Chronik | Österreich
20.10.2017

Pistenstart auf braunen Wiesen: "Wir sind mitten in der Piefke-Saga"

Tirols Umweltanwalt kritisiert die Auswüchse des Wintertourismus. So etwa Pistenstarts Mitte Oktober.

171 Millionen Euro hat die österreichische Seilbahnbranche im Vorjahr in die Beschneiung gepulvert. Und dieses Summe dürfte heuer wieder übertroffen werden. Mit Kunstschnee haben sich die Skigebiete zuletzt immer wieder über Saisonen gerettet, in denen das Wetter nicht so recht mitspielen wollte. Und auch das Anlegen von Depots, bei dem Schnee von einem in den nächsten Winter gerettet wird, gehört längst zum Standard.

Genau so ein Lager nutzen die Kitzbüheler Bergbahnen Jahr für Jahr, um in einem künstlichen Rennen als erster durchs Ziel zu gehen. Heuer sieht man sich als Gewinner. " Kitzbühel startet als erstes Nicht-Gletscher-Skigebiet am 14. Oktober den Winterbetrieb", wurde vergangene Woche stolz verkündet. Am Resterkogel hat man dafür zwei Pistenbänder in die braungrünen Wiesen gewalzt – was auch von Teilen der Bevölkerung kritisiert wurde, nachdem ein Internetvideo von den Präparierungsarbeiten kursierte.

"Da sind wir mitten in der Piefke-Saga. Wenn die Leute zwei Pisten im Oktober herrichten, da können wir nicht mit", sagte Walter Tschon, stellvertretender Chef der Tiroler Landesumweltanwaltschaft, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag mit dem Leiter der Stelle, Johannes Kostenzer. Die beiden legten ihren Tätigkeitsbericht für die Jahre 2015 und 2016 vor und orten eine Reihe von bedenklichen Entwicklungen im Wintertourismus.

Der Vergleich mit der "Piefke-Saga" von Felix Mitterer kommt nicht von ungefähr. Im vierten Teil aus dem Jahr 1993 wird ein albtraumhaftes Zukunftsbild des Tiroler Tourismus gezeichnet. Zu dem gehört auch, dass der Wintertourismus mit Hilfe von Schneekanonen im Sommer weiterläuft. Tatsächlich setzt der Branche aber bereits der Klimawandel zu.

"Die Beschneiung wandert immer weiter nach oben, teilweise auf 3000 Meter Höhe. Das Wasser wird dafür mitunter 1000 Meter hinaufgepumpt", sagt Kostenzer. Diese Entwicklung zeigt für ihn, dass die Tourismusbranche schon jetzt mit der Erwärmung kämpft. Mit größeren Speicherteichen wird laut Tschon etwa sicherzustellen versucht, dass während eines Winters zwei bis drei Mal beschneit werden kann. Gleichzeitig seien derzeit "Skigebietserschließungen in Tirol stark im Kommen", sagt Kostenzer.

Gletscher-Verbindung

Wie berichtet, befinden sich eine ganze Reihe von Projekten in Planung. Derzeit läuft etwa die Prüfphase für einem möglichen Zusammenschluss der Gletscherskigebiete des Ötz- und des Pitztals. Hier wollen die Betreiber nicht nur neue Lifte, sondern auch neue Pisten bauen. Kostenzer ortet hinter solchen Begehrlichkeiten eine gewisse "Torschlusspanik" und speziell hinter den Ausbauten in großen Höhen ein bestimmtes Kalkül: "Da versucht man, noch schnell Geld zu verdienen, bevor es der Klimawandel unmöglich macht."

Die Umweltanwaltschaft will sich nicht als Verhinderer verstanden wissen. So seien in den vergangenen beiden Jahren etwa die Beschwerden der weisungsunabhängigen Landesstelle in Naturschutzverfahren zurückgegangen. In manchen Bereichen werden jedoch weitere Grenzen gefordert – etwa eine Einschränkung der Beschneiungszeiten.