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Chronik Österreich
04/24/2019

Polizei: Teure Kampagne, wenig Erfolg

Das Innenministerium investierte Millionen in Werbung für Rekrutierung: Aufnahmen gibt es weniger.

von Birgit Seiser

10.000 neue Polizisten sollen laut Innenministerium in dieser Legislaturperiode aufgenommen werden, um dem Personalmangel endlich ein Ende zu setzen. Die Werbeoffensive zur Talentsuche ließ sich Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) eine ganze Stange Geld kosten.

Wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage von Maurice Androsch (SPÖ) hervorgeht, investierte Kickl knapp 2,5 Millionen Euro in Inserate in Zeitungen und Magazinen. Dazu kommt noch mehr als eine Viertelmillion Euro für Infostände und für Werbeartikel.

Auffällig ist, dass die Zahl der Polizisten in Ausbildung trotz der Millioneninvestition nicht gestiegen ist.

Während im Jahr 2017 österreichweit 1.601 Kursplätze belegt wurden, waren es im Jahr 2018 zwar 84 belegte Plätze mehr. Nach der teuren Kampagne ist die Prognose für 2019 aber mau: Bis inklusive Juni werden 806 neue Polizisten die Kurse besuchen. Bleibt es bei dem Trend, wären das sogar 73 angehende Beamte weniger als im Jahr 2018.

Das Problem: Die Zahl der Bewerber ist zwar sehrwohl um 1.914 gestiegen; davon haben auch 1.535 die Aufnahmeprüfung geschafft. Für sie fehlen aber schlichtweg die Ausbildungsplätze.

Zu wenig Planstellen

Laut Christoph Pölzl, Sprecher des Innenministeriums, würde man eben nur die „Besten der Besten“ aufnehmen. Außerdem gäbe es nicht genug Planstellen, die man nachbesetzen könne: „Würde man jetzt zu viele Bewerber aufnehmen, hätte man in 40 Jahren wieder dasselbe Problem mit der Nachbesetzung“, sagt Pölzl.

Das BMI hofft aber im zweiten Quartal auf mehr Ausbildungsplätze. Diese Argumente will SPÖ-Parlamentarier und Polizist Androsch nicht gelten lassen. Für ihn zeigt die Anfragebeantwortung gleich mehrere bedenkliche Punkte auf: „Erstens wurde offensichtlich sehr viel Geld in Inserate in rechten Medien investiert. Die Werbung in sozialen Medien ist mit knapp 90.000 Euro vergleichsweise gering, obwohl dort die jungen Interessenten abzuholen wären.“

Zum Vergleich: Die großen Boulevardmedien erhielten insgesamt mehr als 1,7 Millionen Euro für Werbeanzeigen.

Abgesehen von der Verteilung der Inserate kritisiert Androsch auch den Einsatz der Mittel: „Ich kann nicht nachzuvollziehen, warum man so viel Geld in Werbung steckt, anstatt für mehr Ausbildungsplätze zu sorgen. Es muss Geld in Lehrpersonal und Infrastruktur für die Ausbildung fließen.“

Ähnlich sehen schwarze und rote Polizeigewerkschaft die Situation. Der oberste Polizeigewerkschafter, Reinhard Zimmermann von der (schwarzen) FCG, ist skeptisch, was die Rekrutierung per Inserate betrifft: „Es ist sicher nicht notwendig, in einem Branchenmagazin zu inserieren“, sagt Zimmermann und spielt damit auf Werbeanzeigen in einem journalistischen Fachblatt an, die mehr als 16.000 Euro kosteten. Prinzipiell sei es zwar gut, in Rekrutierung zu investieren. Die Polizei „allgemein attraktiver zu machen“, wäre für Gewerkschafter Zimmermann aber „weit sinnvoller“.

Bei der roten Gewerkschaft FSG hat man diesbezüglich Ideen: „Überall gibt es die Möglichkeit der Lehre mit Matura, nur bei der Polizei wird das nicht umgesetzt. Bei den Werbemaßnahmen hört man immer vom Dienst bei der WEGA oder Cobra, von der Hundestaffel oder von einer Ausbildung als Hubschrauberpilot. Tatsächlich sind aber 85 Prozent der Kollegen auf der Straße. Da ist es doch klar, dass die Dropout-Rate hoch ist“, sagt Hermann Greylinger, Vorsitzender der FSG.

Viele Drop-outs

Die Rate jener, die freiwillig aus dem Dienst ausscheiden, steigt jährlich. Das liegt möglicherweise daran, dass auch in der weiterführenden Ausbildung der Polizisten massenhaft Kursplätze fehlen: „Es gibt rund 2000 Beamte, die auf Plätze für Ausbildungen warten“, sagt Androsch.

Viele Neubewerber wollen laut dem SPÖ-Mandatar außerdem nicht ein Jahr abwarten: Trotz bestandener Aufnahmeprüfung ist es in den meisten Fällen nämlich so, dass die Bewerber nicht sofort in die Ausbildung geschickt werden. Sie erfahren erst nach einem Jahr, ob sie in den Polizeidienst eintreten können. Die Drop-out-Rate ist hoch, weil sich viele in dieser Zeit beruflich anders orientieren.

Während es bei der Ausbildung also offensichtlich hapert, steigt die Zahl jener Beamter, die aus dem Dienst ausscheiden, stetig weiter.

Im Jahr 2017 gingen 713 Polizisten in Pension. Ein Jahr später waren es schon 833. Für das laufende Jahr lautet die Ruhestandsprognose auf 890 Beamte.