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Chronik Österreich
07/15/2019

Promi-Flugverein: Polizei und Justiz ermitteln

Wiener Neustädter Flugverein: Neue Verdachtsmomente, Vereinsspitze geht „auf Tauchstation“.

von Dominik Schreiber, Patrick Wammerl, Kid Möchel

„Kompletter Flugverein hat Startverbot: Rätsel um Hintergründe“ lautet am 29. März eine Schlagzeile im KURIER. Nun lichtet sich der Nebel offenbar. Laut Staatsanwaltschaft wird derzeit wegen Verdachts der Urkundenfälschung und der unrichtigen Beurkundung ermittelt. Außerdem ist eine Sachverhaltsdarstellung eingetroffen, in der ein Betrugsverdacht gegen mehrere namentlich erwähnte Beteiligte geäußert wird.

Zeugenbefragungen

„Wir haben am 2. Juli sicherheitsbehördliche Erhebungen dazu in Auftrag gegeben“, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl. Nun werden Zeugen und Beschuldigte dazu einvernommen. Die Vereinsspitze ließ KURIER-Anfragen dazu unbeantwortet.

Dabei soll sich dem Vernehmen nach die Verdachtslage gegen den Sport Flieger Club Austria (SFCA) in Wiener Neustadt ausgeweitet haben. Wie berichtet, könnten Wartungen falsch beurkundet worden sein. Ein Techniker gab an, dass seine Unterschrift gefälscht worden ist. Ein weiterer äußerte ähnliche Verdachtsmomente. Eine Vermutung lautet, dass sich der Verein auf diese Weise Geld für Wartungen erspart haben könnte – auf Kosten der Sicherheit von Flugschülern.

Neuer Verdacht

Geprüft werden soll laut KURIER-Informationen nun auch, ob Flugstunden vielleicht nicht korrekt eingetragen wurden. Auch hier ließe sich Geld sparen: Wer weniger Stunden fliegt, der muss naturgemäß weniger Wartungen durchführen.

Umgelegt auf ein Auto bedeutet das, dass man dann einfach 80.000 Kilometer fährt aber nur 30.000 offiziell verbucht. Das Service zu 50.000 und 75.000 Kilometer könnte man sich so ersparen.

In so einem Fall müssten auch die Piloten mitspielen, die ihre Flugstunden nicht ordnungsgemäß protokollieren – die Causa würde sich entsprechend ausweiten.

Flotte am Boden

Fest steht, dass die sechs Flugzeuge seit März auf dem Boden stehen. Die Austro-Control, die eine erste Anzeige im Vorjahr noch „übersehen“ haben dürfte, entzog nach dem KURIER-Bericht alle Genehmigungen.

„Der Verein hat mit der Fälschung von Unterschriften nichts zu tun. Alle Unterschriften sind die Originale der unterschriebenen Personen. Der SFCA gibt Flugsicherheit ausnahmslos oberste Priorität“, sagte damals Vereinssprecher Benjamin Krebs in einer Stellungnahme. Heute will niemand mehr etwas dazu sagen.

Die Austro-Control hat mittlerweile ihren Bericht zu den Vorkommnissen abgeschlossen und vor wenigen Tagen dem Verkehrsministerium übermittelt. Doch über das Papier soll es hinter den Kulissen durchaus Auseinandersetzungen geben. Offenbar gibt es einige Detailfragen, die nicht geklärt wurden in dem Papier.

Beide Seiten geben sich dazu nur kryptisch. Die Austro-Control beruft sich auf die Amtsverschwiegenheit, im Verkehrsministerium heißt es bisher nur: „Es ist korrekt, dass das BMVIT den Bericht erhalten hat und sich diesen nun erst in Ruhe einmal ansieht, um zu prüfen, ob konkrete weitere Schritte zu tätigen sind“.

Brisante Querverbindungen

Die ganze Causa ist aus mehreren Gründen brisant. Denn für die Kontrolle der Starts und Landungen wäre eigentlich die Austro-Control selbst zuständig, sie musste also prüfen, ob es vielleicht ein eigenes Fehlverhalten gibt. Außerdem ist der Chef-Flug-Instruktor des SFCA zugleich oberster Unfall-Untersucher im Verkehrsministerium. Das Ministerium selbst muss am Ende entscheiden, ob Anzeige erstattet wird – die anderen Beteiligten haben keine Anzeigepflicht.

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