Chronik | Österreich
07.11.2018

Polizei: Nachwuchssuche bei Boxnacht und Heißluftballon-WM

Weniger Anmeldungen als 2016, mehr als 2017 - Innenministerium spricht von einem "Erfolg".

Was haben die Unterberger Boxnacht in Kufstein, die Heißluftballon-Weltmeisterschaft in Groß-Siegharts und der Fadensteiglauf in Puchberg gemeinsam?

Bei allen diesen Gelegenheiten wurden Informationsstände des Innenministeriums für die Rekrutierung von Polizisten aufgebaut. Das von der Polizeigewerkschaft heftig kritisierte Recruiting ist damit um eine kuriose Facette reicher.

Die SPÖ-Innenexpertin Angela Lueger stellte wegen der anhaltenden Kritik eine umfangreiche Anfrage an den Ressortchef Herbert Kickl (FPÖ). Das BMI rechtfertigt sich damit, dass es heuer durch die Maßnahmen bisher 6355 Anmeldungen gegeben habe. Zuletzt wurde außerdem betont, dies sei eine Steigerung, weil 2017 nur rund 5800 Personen Interesse am Polizeiberuf gehabt hätten.

Abgelehnt

Die SPÖ-Anfrage zeigt nun, dass es 2016 allerdings mehr, nämlich etwa 7400 Anmeldungen, gab. Diese Marke dürfte heuer wohl nicht mehr zu erreichen sein. Manche Fragen von Lueger konnten jedenfalls nicht beantwortet werden, etwa wie viele der Bewerber abgelehnt werden – dazu gebe es „keine diesbezügliche statistische Erhebung“.

Dafür wurde bekannt, dass sehr viele der Rekrutierungsevents bei Veranstaltungen mit maßgeblicher Red-Bull-Beteiligung stattfinden – vom Red Bull Dolomitenmann über die Formel 1 in Spielberg, das Red Bull 400 – eine Art Berglauf– und das Airrace bis hin zum Erzbergrodeo.

Das Innenministerium pries zuletzt in einer Aussendung „den Erfolg der seit April 2018 laufenden Rekrutierungskampagne“ an. Der Tiroler Landespolizeidirektor verteidigte die Maßnahmen darin: „Wir müssen uns an der Privatwirtschaft orientieren und dürfen im Marketingbereich nicht hinterherhinken, schließlich sprechen wir dieselben Menschen an, die auch Mitbewerber ansprechen.“

„Luftschlösser“

Der Polizeigewerkschafter Hermann Greylinger (FSG) betont, dass keine „Luftschlösser gebaut werden dürfen“ bei der Anwerbung. Aussagen aus dem Ressort, wonach man damit Aufmerksamkeit errege, will er so nicht stehen lassen: „Wir wollen vor allem gutes Personal haben.“ Deshalb sollten auch Ausbildner oder zumindest gelernte Polizisten vor Ort sein. Bisher waren es Presse- und Kommunikationsverantwortliche.