Notlandung eines Vereinsfliegers im Burgenland

© Polizei

Chronik Österreich
04/02/2019

Startverbot bei Promi-Flugverein: „Meine Unterschrift wurde gefälscht“

Wartungstechniker erhebt neue Vorwürfe – Verkehrsministerium „prüft“ nun die Hintergründe.

von Dominik Schreiber, Patrick Wammerl, Kid Möchel

Die Vorwürfe gegen einen Promi-Flugverein aus Wiener Neustadt werden massiver. Ein ehemaliger Wartungstechniker spricht gegenüber dem KURIER nun sogar von „Dokumentenfälschung“. So sei seine Unterschrift auf einem der Wartungsprotokolle gefälscht worden. (Der Verein bestreitet das.)

Wie berichtet, müssen mehrere Flugzeuge des Vereins müssen seit 15. März am Boden bleiben – mehr oder weniger freiwillig, darüber gibt es aktuell sehr unterschiedliche Aussagen.

Teure Wartungen

Die vorgeschriebenen Wartungen sind jedenfalls für jeden Verein ein teures Unterfangen. Wer diese nicht durchführt, könnte theoretisch viel Geld einsparen. Ob das im aktuellen Fall auch passiert ist, untersucht derzeit die Austro-Control.

Der ehemalige Ingenieur gibt an, dass ihn sein Nachfolger kontaktiert habe. Dieser wollte wissen, ob bei einem Flugzeugmotor ein oder zwei Magneten getauscht worden sind. Dabei stellte sich laut dem Zeugen heraus, dass gar keiner getauscht worden ist – die entsprechende Unterschrift sei gefälscht. Brisant: Dies habe er anschließend mehreren Vereinsmitgliedern mitgeteilt, auch dem Chef-Fluginstruktor W. Dieser ist zugleich Leiter der Untersuchungskommission für Flugunfälle im Verkehrsministerium. W. habe zu ihm gesagt, dass „er das regeln werde“, behauptet der Ingenieur.

Das war vor rund einem dreiviertel Jahr.

 

Der Flugverein SFCA, bei dem auch bekannte ORF-Mitarbeiter fliegen gelernt haben, sieht als Ursache für die Anzeigen offenbar einen ehemaligen Flugschüler, der angeblich einen Rachefeldzug führen soll. Und zur aktuellen Causa heißt es: „Der Verein hat mit der Fälschung von Unterschriften nichts zu tun. Alle Unterschriften sind die Originale der unterschriebenen Personen. Der SFCA gibt Flugsicherheit ausnahmslos oberste Priorität“, so Vereinssprecher Benjamin Krebs in einer Stellungnahme.

Nur "Formalitäten"?

Auf der Vereins-Homepage heißt es, dass derzeit zwei Flugzeuge „aufgrund von Formalitäten“ gegroundet sind, zwei weitere würden regulär gewartet und in einer ein Motorentausch durchgeführt.

Während sich die Austro Control weiterhin auf die Amtsverschwiegenheit beruft, fordert das Kabinett von Verkehrsminister Norbert Hofer nun einen Bericht von der Behörde an.

Die Leiterin der Untersuchungsbehörde des Ministeriums, Bettina Bogner, berichtet, dass „ihr“ Chef-Fluguntersucher nur während seiner Arbeit eine Anzeigepflicht hat. „Die Tätigkeit als Fluglehrer für den SFCA hat Ing. W. nicht in Ausübung seines Dienstes, sondern privat verübt. Es bestand somit keine dienstrechtliche Meldeverpflichtung. Darüber hinaus war Ing. W. laut eigenen Angaben kein strafrechtlich relevanter Vorwurf bekannt“, so Bogner in einer Stellungnahme an den KURIER. Der aktuelle Sachverhalt werde aber nun geprüft, auch die (seit 2012) offizielle gemeldete Nebentätigkeit des Chef-Untersuchers.

Notlandung

In den Fokus rückt aber nun auch ein weiterer Vorfall vor vier Jahren. Ein Flugzeug im Umfeld des Vereins musste in Burgenland auf einem Feld notlanden. Anschließend dürften auf fünf Zündkerzen die Köpfe gefehlt haben. Der Verein kann nicht sagen, ob es sich dabei um einen Wartungsfehler gehandelt hat: „Die komplette Vereinsführung, dies inkludiert den Vorstand und alle delegierten, hat mit den Vorfällen nichts zu tun“, scheibt Sprecher Krebs.

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