Chronik | Österreich
07.11.2017

Polizisten an IS verraten: Sieben Jahre Haft in Graz

28-Jähriger in von Angst geprägten Prozess verurteilt.

Ein 28-jähriger Iraker, der mutmaßlich Polizisten an den "Islamischen Staat" (IS) verraten haben soll, ist am Dienstag im Grazer Straflandesgericht zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe, wurde aber von Zeugen belastet. Diese wollten nur unter Abwesenheit des Angeklagten vor Gericht aussagen, da sie und ihre Familien bedroht worden sein sollen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, als eine Art Geheimagent Informationen an den IS weitergegeben zu haben. Zudem soll er die terroristische Vereinigung finanziell unterstützt haben. Der Richter sprach beim Prozessauftakt Mitte Oktober von einem "hochbrisanten" Prozess: "Kaum eine Zeuge wollte heute freiwillig herkommen." Zeugen hätten Angst um sich selbst und um ihre Angehörigen. Manche seien "plötzlich erblindet und kommen nicht, um auszusagen", fuhr der Richter fort.

Der Beschuldigte bestritt, etwas mit den Drohungen zu tun zu haben. Weder er noch jemand aus seiner Familie gehöre dem IS an. Ein Zeuge gab getrennt vom Angeklagten befragt an, dass der 28-Jährige sehr wohl ein Terrorist sei. Das wisse der Zeuge von seinen Bekannten und Verwandten in Mossul. Der Angeklagte habe Leute verraten und erpresst. "Er hat Polizisten im Irak verraten. Die wurden alle vom IS verschleppt und umgebracht", sagte der Zeuge vor dem Schöffengericht.

Am Abend wurde der Mann verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.