgen.

Die Missbrauchshandlungen soll der Arzt nicht nur in seiner Praxis vorgenommen haben; etwa 30 Fälle hätten außerhalb seiner Ordination stattgefunden: Einigen habe der Urologe laut Anklageschrift kleine Geldgeschenke gemacht und in sein Haus am Attersee eingeladen.

Einen Zwölfjährigen soll der Mediziner in seinem Ferienhaus am Roten Meer in Ägypten „behandelt“ haben. Sowohl Gmunden als auch Schörfling am Attersee, Vöcklabruck und Ägypten, werden als Tatorte geführt.

Festnahme im Jänner 2019

Nachdem ein 15-jähriger Junge vergangenes Jahr schließlich sein Schweigen brach, brachte seine Mutter den Fall ins Rollen und machte den Verdacht gegen den Urologen öffentlich. Sie gab an, dass ihr Kind ab dem zwölften Lebensjahr mehrfach von dem Arzt missbraucht worden sei. Der beschuldigte Arzt ließ sich daraufhin selbst von der Ärzteliste streichen.

Im Jänner 2019 wurde er schließlich festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Erst im Laufe der Ermittlungen und durch das Durchforsten der Patientenkartei wurde das Ausmaß des Falles klar.

Der Beschuldigte gab damals an, dass die „Untersuchungen“ im Anal- und Genitalbereich der jungen Patienten medizinisch notwendig gewesen seien. Laut Gutachter sei dies jedoch nicht der Fall gewesen. Ein weiteres Gutachten stufte den Urologen als zurechnungsfähig ein.

Schwere Pädophilie

Ein Sachverständiger diagnostizierte bei dem Beschuldigten Pädophilie, die den „Grad einer schwerwiegenden psychischen Störung erreicht“ habe. Aufgrund der Prognose des Experten, dass der Beschuldigte sich erneut an Minderjährigen vergreifen könnte, wurde deshalb die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt.

„Unserem Mandanten geht es den Umständen entsprechend gut“, heißt es von den Verteidigern des Angeklagten auf KURIER-Anfrage. Ihr Mandant sei nicht krank. Inwiefern sich der Angeklagte geständig zeigt, wollten sie nicht bekannt geben.

2000
In diesem Jahr eröffnet der Angeklagte Urologe seine Praxis im Salzkammergut. Bereits damals soll er sich an Buben vergriffen haben

2000 bis 2019
Knapp 20 Jahre lang soll der Urologe laut Anklageschrift insgesamt 109 Buben, darunter 40 Kinder, sexuell missbraucht haben

Jänner 2019
Die Mutter eines 15-Jährigen bringt den Fall schließlich ins Rollen: Nachdem ihr Sohn sein  Schweigen brach, geht sie an die Öffentlichkeit. Der Arzt wird Anfang 2019 verhaftet; seither sitzt er in Untersuchungshaft

Juli 2019
Im Laufe der Ermittlungen weitet sich der Fall dramatisch aus. Im Juli sind bereits 95 Opfer bekannt. Die Anklageschrift weist nun 109 missbrauchte Buben auf

10. Februar 2020
Die Staatsanwaltschaft Wels bringt die Anklage gegen den Mediziner ein

26. Mai 2020
Der Strafprozess gegen den Beschuldigten Arzt am Landesgericht Wels beginnt. Fünf Tage sind dafür eingeplant

10. Juni 2020
Die Urteilsverkündung des Schöffengerichts soll erst im Juni erfolgen

Auch ob ein zweites Gutachten gefordert wird, ist unklar. „Theoretisch ist es immer möglich, dass von einer Partei ein weiteres Gutachten beantragt wird. Wie es in dem konkreten Fall stattfinden wird, weiß man nicht“, heißt es von der Staatsanwaltschaft Wels.

Fünf Verhandlungstage sind für den Prozess anberaumt. Das Urteil wird für den 10. Juni erwartet. Zum Schutz der Opfer wird die Öffentlichkeit von der Hauptverhandlung ausgeschlossen.

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