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Chronik Österreich
05/16/2019

Polizei-Aufnahmetest: In Wien liegt die Latte tiefer

Bewerber in Wien mussten 2018 deutlich weniger Punkte erreichen als jene in anderen Bundesländern.

von Birgit Seiser

Wien ist anders – auch bei der Bewerbung für die Grundausbildung bei der Polizei: Wer sich für diese im Vorjahr in Wien  qualifizieren wollte, musste dafür deutlich weniger Punkte erreichen als  Kandidaten  in den anderen Bundesländern.
Und das, obwohl die Anforderungen für die Aufnahme zur Polizeiausbildung  zuvor ohnehin schon drastisch nach unten geschraubt wurden. Denn die Wiener Polizei braucht Personal – und zwar dringend.

Für die Chance auf die Aufnahme in die Ausbildung reichte bisher schon ein Gesamtpunktestand von 139. Das geht aus  der Antwort  von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ)  auf  eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten David Stögmüller  (Grüne)hervor. Der allerniedrigste Wert, mit der ein Bewerber in Wien im Dezember 2018 zur Polizeiausbildung zugelassen  wurde, war 148.

Zum Vergleich: die Durchschnittspunktezahl der Wiener Bewerber betrug  damals 621 (siehe Grafik). Das bedeutet den letzten Platz im Bundesländer-Ranking.

Am besten schnitten die Bewerber in Kärnten ab, die durchschnittlich 910 Punkte im Test erreichten. Auf Platz zwei liegt Niederösterreich, dann folgen das Burgenland, die Steiermark, Salzburg, Vorarlberg, Oberösterreich und Tirol

Frauen besser

Auffallend ist, dass Frauen den Männern bei der Leistung überlegen sind. Im österreichischen Durchschnitt erreichten die Bewerberinnen 738 Punkte, die Männer nur 722. „Diese Anfrage zeigt das erschreckend niedrige Niveau beim Aufnahmetest für neue Polizisten. Es gibt dringenden Handlungsbedarf, die Arbeit der Polizei ist ein wichtiger Teil des Funktionierens unserer Gesellschaft. Dafür müssen wir sicherstellen, dass Polizisten eine wirklich gute Ausbildung genießen“, sagt Stögmüller.  Auf die erste Kritik des Grünen-Parlamentariers hat Kickl bereits reagiert. Die Aufnahmeprüfung wurde dieses Jahr  novelliert – die Schwimmprüfung und den 3.000-Meter-Lauf müssen die Kandidaten nun nicht mehr absolvieren. Diese Aufgaben und ähnliche hatten sich in den Vorjahren stark auf die Gesamtpunkteanzahl ausgewirkt. 

Mehr Bewerber

Der oberste Polizeigewerkschafter der roten FSG, Herrmann Greylinger, zeigt sich im KURIER-Gespräch zuversichtlich: „Ich hoffe, dass das neue Aufnahmeverfahren  besser ist und man keine so großen Niveauunterschiede  mehr hat.“
Der Grund, warum man in Wien mit so niedriger Punktezahl in die Ausbildung kommt, ist laut Greylinger auch  die größere Anzahl an Planstellen, die besetzt werden müssen.

Abgesehen vom neuen Aufnahmetest würde das Niveau schon allein wegen der Rekrutierungsmaßnahmen steigen. Laut Innenministerium (BMI) finden sich nun mehr Bewerber. Eine größere Zahl an Bewerbern erhöht auch die Chance auf mehr gute. Inwiefern das Niveau der Polizisten  durch die neu gesetzten Maßnahmen tatsächlich steigt, wird sich erst zeigen.

Die Annahme, dass der 148-Punkte-Bewerber später ein „schlechterer“ Polizist wird als seine Kollegen, ist laut BMI-Sprecher Christoph Pölzl   nicht korrekt: „Nach dem Test kommt  die zweijährige Ausbildung, in der mehrere Prüfungen positiv abgelegt werden müssen.“

Übrigens: Dass in Wien – mit Blick auf die absoluten Zahlen  – im Jahr 2018 so viele Bewerber abgelehnt wurden, obwohl es zugleich viele Planstellen gibt, hat auch formale Gründe: Manche der Bewerber brachten schlicht unvollständige Unterlagen oder hatten unerlaubte Tätowierungen.