Das Wiener Montesino gehört Zanoni

© /Montesino/Fabfotos

Concord Card Casinos
06/17/2016

310 Millionen Euro Steuerschuld: Das bedrohte Pokerparadies

Ein OGH-Urteil könnte demnächst den 13 privaten Pokercasinos den Todesstoß versetzen.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

"Das ist eine Schweinerei, das ist wie in Chicago 1930", zürnt Peter Zanoni. Insgesamt 310 Millionen Euro Steuerschulden wurden ihm fällig gestellt. Demnächst wird der Oberste Gerichtshof darüber entscheiden, ob dies rechtens ist. Scheitert Zanoni mit seinem Einspruch, werden seine 13 Casinos sofort zugesperrt, die Zeit des Pokerns in Österreich wird auf einen Schlag vorbei sein. Und das drei Monate, bevor mit der WPT die zweitgrößte Turnierserie außerhalb von Las Vegas in seinem CCC-Simmering Station macht.

23 Jahre Streit

"Die Republik Österreich hat rund 260 Millionen Euro Forderungen im Insolvenzverfahren angemeldet, dazu kommen 50 Millionen Euro Forderungen des Landes Vorarlberg", sagt Masseverwalter Günther Hödl dem KURIER. Der Streit zwischen Zanoni und dem Staat geht bereits in das 24. Jahr. "Dabei beträgt der Einsatz bei 80 Prozent der Spiele bei uns 50 Cent bis zwei Euro. Das bietet niemand an, bei den Casinos Austria startet das bei fünf Euro", sagt Zanoni. Er selbst nimmt 3,5 Prozent von jedem Einsatz. "Aber ich soll 16 Prozent der Einsätze als Steuer zahlen", sagt Zanoni, das gehe nicht. Alle Sozialabgaben habe er beglichen.

"Das ist absurd"

Vor allem das Land Vorarlberg hat ihm zugesetzt. Dem Cardroom wurde – im Gegensatz zu den Casinos – sogar eine Kriegsopferabgabe abgeknöpft. "Auch ich habe noch nie erlebt, dass man für einen Umsatz von 250.000 Euro zwei Millionen Abgaben zahlt,was in Wirklichkeit absurd ist", sagt Hödl. "Die Branche ist schon eine eigene, aber grundsätzlich ist es ein legaler Betrieb." Zanoni spricht von "Abgabenmissbrauch" der Behörden.

Vorarlberg hat den Konkursantrag gestellt und der Staat hat nachgezogen. Im vergangenen Sommer hat Zanoni den Spiel-Betrieb an die Gesellschaft Montesino ausgelagert, das Inventar wurde an die neue operative Firma für einige Hunderttausend Euro verkauft. Doch auch dort sind 40 Millionen Euro Schulden, vor allem wegen der Steuer, ausgewiesen.

OGH entscheidet

Nun liegt der Ball bei den Höchstrichtern. Hödl rechnet in Kürze mit einer Entscheidung. Insgesamt beschäftigt Zanoni in allen seinen Gesellschaften rund 650 Mitarbeiter. Verliert er vor dem OGH werden die Casinos wohl von einem Tage auf den anderen still gelegt. Auch die Zanoni Privatstiftung wird wahrscheinlich haften müssen. Außerdem sollen einige Betriebsprüfungen gegen Zanonis Firmen anhängig sein.

Wiener gewinnt 11,4 Millionen Euro

Gute Nachrichten gibt es hingegen für den "Wahl-Wiener" und Poker-Nachwuchsspieler Fedor Holz. Er stammt ebenfalls ursprünglich aus Deutschland, lebt seit rund drei Jahren in Wien und ist seit Mittwoch offiziell der beste Pokerspieler der Welt. Allein heuer gewann der erst 22-Jährige mehr als acht Millionen Euro bei internationalen Pokerturnieren. In Summe sind es 11,4 Millionen Euro bei Liveturnieren, dazu kommt noch ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag beim Onlinepoker.

4,6 Millionen Dollar gewann der Shootingstar innerhalb der vergangenen drei Wochen bei Turnieren rund um die Weltmeisterschaft in Las Vegas. „Ein Traum ist wahr geworden“, verlautete Holz auf seiner Facebookseite. Er gilt bereits seit Monaten als Star der Pokerszene und spielt um Summen, die Normalsterbliche schwindelig werden lassen. 300.000 Dollar kostete ihn das Eintrittsgeld, um mit 48 anderen Millionären aus der Welt des Pokers und der Wirtschaft im Mai zu pokern – Holz wurde bei diesem Turnier starker Zweiter.

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