Notlandung eines Vereinsflugzeuges  führte wegen Wartungsfehler 2011 zu  einem Prozess.

© Polizei

Chronik Österreich
04/12/2019

Promi-Flugverein: Behörde zieht Genehmigungen ein

Wartungsprotokolle sollen gefälscht worden sein. Dokumente für sieben Flugzeuge konfisziert. Ermittlungen bei weiterem Verein.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Der Flugverein SFCA aus Wiener Neustadt ist mittlerweile auf Tauchstation gegangen. KURIER-Anfragen zu dem immer größer werdenden Skandal werden nicht mehr beantwortet. Dabei stellen sich immer mehr Fragen in der Causa um mutmaßlich gefälschte Wartungsprotokolle.

Der Verein – in dem etwa auch ORF-III-Chefredakteurin Ingrid Thurnher das Fliegen gelernt hat – darf derzeit nicht abheben. Nun hat die Austro-Control laut KURIER-Informationen die Dokumente von allen sieben Flugzeugen eingezogen.

 

Ob das nun ein komplettes Grounding der Flotte ist, will die Austro-Control, die sich auf die Amtsverschwiegenheit beruft, nicht sagen. Deren Sprecher Markus Pohanka sagt nur so viel: „Ein Flugzeug darf nur eingesetzt werden, wenn die Dokumente vorliegen und mitgeführt werden.“

Auch sonst scheint sich die Causa auszuweiten. Bei einem weiteren Verein werden nun Verdachtsmomente geprüft. Auch dort sollen Wartungsunterlagen zumindest verschwunden sein. Weniger Wartungen als vorgeschrieben durchzuführen, hätte vor allem einen Vorteil: Alles wäre für den Verein billiger.

Wartung

Bereits vor einem Dreivierteljahr bemerkte ein damals tätiger Wartungstechniker laut eigenen Angaben, dass eine Unterschrift von ihm gefälscht worden sein soll. Das habe er dem Chef-Flug-Instruktor W. mitgeteilt, der laut Vereinsmitgliedern als Betriebsleiter fungiert haben soll. W. habe ihm gesagt, er werde „das regeln“.

 

Passiert ist danach offenbar nichts. Pikant ist, dass W. zugleich Chef-Untersucher von Flugunfällen im Verkehrsministerium ist. In dem Verein sollen auch (dem KURIER namentlich bekannte) Mitarbeiter der Austro-Control zum Fliegen zu Gast gewesen sein, behaupten Mitglieder. Erst durch Anzeigen fand sich in der Austro-Control eine strenge Prüferin, die nun versucht, das alles aufzuarbeiten. Nur ihrer Hartnäckigkeit ist es laut Insidern zu verdanken, dass nun alles auf den Tisch kommt.

Das Verkehrsministerium wartet auf einen Abschlussbericht, danach wird entschieden, ob es Konsequenzen und eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gibt.

Es ist bereits der zweite Skandal, in dem die Untersuchungsstelle im Verkehrsministerium eine Rolle spielt. Noch immer laufen Justiz-Ermittlungen gegen den ehemaligen Leiter. In dessen Amtszeit wurden laut einem Rechnungshofbericht Untersuchungen verzögert. Millionen Euro flossen in eine dubiose Privatfirma. Mehrere Chefposten wurden im Zuge der vom KURIER aufgedeckten Affäre geräumt.

Danach wurde W. (noch unter SPÖ-Führung) vom einfachen Untersucher zum Abteilungsleiter gemacht – obwohl er offenbar die Fliegersprache Englisch nicht beherrscht. Dies wurde in der Ausschreibung nicht verlangt. Das ist zumindest unüblich.

Verzögerungen

Während die Untersuchungsstelle für Schienenunfälle mittlerweile viele fundierten Berichte herausgibt, scheint es im Bereich Luftfahrt noch wenig Bewegung zu geben.

Die beispielsweise bis Ende März angekündigten Berichte zu Polizeihubschrauber-Abstürzen in Deutschlandsberg (im Jahr 2009) und in den Achensee (im Jahr 2011) sind noch immer nicht veröffentlicht. Aktuell heißt es nun dazu: Achensee soll bis Ende April fertig sein, Deutschlandsberg wird danach bearbeitet.

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