Natascha Kampusch mit Autor Reichard

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Entführungsfall
04/14/2016

Prozess um das umstrittene Kampusch-Buch startet im Mai

Verlag muss Buch mit geheimen Protokollen nicht sofort vom Markt nehmen.

von Ricardo Peyerl

Der Streit um das Buch "Der Entführungsfall Natascha Kampusch – Die ganze beschämende Wahrheit" geht in die nächste Runde. Am 11. Mai werden Autor Peter Reichard und Natascha Kampusch einander vor dem Landgericht Köln treffen, wenn darüber prozessiert wird, ob der Münchner Riva Verlag das Buch vom Markt nehmen muss.

Ex-Kripo-Beamter Reichard wollte mit seinem Buch angeblich mit den Verschwörungstheorien aufräumen. Er hatte zehn Jahre recherchiert, mit Kampusch und ihrer Familie gesprochen und sich das Verlies im Haus von Entführer Wolfgang Priklopil in Strasshof, NÖ, angeschaut, in dem Natascha Kampusch über acht Jahre gefangenen gehalten worden war.

Dem Buch ist ein Epilog vorangestellt, in dem die Protokolle der von Entführer Wolfgang Priklopil gedrehten – bisher geheim gehaltenen – Videos während der achtjährigen Gefangenschaft von Kampusch veröffentlicht werden. Es wird beschrieben, wie das bis auf die Knochen abgemagerte Mädchen zu Sportübungen und Hausarbeit gezwungen wird, wie die Sklavin ihrem Gebieter immer demütig gehorchen und immer lieb sein musste.

Während Natascha Kampusch zum Buch ihre Zustimmung gegeben hatte, will sie den Epilog samt Reichards Kommentaren (...nackt und spindeldürr... so sahen weibliche Gefangene im KZ aus... sie stopft sich die Brotbröckchen in konzentrierter Hast in den Mund wie ein Kapuzineräffchen im Zoo...) nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn genehmigt haben.

Ihrem Antrag auf einstweilige Verfügung ohne mündliche Verhandlung, das Buch sofort vom Markt zu nehmen, hat das Landgericht Köln abgelehnt; es will die Gegner persönlich in einer Verhandlung hören.

Privatsphäre

Der Wiener Anwalt von Kampusch, Gerald Ganzger, sieht die Privatsphäre seiner Mandantin verletzt: "Das glaubt kein Mensch, dass sie die Zustimmung zu diesen Beschreibungen und Kommentaren gegeben hat", sagt Ganzger zum KURIER. Man wolle nicht das ganze Buch verbieten lassen, aber diese Details samt den Anmerkungen des Autors hätten nicht an die Öffentlichkeit gelangen dürfen.

Peter Reichard glaubt hingegen, belegen zu können, dass Kampusch auch mit der Veröffentlichung ihrer Demütigungen durch Entführer Priklopil einverstanden gewesen sei. Und auch der Riva Verlag sieht dem Prozess gelassen entgegen.

Dass es nun zu einer Verhandlung kommt, freut Anwalt Ganzger: "Denn damit wird es endgültig geklärt sein und damit ist es dann endgültig aus." Sprich: Das Buch müsse eingezogen und der Epilog entfernt werden, dann könne es wieder erscheinen.

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