Bei der Behandlung des Jugendlichen kam es zu Komplikationen.

© Getty Images/FangXiaNuo/iStockphoto

Chronik Österreich
06/28/2021

Panik im Spital: Schwerkranker 16-Jähriger hat Ärger mit Justiz

Seit November 2020 wartet die Familie auf das Gerichtsgutachten. Sie hofft auf keine Konsequenzen.

von Johannes Weichhart

Stefan H. (Name geändert, Anm.) ist schwer krank. Am 18. März hörte sein Herz auf zu schlagen, der 16-Jährige musste in einem Park im Bezirk St. Pölten in Niederösterreich wiederbelebt werden. Der Jugendliche konnte zwar von einer engagierten Pädagogin ins Leben zurückgeholt werden, doch ein Leben ohne Hilfe ist für ihn nicht mehr möglich. Dazu kommt, dass sich seine alleinerziehende Mutter und er seit Monaten mit der Justiz herumschlagen müssen. Der Vorwurf: Sachbeschädigung.

Die Vorgeschichte zu dem Fall, der seit Monaten die Behörden beschäftigt, begann am 20. Juli 2020, als Stefan wegen Herzrhythmusstörungen in ein großes Krankenhaus nach Linz in Oberösterreich eingeliefert wurde. Im Zuge der Behandlung, bei der ein Elektrokatheter in das zentrale Organ des Blutkreislaufs eingebracht wird, kam es allerdings zu Komplikationen. Zehn Tage lag der damals 15-Jährige auf der Intensivstation.

Angst

Im darauffolgenden August folgte für Stefan der nächste Krankenhausaufenthalt. „Aufgrund seiner Erfahrungen hatte er schreckliche Angst vor einer weiteren Behandlung“, erzählt Andrea Schmidt, die in der Landeshauptstadt St. Pölten als Anwältin tätig ist.

In Panik soll der Jugendliche mit Gläsern geworfen und eine Lade kaputt gemacht haben. Die Polizei rückte an, eine Anzeige wurde erstellt. Eine Zeugin gab damals zu Protokoll: „Die Motive für den Vorfall an diesem Tag könnten (...) die Angst vor der schweren Herzkrankheit und vor dem geplanten Eingriff sowie die starken Medikamente gewesen sein“.

Sonde verrutschte

Schmidt ist zudem der Meinung, dass man die Situation auch anders hätte lösen können. „Die psychiatrische Station liegt ganz in der Nähe des Krankenzimmers, wo es zu dem Vorfall kam. Von der Station hätte man Experten, die auf derartige Situationen geschult sind, hinzuziehen können, sagt die Rechtsanwältin im Gespräch mit dem KURIER.

Für Stefan ging der medizinische Leidensweg weiter. Am 19. Oktober verrutschte eine Sonde, die in ihm platziert wurde, er fiel abermals ins Koma.

Während Stefan um sein Leben kämpfte, wollte es die Justiz in der Causa Sachbeschädigung ganz genau wissen. Am 3. November 2020 wurde eine Sachverständige bestellt, die ein Gutachten erstellen sollte. Acht Monate später gibt es noch immer kein Ergebnis. „Für die Familie ist diese Situation insgesamt sehr belastend“, sagt die Rechtsanwältin. Sie hofft, dass von einer weiteren Verfolgung durch die Justiz abgesehen wird.

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