Chronik | Österreich
04.07.2017

Penthouse für Ex-SPÖ-Chef auf Sozialbau

Frau von heutigem Geschäftsführer von Tirols größtem gemeinnützigen Wohnbauträger bekam Zuschlag für die Wohnung.

Vor den Gärten im Erdgeschoß wächst das Grün noch spärlich. Ein Möbelwagen steht vor dem Haus. Die Ende Juni übergebene schmucke Wohnanlage in Absam bei Innsbruck strahlt mit ihrer Holzfassade in frischem Glanz. Ein "Vorzeigeprojekt" nannte Hannes Gschwentner, Geschäftsführer von Tirols größtem gemeinnützigem Wohnbauträger Neue Heimat Tirol (NHT), das Projekt bei der Schlüsselübergabe.

Der ehemalige Wohnbau-Landesrat und Ex-Chef der Tiroler SPÖ muss wissen, wovon er spricht. Gemeinsam mit seiner Gattin Brigitta lebt Gschwentner im Dachgeschoß von einem der Häuser auf 113 Quadratmetern in einer Terrassenwohnung. Offiziell als Käuferin fungierte die Frau des NHT-Chefs, wie der Blogger Markus Wilhelm auf seiner Seite dietiwag.org berichtet. Rund 480.000 Euro betrug der Kaufpreis.

Und so lebt der Ex-Politiker nun in einer Wohnanlage, die mit dem Ziel errichtet wurde, "leistbaren Wohnraum" für die Bürger von Absam zu errichten, wie es Ortschef Arno Guggenbichler (SPÖ) anlässlich der Fertigstellung der Häuser erklärt hatte.

Wohnung nie am Markt

Das Finanzierungsmodell für den Wohnbau sah vor, dass vier frei finanzierte Eigentumswohnungen den Preis für die übrigen 19 geförderten Wohnungen senken, wie Guggenbichler auf Anfrage erklärt. Drei dieser Wohnungen sollte die Gemeinde vergeben. "Die Vergabe einer Wohnung hat sich die Neue Heimat vorbehalten", sagt der Ortschef.

Für diese Wohnung bestand auch nicht die Auflage, wonach der Wohnwerber vor Kauf zehn Jahre seinen Hauptwohnsitz in Absam haben muss. Gschwentner sieht in der Transaktion kein Problem. Telefonisch war er für den KURIER nicht erreichbar. Der NHT-Chef lässt seine Gattin in einer Stellungnahme antworten. Darin ist man berühmt, klar zu stellen, dass es sich hier um kein Schnäppchen handelt.

Vielmehr koste eine der geförderten Wohnungen mit 89 Quadratmetern 257.791 Euro. Bei den Gschwentners ist u.a. noch eine 76 Quadratmeter große Terrasse dabei. Frau Gschwentner erzählt, dass sie schon länger auf Wohnungssuche in der Gegend war. "Ich habe mich deshalb bei der Neuen Heimat Tirol für diese Wohnung interessiert", heißt es in dem Schreiben.

Der Kaufvertrag sei dem Aufsichtsrat des Unternehmens vorgelegt worden. Die Aufsichtsbehörde und der Revisionsverband des Verbandes Gemeinnütziger Österreichischer Bauvereinigungen wurden umgehend von diesem Beschluss informiert und erhoben dagegen keinen Einwand. Zumindest die Neos orten indes bereits "Aufklärungsbedarf."