Chronik | Österreich
23.05.2017

Ohne Zusagen vom Bund steht Olympia 2026 in Tirol auf dem Abstellgleis

Innsbrucks Bürgermeisterin sieht in Winterspielen die Chance, den Bau eines neuen Stadtteils um Jahre vorzuziehen. Doch die Bewerbung wackelt bedenklich.

Die österreichische Bundesregierung steht vor den Scherben ihrer Zusammenarbeit. Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) übt sich dennoch in Zweckoptimismus. "Ich nehme die Regierung beim Wort. Sie muss sich jetzt nicht mehr mit Wahlterminen beschäftigen und kann arbeiten", sagt sie.

Dass das Stadtoberhaupt so interessiert nach Wien schielt und hofft, dass die zerbröselte rot-schwarze Koalition vor dem Urnengang im Herbst doch noch einige gemeinsame Entscheidungen trifft, hat einen guten Grund. Oppitz-Plörer liebäugelt wie Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) mit einer Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026. Und da spielt der Bund eine wichtige Rolle.

Warten auf Studie

Bis Ende Mai soll eine von Land und Stadt beauftragte Machbarkeitsstudie vorliegen – Verzögerung nicht ausgeschlossen. "Ich gehe davon aus, dass die Präsentation vor Ende Juni erfolgt", sagt Oppitz-Plörer dazu. Ob die Studie zum Ergebnis kommt, dass Innsbruck und Tirol Olympia stemmen könnten oder nicht, ist aber aufgrund der Turbulenzen im Bund womöglich obsolet.

Denn die Bundesregierung müsste für eine etwaige Durchführung der Spiele noch vor einer Bewerbung eine Ausfallhaftung abgeben. Ohne die ist auch eine Volksbefragung nicht sinnvoll. Und ob sich die in die Haare geratenen Koalitionspartner darauf noch einigen können, ist mehr als zweifelhaft. Oppitz-Plörer ortet "Signale des Bundes", dass es bis zu den Wahlen noch die notwendigen Zusagen geben könnte. Die Bürgermeisterin weist aber darauf hin, dass es nicht nur um Haftungsfragen geht. "Auch Sicherheit und medizinische Versorgung sind Themen des Bundes", sagt sie. In diesen Bereichen braucht es ebenfalls Zusagen der Finanzierung.

O-Dorf am Bahnhof

Die noch ausstehende Machbarkeitsstudie setzt sich auch damit auseinander, wo im Falle eines Olympia-Zuschlags die 2800 Athleten untergebracht werden sollten. Oppitz-Plörer macht nun klar, dass sie eine Bebauung des Innsbrucker Frachtenbahnhofs im Auge hat.

"Es gibt bereits eine Bebauungsstudie für dieses Areal. Es geht nur um die Realisierung dieses Projekts und eine vorgezogene Umsetzung", sagt die Stadtchefin, die nicht ausschließen will, dass es auch noch an anderen Standorten in Tirol Athleten-Dörfer geben könnte.

Der Frachtenbahnhof gilt als das größte innerstädtische Entwicklungsgebiet Innsbrucks. Pläne, hier einen neuen Stadtteil mit Wohnbebauung zu entwickeln, gibt es seit Anfang der 2000er-Jahre. Um dieses Vorhaben für etwaige Winterspiele 2026 zu realisieren, "wäre eine gemeinsame Kraftanstrengung notwendig", sagt Oppitz-Plörer.

Dafür bräuchte es auch eine Absichtserklärung der ÖBB. Und die benötigt das Areal noch im Zuge der Bauarbeiten für den Brenner-Basis-Tunnel. Der soll 2026 öffnen, also im Jahr der Olympischen Winterspiele. Tirol als Austragungsort steht derzeit aber eher auf dem Abstellgleis.