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Chronik Österreich
11/11/2019

Pokercasinos: 22 Tage Arbeit, 311 Euro Gehalt

Betreiber Zanoni will weitermachen. Er kritisiert die „Erdrosselungssteuer“, einige seiner Dealer das mysteriöse Gehaltssystem.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Professionelle Pokerspieler vertrauen nicht auf ihr Glück. Sie setzen lieber auf gute Karten, bei denen sie sicher sind, dass sie ihren Gewinn maximieren können. Ob man derzeit sein Geld auf Peter Zanoni und seine Concord-Card-Casinos (CCC) wetten sollte, darüber bestehen durchaus Zweifel.

Wie berichtet, müssen seine (und viele andere private) Pokerräume mit Jahresende eigentlich zusperren. Damit rechnen zumindest die Finanz, die Konkurrenz und die Masseverwalter von sechs Zanoni-Firmen.

Zanoni: "Wir haben am 1. Jänner offen"

Doch er selbst ist weiterhin kämpferisch: „Am 1. Jänner 2020 werden wir offen haben“, tönte der Pokerkönig bei einer Pressekonferenz, die nach einem KURIER-Bericht einberufen wurde. Sein Pokerblatt möchte der streitbare Geschäftsmann lieber noch nicht folden (ablegen).

Doch erstmals gibt es auch Kritik aus den eigenen Reihen - Dealer berichten gegenüber dem KURIER von einem durchaus merkwürdigen Gehaltssystem für angestellte "Spielleiter".

„Dunkle Mächte“

Zanoni spricht von „dunklen Mächten“, die ihm aktuell eine „Erdrosselungssteuer“ auferlegen würden. Dem Vernehmen nach möchte der Staat mehr als 300 Millionen Euro von der CCC-Gruppe.

Das Problem dabei: Der ab Jahresbeginn einzig legale Pokeranbieter, die Casinos Austria, hat eine andere Rechtslage und muss weniger Steuern abliefern als der bisherige Betreiber – de facto einen Bruchteil.

Wird diese Steuer eingefordert, dann müssen die CCCs in die Insolvenz. Zanoni sieht dabei ein gehöriges Ungleichgewicht.

26 Jahre lang sei mit allen möglichen Methoden (Strafrecht, Hausdurchsuchungen, Anzeigen) von Staat und Finanz versucht worden, ihn zu Boden zu ringen. Nun deutet alles daraufhin, dass dies seinen Gegnern gelingt.

Auf der rechtlichen Front hat Zanoni nun eine weitere Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) eingebracht, auch beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) soll noch eine Eingabe folgen. Er will in den nächsten Wochen auch bei Nationalratsabgeordneten für eine Gesetzesänderung werben, um eine Verlängerung der Übergangsfrist und eine Klarstellung des Gebührengesetzes zu erreichen.

Das Gehaltssystem

Denn erstmals regt sich auch aus den eigenen Reihen Widerstand. Dem KURIER wurden Unterlagen und Lohnzettel zugespielt, die einen zumindest merkwürdigen Umgang mit Anstellungen im Reich des Pokerkönigs zeigen sollen.

Die Gehaltsabrechnung eines Spielleiters (Dealers) zeigt demnach für einen Monat 311,72 Euro netto – für 22 Tage Arbeit. Auch zwei andere Jahresabrechnungen von Angestellten zeigen Monatsgehälter von unter 1000 Euro.

Zanoni wollte dies nicht im Detail bestätigen, aber auch nicht ausdrücklich dementieren. Er erklärte aber, dass „unsere Dealer prinzipiell vom Trinkgeld leben“. Dass somit offenbar nur ein paar hundert Euro an Sozialversicherungsabgaben jährlich für die jeweiligen Mitarbeiter anfallen, erhöht die Freude der Finanz sicherlich nicht. Offenbar wollen auch die (vor allem aus Osteuropa stammenden) Dealer sich das aber nun nicht mehr bieten lassen, heißt es.

Zanoni sieht dennoch seine 600 Mitarbeiter komplett geschlossen hinter sich: „Für diese werde ich kämpfen“, sagte er.  „Wir hoffen, dass es weitergeht“, betonte auch die Mitarbeiter Oliver Pimperl und Ursula Martinek am Montag bei der Pressekonferenz.

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Der Pokerkönig

Am 7. Oktober 1993 eröffnet Peter Zanoni sein erstes Poker-Casino, damals waren noch ranghohe Politiker zu Gast. Doch es folgten zahlreiche Ermittlungen und bis heute – laut Angaben des Pokerkönigs – 600 Hausdurchsuchungen und Kassenpfändungen. Gleichzeitig boomte das Kartenspiel, auch weil Zanoni Poker für kleine und große Brieftaschen anbot. So holte er die größten Tunrnierseren abseits von Las Vegas, die EPT und die WPT, nach Wien. Sein Imperium ist in Europa in der Pokerszene eine große Nummer. Als für den James-Bond „Casino Royal“ ein Dealer gesucht wurde, wurde einer aus dem CCC ausgewählt.

Abgabenforderungen der Finanzbehörden in dreistelliger Millionenhöhe führten im Frühjahr 2019 schon zur Insolvenz von mehreren Firmen aus dem Glücksspielreich von Zanoni. Als Betreiber der Concord Card Casinos tritt derzeit die Casino Equipment Vermietungs GmbH auf. Zuletzt hat der Pokercasinobetreiber mit Tischgeld und Gastronomie nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro erzielt.

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